Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 2 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 13 I Feuilleton Chaim Nachmann Bialik 60 Jahre In dieser Woche feiert die ganze jüdische Welt, insoweit ihr Judentum etwas beideutet, den 60. Geburtstag Chaim Nachman Bialiks, der unbestritten den Rang des größten lebenden hebräischen Dichters •einnimmt. Daß er es unbestritten ist, ist geradezu kennzeichnend für ihn; ihm is+ die Gnade beschieden worden, 'daß er bereits zu Lebzeiten einen Grad der Anerkennung und Verehrung genießt, wie ihn sonst nur die Patina der Geschichte und der Vergangenheit 'den großen Geistesheroen zuteil werden läßt. Man kann von Bialik sagen, daß er zu jenen Wundern gehört, ohne welche die Renaissance des jüdischen Volkes nicht denkbar gewesen wäre, zu jenen Wundern, welche tatsächlich nicht anders erklärbar sind, als durch die innere Lebenskraft des jüdischen Volkes, das sich in der Not des drohenden Unterganges die Mittel schafft, durch die es gerettet werden kann. Dazu gehört etwa das Entstehen des Chaluztypus, das Erwachen der hebräischen Sprache und im Zusammenhang damit der Dichter dieses neuen Hebräisch, der den schlagendsten Beweis zu geben vermag, daß diese totgesagte Sprache lebt. Ch. N. Bialik ist ein wahrer Brennpunkt unserer nationalen, sittlichen und kulturellen Wiedergeburt; in ihm vereinigt sich Vergangenheit und Zukunft; seine Sprache ist erfüllt von der Größe unserer Geschichte, die im Hebräischen Formen gewonnen hat, und der Dichter ist es, der auf dem Wege der Kunst alle diese Richtungen unseres nationalen Schicksals, Erlebnisses und Wollens ins Leben trägt, ins Volk, in die gegenwärtige Wirklichkeit. Das ist die große Sendung dieses Mannes, darum wird er verstanden — auch wenn ihn nicht allzuviele verstehen; daruin wird er verehrt — auch wenn ihn nicht allzuviele kennen; darum wird er geliebt — auch wenn er ein strenger Lehrer und ernster Mahner ist. Das jüdische Volk wünscht seinem Dichter, der auf dem Höhepunkt seines weit über die Kunst hinausgreifenden Werkes steht, noch viele Jahre schaffenfreudigsten Lebens. W. Bialiks Leben und Werk Chaim Nachman Bialik, als der bedeutendste hebräische Dichter der Gegenwart anerkannt, wurde in dem Dorfe Rady (Wolhynien) geboren. Seine erste Kindheit verbrachte er auf dem Lande, später zogen seine Eltern nach Shitomir, wo Bialiks Vater starb, als Bialik 7 Jahre alt war. Im Hause seines Großvaters erwarb er sich die ersten Kenntnisse in der hebräischen Literatur, ln dem nahegelegenen Listin und später in dem Beth Midrasch der litauischen Juden in Shitomir bildete er sich weiter. Mit 16 Jahren bezog er die Jeschiba in Woloshin. Hier wurde er durch Lektüre von den Ideen Achad Haams beeinflußt. Von den hebräischen Dichtern war es vor allem Jehuda Löb Gordon, dessen Dichtungen auf Bialik eingewirkt haben. Im Sommer 1891 kam Bialik nach Odessa, wo in Rawnitzkis „Pardes“, sein erstes Gedicht, „El ha-Zippor“ gedruckt wurde. Die folgenden Gedichte Bialiks zeigten bald, daß mit ihm eine neue Periode der hebräischen Poesie beginnen sollte. Nach seiner Verheiratung im Jahie 1893 wohnte Bialik vier Jahre in Korostyschew, wo er Waldhandel betrieb. 1897 wurde er als Lehrer nach Sosnowice (Polen) berufen. Dort schrieb er seine größere Dichtung „Ha Matmild“, die das Lernen im Beth Midrasch schildert und die Empfindungen der jungen und der alten Generation zum Ausdruck bringt. Ein anderes, gleichzeitig entstandenes Gedicht, „Aschen Chazir ha-am“, gibt die seelischen Konflikte 'des jüdischen Volkes wieder und leitet eine Reihe Gedichte ein, die von einer anklägerischen Stimmung durchzogen sind. Die Grundstimmung dieser Gedichte ist pessimistisch. Im Sommer 1900 zog Bialik wieder nach Odessa, wo er als Lehrer an dem „reformierten Glieder“ wirkte. Hier entstand zunächst die große Dichtung „Mete Mildbar“, die die Tragödie des Galuth darstellt. Es entstand später eine Reihe von Dichtungen, die Lebens- und Naturfreude zum Ausdruck bringen, u. a. „Zafririm“, „Soliar“, „Schire ha-Choref“. 1902 erschien in Warschau (Verlag „Tuschija“) die erste Sammlung (der Gedichte Bialiks. Unter dem Eindruck des Pogrom in Kischinew entsanden „Al ha-Schechita“ und „Be-Ir ha-Harega“. 1904 wurde Bialik Redakteur des schönliterarischen Teiles des „Ha-Schiloach“. Damals entstanden das große Poem „Megillat ha-Esch“ und die Vision „Dabar“. Kurz vor dem Kriege erschien eine zweite vollständige Sammlung der Gedichte Bialiks in Odessa. 1915 verfaßte er einen größeren Gedichtszyklus, der in dem von ihm selbst redigierten Sammelbuch „Knesseth“ erschien. Um die selbe Zeit entstanden auch seine „Schire ha-Am“ (Volkslieder), sowie Kindergedichte, die meist schon in Lesebüchern Aufnahme gefunden haben. Bialik verließ Rußland endgültig 1921, und siedelte nach einem zweijährigen Aufenthalt in Berlin nach Palästina über. Bialik schrieb auch eine Reihe jiddischer Gedichte, die 1906 unter dem Titel „Vun Zaar und Zorn“ erschienen sind. Er veröffentlichte auch eine Reihe Erzählungen wie „Arie Baal Guf“, „Meachore ha-Geder“, und eine autobiographische Darstellung „Saflach“. In den letzten Jahren hat Bialik auch biblische Volkslegenden aufgezeichnet. Bialiks Essays dienen in der Hauptsache der Klärung literaturgeschichtlicher und theologischer Fragen. Er übersetzte wissenschaftliche Abhandlungen, den „Don Quichote“, Schillers „Wilhelm Teil“ und Asnis „Dybbuk“ ins Hebräische. Einen bedeutenden Teil seiner Wirksamkeit nimmt seine Tätigkeit als Vortragsleiter ein. Er gründete noch in Odessa gemeinsam mit S. Ben Zion, Lewinsky und Rawnitzki den „Moriah“-Verlag, der Lehrbücher herausgab, und nach dem Krieg den Verlag „Dwir“. Vor kurzem begann Bialik mit der Publikation einer jüdischen Dichtung aus Spanien, die von ihm selbst als sein Hauptwerk angesehen wird. Bialik leitet gemeinsam mit Rawnitzki die folkloristische Zeitschrift „Reschumot“. Was ist los, am Sonntag, den 5. Februar im????????? Regina Palast Hotel???