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Das jüdische Echo · 1933-01-15 · 2 (15.1.1933) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
2 (15.1.1933)
Date
1933-01-15
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 11 kommission. Ferner wurde der G. A. ermächtigt, den von ihm aufgestellten Etat vorläufig bis zum 31. März in Kraft zu sezten. Die Sitzung wurde um 8 Uhr abends vom Vorsitzenden geschlossen. Der revisionistische Sonderverband suspendiert Das Urteil des Ehrengerichtes Am Donnerstag, dem 5. Januar, nach 8 Uhr abends, begann im Hause der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin, Meine'kestr. 10, vor dem Ehrengericht der Zionistischen Organisation unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts S. Gronemann die Verhandlung in Sachen der zionistischen Disziplin gegen Dr. S. E. Soskin, Genf, Mitglied des Präsidiums der Union der Zionisten-Revisionisten, und gegen den Sonderverband der Zionisten-Revisionisten, als Teil der Zionistischen Organisation. Nach mehr als fünfstündiger Verhandlung verkündete das Ehrengericht der Zionistischen Organisation am 6. Januar um 2 Uhr morgens das Urteil gegen den Sonderverband der Zionisten-Revisionisten. Es lautet: Der Sonderverband 'der Zionisten-Revisionisten wird suspendiert; das Ehrengericht stellt bei der Zionistischen Organisation den Antrag, den Sonderverband aufzulösen. Das Ehrengericht setzte sich aus Rechtsanwalt S. Gronemann als Vorsitzenden und Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn und Dr. med. Oskar Wolfsberg als Beisitzern zusammen; als Ersatzrichter wohnte Rechtsanwalt Dr. Kozower der Verhandlung bei. Die Anklage wurde vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Aron Barth als Anwalt des Zionistischen Kongresses und Berl Locker als Mitglied der Zionistischen Exekutive, sowie Dr. L. Lauterbach als Sekretär der Exekutive. Der angeklagte Sonderverband hat keinen Vertreter zur Verhandlung entsandt, ebenso war Dr. Soskin nicht erschienen. Vor Beginn der Verhandlung ereignete sich ein Zwischenfall, indem mehrere Mitglieder des Brith Trumpeldor, obwohl die Karten zum Besuch der öffentlichen Verhandlung bereits vergeben waren, ohne im Besitz von Einlaßkarten zu sein, den Sitzungssaal der Z. V. f. D. in der Meinekestraße 10, wo die Verhandlung stattfand, stürmten. Dr. Gronemann ließ die Personalien der Eingedrungenen zwecks entsprechender Schritte feststellen, sie durf_ ten aber der Verhandlung beiwohnen, die sich von Anfang bis zu Ende in vollster Ruhe vollzog. Nur zum Schluß, als das Urteil verkündet wurde, wurden aus der Mitte der Brith Trumpeldor-Leute einige Protest-, zum Teil Schmährufe, laut die wieder zu einer Feststellung eines der Rufer führten. Professor Dr. Moritz Sobernheim gestorben Berlin, 5. Januar. (JTA.) Professor Dr. Moritz Sobernheim, der bekannte Orientalist, Erster Legationsrat im deutschen Auswärtigen Amt, ist am Donnerstag, dem 5. Januar, mittags, in der West- Klinik verstorben. Mit Professor Dr. Moritz Sobernheim ist ein Mann dahingegangen, dessen Leben dem Judentum und der Wissenschaft geweiht war. Er wurde am 13. August 1872 in Berlin geboren und war . über Deutschland hinaus als Orientalist bekannt. Er war Schriftführer der Vorderasiatisch-Ägyptischen Gesellschaft. Vor allem wandte er sich der semitischen Epigraphik zu, bereiste u. a. als Mitglied der Baalbek-Expedition der preußischen Regierung und im Aufträge des Institut Francais d’Archeologie Orientale mehrfach Syrien und Palästina und veröffentlichte im Anschluß daran seine als grundlegend bekannten Arbeiten über die Tripolitaner, Baalbeker, palmyrenischen und samaritanischen Inschriften, sowie die Inschriften in Damaskus (Syrien). Außerdem veröffentlichte er die Chronik der „Ibn Iyas“ in Gemeinschaft mit Prof. Kahle. Seit dem Jahre 1918 wirkte Prof. Sobernheim im Auswärtigen Amt als Legationsrat und Referent für jüdisch-politische Angelegenheiten. Prof. Dr. Moritz Sobernheim war eine zentrale Persönlichkeit im jüdischen Leben Deutschlands und setzte damit die Tradition seiner Familie fort. Er war ein Stiefsohn von Generalkonsul Dr. Eugen Landau, Mitbegründer und langjähriger Vizepräsident des Hilfsvereins der Deutschen Juden, und ein Bruder des bekannten Großindustriellen Dr. Walter Sobernheim und des bekannten Finanzmann©s Dr. Kurt Sobernheim. Prof. Sobernheim war seit 1924 Präsident des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der 1872 konstituiert wurde. Der DIGB unter Prof. Sobernlieims Leitung zeigte sich in erster Reihe bestrebt, den Reichsverband der deutschen Juden als die Zusammenfassung aller Landesverbände jüdischer Gemeinden Deutschlands zu schaffen. Als Präsident der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat sich Prof. Sobernheim große Verdienste um die Wissenschaft des Judentums und um die jüdisch-wissenschaftliche Publikation erworben. Professor Sobernheim war Vorstandsmitglied des Kolonisationsvereins „ESRA“ und Präsidiumsmitglied des Deutschen Komitees Pro Palästina. Er war auch Mitbegründer und Vorsitzender der Religiösen Mittelpartei für Frieden und Einheit in der Gemeinde, die durch ihre Vertreter in der Berliner Jüdischen Gemeinde und in anderen Großgemeinden, sowie im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden einen zwischen den extremen Parteien vermittelnden Standpunkt einnimmt und die unter Führung ihres Präsidenten viel zum Ausgleich der Gegensätze und zur Ermöglichung friedlicher aufbauender Arbeit beigetragen hat. Es gibt fast keine jüdische Partei oder Gruppe in Deutschland, die nicht durch Professor Sobernheim entscheidend gefördert worden ist. Aus der jüdischen Welt SA-Überfälle auf Juden H e r s f e 1 d , 9. Januar. (JTA.) Vier jüdische Reisende aus Frankfurt a. M. wurden in Hersfeld von einer SA-Gruppe überfallen und mit Schlagringen und Messern übel zugerichtet. Der Haupttäter, der SS-Mann Luckhardt, wurde erkannt und der Polizei angezeigt. Die Polizei nahm Luckhardt fest, ließ ihn aber bald wieder frei. Am Tage nach seiner Freilassung war Luckhardt wieder bei einem politischen Überfall beteiligt. Danzig, 4. Januar. (JTA.) Hitlerleute in Danzig hetzten einen Schäferhund gegen Rabbi Scbneursohn, einen Vetter des Lubawitscher Rebbe. Der Hund riß dem Rabbi die Kleider vom Leibe und biß ihn tief in das Bein. Hernach schlugen die Hitlerleute auf Rabbi Schneursohn mit Stöcken so lange ein, bis er bewußtlos liegen blieb. Er wurde in erheblich verletztem Zustand in seine Wohnung gebracht.

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