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Das jüdische Echo · 1933-01-15 · 2 (15.1.1933) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
2 (15.1.1933)
Date
1933-01-15
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 Das J&dlsche Echo Nr. 2 Attentat auf Redakteur Esriel Carlebach in Hamburg Hamburg, 5. Januar. (JTA.) Auf Esriel Carlebach, Mitredakteur des „Israelitischen Familienblattes“, ist in der Nacht zum 4. Januar ein Revolverattentat verübt worden, das von schweren Folgen für den begabten jungen Schriftsteller begleitet war. Carlebach, der um Mitternacht noch Briefe zur Post bringen wollte, wurde auf dem Wege von einem jungen Mann verfolgt. In der Straße „Harvestehuder Weg“ feuerte der Verfolger mehrere Schüsse auf Carlebach ab. Carlebach erhielt einen Streifschuß am Kopf und brach zusammen. Durch den Sturz zog er sich eine Gehirnerschütterung und schwere innere Verletzungen zu. Erst einige Zeit später wurde der Bewußtlose von Polizeibeamten aufgefunden und nach Feststellung seiner Personalien in seine Wohnung gebracht, wo er in besorgniserregendem Zustande darniederliegt. Man vermutet, daß der Täter ein Kommunist ist, da Carlebach, wie auch anderen Mitgliedern der Redaktion des „Israelitischen Familienblattes“, in der letzten Zeit von kommunistischer Seite Drohbriefe zugegangen sind. Auch auf der Straße wurde Carlebach schon seit Wochen verfolgt. 8. Januar. Die Polizei setzt die Nachforschungen nach den Urhebern des Attentats fort, eine Anzahl jüdischer Kommunisten wurde vernommen, ein irgendwie greifbares Resultat liegt noch nicht vor. Geheimrat Albert Pinner gestorben Berlin, 6. Januar. (JTA.) In Dresden, wo er zur Erholung Aufenthalt genommen hatte, ist der hervorragende Berliner Jurist, Geheimer Justizrat Dr. h. c. Albert Pinner, Ehrenmitglied des Berliner Anwaltsvereins, einige Monate nach Vollendung seines 75. Lebensjahres, einem Herzschlag erlegen. Er hat sich besonders als Handelswissenschaftler hervorgetan. Seine Hauptwerke sind die Kommentare zum aktienrechtlichen Teil des Handelsgesetzbuches und zum Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb, sowie die Fortführung des Staubschen Kommentars zum Handelsgesetzbuch. Anläßlich seines 70. Geburtstages ernannte ihn die Berliner Universität zum juristischen Ehrendoktor und stiftete die Berliner Anwaltschaft einen „Albert Pinner-Preis“ für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten auf seinem Spezialgebiete. Dritter Delegiertentag der deutschen Revisionisten Berlin, 9. Januar. (JTA.) Am Sonntag, dem 8. Januar, fand in Berlin der 3. Delegiertentag der Zionisten-Revisionisten Deutschlands statt. Anwesend waren 27 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands und zahlreiche Gäste. Die Tagung erhielt besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Präsidenten der revisionistischen Weltunion Wladimir Jabotinsky, dem stürmische Ovationen dargebracht wurden. Neunte Delegiertentagung des Verbandes der Jüdischen Jugend vereine Deutschlands F rankfurt a. M„ 27. Dezember. (JTA.) Am 25. und 26. Dezember 1932 wurde in der Aula des Philantropin zu Frankfurt a. M. die Neunte ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands abgehalten. Die Tagung stand unter dem Motto: »Der Kampf des jungen Juden um seine Existenz ist der Kampf der Judenheit um ihre Zukunft.“ Ziel der aus allen Teilen des Reiches stark beschickten Tagung war, Klarheit über den weiteren Kurs der Verbandsarbeit zu schaffen. Tm Vordergründe standen kulturpolitische Probleme. Referate und Aussprache spiegelten die allgemeinen politischen Kämpfe in Deutschem! wider. Das erste Referat hielt Dr. Eduard Straufi- Frankfurt a. M. über das Thema: „Jüdische Antwort auf die Fragen der Zeit.“ Dr. Paul Eppstein-Mannheim sprach über „Wirtschaftskampf und Lebensgestaltung des jungen Juden“. ln der Aussprache kam es zu zeitweise erregten Auseinandersetzungen zwischen politisch und sozial linksgerichteten Rednern und Vertretern der neutralen Richtung innerhalb des Bundes. Der zweite Tag war Verbands fragen gewidmet. Die Verbandsgremien wurden neu gewählt. Es wurde ein Arbeitsprogramm beschlossen, in dem bestimmt wird daß die Klein- und Kleiustgemeinden zur kulturellen Arbeit herangezogen werden sollen. Der Verband richtet ein Jugendhilfswerk ein, das durch Beiträge in Form der Selbsteinschätzung finanziert wird. Weiter wird die Einordnung der Jugend in den Abwehrkampf gegen judenfeindliche Bestrebungen und Aktionen gefordert. Zur Durchführung aller Arbeiten wird ein Kulturamt, ein Amt für politische Arbeit und ein solches für das Jugendhilfswerk geschaffen. Kaplan Rothschild gestorben B e r Li n , 6. Januar. (JTA.) Dem „Berliner Tageblatt“ wird mitgeteilt: „Vor etwa fünf Jahren erschien in Konnersreuth im Hause Therese Neumanns der damals in der Mitte der zwanziger Jahre stehende Apothekeninhaber Bruno Paul Rothschild aus Speyer, der einer in Mainfranken altansässigen jüdischen Familie entstammt. Die Eindrücke, die der junge Mann hier im Hause der Stigmatisierten empfing, waren derart stark, daß er zur katholischen Kirche übertrat und Theologie studierte. Im Juni 1932 empfing er aus der Hand des Erzbischofs von Bamberg die Priesterweihe und wurde darauf als Kaplan nach Arberg, einem oberpfälzischen Dorf unweit von Konnersreuth, berufen. Kurz vor Weihnachten nun starb sein Vater, und als er auf der Rückreise von der Beerdigung am Abend des 24. Dezember den Hauptbahnhof Nürnberg passierte, erlag der erst Dre;iunddreißigjährige hier einem plötzlichen Schlaganfall. Er wurde, seinem Wunsche gemäß, in Konnersreuth beigesetzt. An der Feierlichkeit, die unter großer Beteiligung von nah und fern vor sich ging, nahm auch Therese Neumann in einem Rollstuhl teil.“ Auf der Spur der Bombenattentäter von Nahalal Jerusalem, 8. Januar. (JTA.) Im Verlauf der Ermittlungen zur Feststellung der Urheber des Bombenattentats in Nahalal, dem der jüdische Kolonist Joseph Jacoby und sein neunjähriger Sohn David zum Opfer fielen, führte die Polizei in Haifa eine Haussuchung in zehn arabischen Läden und Wohnungen Haifas durch. Bei diesen Haussuchungen wurden Metallteile von der gleichen Art gefunden, wie sie zur Herstellung der Bombe verwendet worden war. 20 Araber wurden verhaftet. Das Verhör mit ihnen ist noch nicht beendet.

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