Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 2 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das Jüdische Echo Nr. 2 Moment den zeitweiligen Vorteil aller Sterling- I ander. Die Wirtsehaftsbliite oder Besserung ist jetzt charakteristisch für alle Länder, die den Goldstandard verlassen haben, namentlich für Länder der Sterlingswährung. Die Erscheinung des gesteigerten Exports ist für alle Sterlingländer charakteristisch. Palästina hat aber auch einen für das Land besonderen Aspekt dieser Erscheinung, nämlich das zeitliche Zusammenfallen des Fallens des Pfundes mit dem Kapitalzufluß und ihre kombinierte Wirkung, die eine weitere Anziehung für das Kapital ausübt. Der dritte Faktor, der die wirtschaftliche Lage in Palästina günstig beeinflußt, ist der kombinierte Effekt einer passiven Handelsbilanz und eines allgemeinen Preisfalles. Die Folge ist, daß der Import nach Palästina nicht gefallen ist, sondern daß die für das Land notwendigen Produkte billiger gekauft werden. T11 Zeiten der Krisis, die von einem Preisfall begleitet ist, befindet sich der Käufer in einer viel vorteilhafteren Situation auf dem Markte als der Verkäufer. Palästina ist ein Käufer par excellence, es kauft viel und verkauft verhältnismäßig sehr wenig und deshalb hat der Preisfall die Handelsbilanz dieses Landes und dessen wirtschaftliche Lage günstig beeinflußt. Die Zahlungsbilanz Palästinas ist aktiv oder beinahe aktiv, die Handelsbilanz ausgesprochen passiv. Deshalb kauft jetzt Palästina viel mehr für dieselbe Geldsumme und gewinnt am Preisfalle in der Weltwirtschaft. Die Krisis hat einen allgemeinen Niedergang des Außenhandels in der ganzen Welt zur Folge. Zur selben Zeit geht jedoch ein anderer Prozeß im Welthandel vor sich: eine Verschiebung des Schwerpunktes von gewissen Gütern zu andern. Diese Verschiebungen werden durch technische Änderungen (Übergang von Kohle zu Petroleum) oder durch Gewohnheitsänderungen, Diätänderungen usw. (Übergang von Brot zu Früchten und Gemüsen ^verursacht. Deshalb haben gewisse Güter trotz der Stagnation des Welthandels nicht gelitten und deren Anteil ist sogar dank gewisser spezifischer Änderungen im Welthandel gestiegen. Wir können somit unsere Analysen der Faktoren, die die Hochkonjunktur in Palästina herbeigeführt haben, in folgender Weise resümieren : 1. Beschleunigte Kapitalisierung des Landes durch Zufluß jüdischen Kapitals, das durch die letzte Entwicklung in Amerika und Europa zur Emmigration gezwungen wurde. 2. Der Fall des Pfundes, der den palästinensischen Export und die Produktion für den inneren Markt stimulierte und durch die Zeitdifferenz zwischen Währungsfall und Preissteigerung ein Investitionsgremium geschaffen hat. (Importiertes Kapital kann Vermögenswerte unter dem (.'oldpreise erwerben.) V Der Preisfall in der Weltwirtschaft, der einem Lande mit passiver Bilanz einen besonderen Vorteil gewährt. (Verbilligung der Investition. Senkung der Lebenskosten und Besserung der Handelsbilanz.) 4. Die spezifischen Änderungen im Verbrauch, die dem Import von Früchten zur Zeit einer allgemeinen Handelsstagnation vergrößerten. (Märkte für Hauptartikel des palästinensischen Exports der Zitrusfrüchte.) Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. Berlin, 9. Januar (JTA.). Am Sonntag, den 8. Januar, fand in den Räumen der Bne Brith-Loge in Berlin, Kleiststraße 10, eine sehr stark besuchte Sitzung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt. In Vertretung des an der Teilnahme verhinderten Kurt Blumenfeld führte Dr. Siegfried Moses den Vorsitz. Diie Sitzung wurde eingeleitet durch Gedenkworte für Hillel Zlatopolsky und Dr. Adolf Friedemann durch Dr. Artur Hantke und für Prof. Dr. Moritz Sobernheim durch Lazarus Barth. ln einem umfassenden Referat berichtete Dr. Werner Senator-Jerusalem über die heutige wirtschaftliche Situation in Palästina. Dr. Siegfried Moses schilderte in großen Zügen die Maßnahmen, die iim Anschluß an die auf dem Delegiertentag in Frankfurt am Main angenommene Resolution bezüglich einer politischen Arbeit der Z. V. f. D. in Deutschland durchgeführt wurden, und die Resonanz, die sie in der zionistischen Öffentlichkeit gefunden haben. An der daran anschließenden eingehenden grundsätzlichen Aussprache beteiligten sich Dr. Bileski, Dr. Heinrich Strauß, Alfred Berger, Dr. Goldmann, Dr. Kanowitz, Dr. Hildesheimer (Mannheim), Dr. Noack (Gotha), Dr. Weltsch und I. Klinoff. In der Nachmittagssiitzung würdigte Dr. Nahum Goldmann die Persönlichkeit Bialiks anläßlich seines 60. Geburtstages. Dem Jubilar wurde ein Glückwunschtelegramm übermittelt. Für Dr. Heinrich Strauß, der vom Delegiertentag in den Geschäftsführenden Ausschuß gewählt wurde, das Amt aber wegen Fortzugs aus Berlin nicht annehmen konnte, wurde sodann Dr. Walter Czapski in den G. A. gewählt. Über „neue Methoden der Ortsgruppenarbeit“ referierte R.-A. Max Jacobsohn (Breslau). An der Aussprache beteiligten sich Dr. Arnold Hildesheimer (Mannheim), S. Tschertok, Dr. Erwin Mansbach (Essen), Dr. Holzer (Chemnitz), Max Tischler, Dr. Friedländer (Görlitz), Dr. Millner (Frankfurt a. M.), Dr. Rothschild (Lübeck). Im Anschluß an die im Rahmen dieser Aussprache behandelte Frage der Kongreß-Schekel-Aktion wurde folgende von Etienne Basch und Dr. Noack (Gotha) vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen: „Die Zionistische Vereinigung für Deutschland betrachtet als ihre selbstverständliche Pflicht, die Exekutive bei ihren Bemühungen um die Stärkung der Organisation tatkräftig zu unterstützen und zu diesem Zweck die Schekelaktion mit aller Energie durchzuführen. Der Landesvorstand hält aber einen Schekelpreis von RM. 1.50 für völlig untragbar, weil er Tausenden von Zionisten den Erwerb des Schekels unmöglich macht, und beauftragt den G. A„ bei der Exekutive mit größtem Nachdruck für eine Herabsetzung des Schekelpreises einzutreten.“ Unter dem Titel „Systematisierung der Palästinaarbeit“ referierten Isaak Feuerring über Wirtschaftsberatung und Alexander Adler über Alijah- und Hachscharahfragen. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Dr. Wolfheim (Erfurt), Max Tischler, Dr. Georg Halpern, Etienne Basch, Dr. Rabau, Alfred Berger. Es erfolgte hierauf die Wahl der Keren-Kajemeth-, der Keren-Hajessod- und der Gemeinde-