Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 1 (6.1.1933)
- Date
- 1933-01-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9072829-9103090-9187255--12641-9084710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 Das Jüdische Echo Nr. 1 liten“. Die „Bekämpfung“ erblickt der Bürgermeister darin, daß die Gunzcnhausener Israelilen einem Konzert, für das er das Protektorat übernommen hatte, ostentativ ferngeblieben Avalen, und daß verschiedene luden aus dem Verkehrsverein austraten, weit Herr Munch den Vorsitz hat. Herr Münch ist darüber tief gekränkt. Nach seiner Meinung sollen die Juden das Vergnügen, von dem Bürgermeister gelegentlich angercmoelt zu Averden, auch noch in barer Münze bezahlen. T11 der Aussprache Aerstieg sich der Herr Bürgermeister zu einer mwerhiillten Drohung. Günzenhausen — sagte er — hat 5600 Ein- Avohner, darunter nur 200 Israeliten; er Avarnte deshalb (!) die Juden, die bisherige Arbeit des Ka m pfes fortzusetzen. Menschen zu verkaufen ... Die Regierung der Soav jetrepublik braucht ausländisches Geld — Dollars. Pfunde, Mark. Pranken usav. —, Aveil man ihr für ihren Rubel nichts liefern Avill. Um ausländisches Geld zu bekommen, hat sie die Schlösser und Paläste der Zaren, der Adeligen und der Reichen geleert. Juwelen, Kunstschätze, Antiquitäten, Kirchengeräte, Tempelgeräte, Bibliotheken usav. auf den europäischen und amerikanischen Markt geAvorfen. Aber schließlich Avird auch das große Rußland leer. Man mußte andere Methoden in Anwendung bringen. Findige Köpfe kamen darauf, daß Juden eine Fundgrube ausländischen Geldes sind. Auch aus Juden kann man Geld herausbekommen, Avenn man nur herzhaft (pietscht. Und Avenn nicht aus ihnen, so aus ihren VerAvandten im Auslande. Unter Anklage, Gold und fremde Valuta versteckt zu halten, Avurden tausende luden Acrhaftet. Tn eine Zelle. Avelche für A~ier Gefangene bestimmt ist. Avurden fünfzig gesteckt, die stehend Tage und Nächte a erbringen mußten. Mail gab ihnen kein Wasser zu trinken, dafür einen versalzenen Brei zu essen. Die Zellen Avaren ungeheizt oder überhitzt. Bis zum Wahnsinn hat inan sie gepeinigt und ihnen „erlaubt“, an Verwandte im Ausland Briefe um Geld zu richten. Schöne Summen gingen ein. Schließlich Aersagte aber auch dieses Mittel, und Jetzt übt man eine andere Methode; Man bietet dem Auslande Juden zum Kaufe an. Bisher durften Juden, auch alte und kranke, nicht auswandern, letzt ist es ihnen gestattet, wenn eine Visagebühr von 1100 Goldrubel, d. s. 550 Dollars per Konf, erlegt Avird. Die Soav jetleute sind gute Rechner. Kein Jude in Rußland ist in der Uage, für sich oder gar für seine Familie Tausende von Dollars aufzubringen. Aber herzzerreißende Briefe werden ins Ausland gehen, an Verwandte, an Philantronen. an Tnstitutionen. mit der flehentlichen Bitte: Rettet uns aus der Hölle, vor Hunger, vor Qualen! Um GottesAvillen! Kaufet einen Menschen um 550 Dollars . .. Den Juden in Europa und Amerika geht es nicht gut. Aber Avenn es um Brüder. Väter, Schwestern, Mütter geht? Sie werden kaufen, ein Menschenleben um 550 Dollars von den Menschheitserlösern in Moskau. Aus der jüdischen Well Wieder Friedhofsschändu ng B e r 1 i n , 29. Dezember. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in Osthofen (Rheinhessen) wurden ZAvei schwere Grabsteine umgestürzt. Am Eingang des Friedhofes wurde eine Ruhebank herausgerissen und umgeworfen. Die Instruktoren des Brith Trumpeldor Beil i n , 28. Dezember. (JTA.) Sozialdemokratische Blätter bringen, u. a. auch die „Münchner Post“, unter der Überschrift „Juda erwache! NV macht alles — selbst für Zion!“ die folgende Notiz: „Der jüdisch-zionistische Wehiwerband „Brith Trumpeldor“ hat eine Anzahl ehemaliger deutscher Offiziere als Instrukteure eingestellt. Unter ihnen befinden sich, nach den Mitteljungen des Berliner „Politischen Pressedienstes“, Offiziere. die bisher der SA. als Unterführer angehört haben. Der „Brith Trumpeldor“ ist ein in Palästina bestehender jüdisch-nationalistischer Wehrverband, der die jüdische .Jugend Palästinas gegen die Araber „ertüchtigt“, ln Deutschland haben die Jetzt im „Trumpeldor“ instruierenden SA.-Offiziere ihre Nazijiinglinge gegen die Juden gedrillt. Deutschland erAvache — Juda verrecke! Jetzt lehren dieselben SA.-Leute in Jerusalem den Schlachtruf: „Juda erAvache!“ Dazu erklärt uns die Landesleitung des Brith Trumpeldor für Deutschland: „Die Nachricht des ,VorAvärts‘ entspricht in keinem Worte den Tatsachen. Tn den meisten Tündern, in denen Brith Trumpeldor-Organisationen bestehen, gibt es eigene Instrukteur- Schulen, die vom Tel Chaj-Fonds unterhalten werden und eine ausreichende Anzahl gut geschulter Instrukteure herangebildet haben. D i e U ehre r s i n d J u d e n. Die Instrukteure bereisen die Brüh Trumpcldor-Organisationen in der ganzen Welt und erteilen den Mitgliedern daselbst den Avehrsportliehen Unterricht. Jakob Goldsclimidt 50 Jahve Beil i n , 50. Dezember. (JTA.) Jakob Goldsclimidt, der hervorragende deutsche Finanzmann und frühere Geschäftsinhaber der Darmstüdtcr und Nationalbank, beging am 51. Dezember seinen 50. Geburtstag. Am jüdischen Ueben nimmtGoldschmidt regen Anteil, insbesondere als Förderer jüdischer Wissenschaft und sozialer Bestrebungen. Er ist Vorsitzender des Förderer-Komitees der „Encyclopaedia Judaica“ und Vorstandsmitglied der „Akademie für die Wissenschaft des Judentums“. Neunte Delcgiertentagung des Verbandes der Jüdischen Jugend vereine Deutschlands Bericht folgt Tränengasanschlag in einem Kaufhaus Nürnberg, 2. Januar. Tn einem Kaufhaus in der Königstraße haben bis jetzt unermittelte I äter am Samstag nachmittag einen Tränengasangriff unternommen. Kundschaft und Verkäuferinnen konnten nicht mehr aus den Augen sehen. Durch den Vorfall entstand eine allgemeine Verwirrung. Das Publikum verließ fluchtartig die Geschäftsräume. Das Personal hatte am meisten unter dem Reizgas zu leiden, weil cs nicht zu gleicher Zeit seinen Dienst im Stich lassen konnte. Der Geschäftsbetrieb war für kurze' Zeit unterbrochen. Es besteht noch keine Klarheit darüber, avo die Täter zu suchen sind. Man „glaubt“, daß. nolitische Gründe „nicht“ den Anlaß zu dem Tränengasangriff gaben. 1192 Juden kamen im November nach Palästina J e r u s a 1 e m , 50. Dezember. (JTA.) Im Verlaufe des Monats NoA ember 1952 sind _wie vom Immigrationsbüro der Regierung mitgeteilt wird -- 1529 Personen, unter ihnen 1192 Juden, in Palästina eingewandert. Von den eingewanderten