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Das jüdische Echo · 1932-12-30 · 53 (30.12.1932) · p. Seite 424

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
53 (30.12.1932)
Date
1932-12-30
Page
Seite 424 (sequence 4)
Language
German
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424 Das Jüdische Echo Nr. 53 vielleicht zwei Jahre später eröffnet werden wird, bilden. Die landwirtschaftliche Versuchsstation hat neue Gebäude und eine neue Ausstattung erhalten, ihr Budget schwankt zwischen 9000 und 12 000 Pfund. Hin solches Schwanken schafft Schwierigkeiten, trotzdem führt das Institut die Forschungsarbeit in allen Zweigen palästinensischer Landwirtschaft durch. Es wird versucht werden, von der Regierung eine Subvention für sie zu erhalten- Die Versuchsstation wird in ein landwirtschaftliches Institut umgewandelt und der Universität angegliedert werden. Die Lage der jüdischen Studenten in der ganzen Welt erinnert mich an die dunkelsten Jahre in Rußland — 1902, 1903 und 1904 — als ich noch selbst ein Studienbeflissener war und die russischen Universitäten jüdischen Studenten verschlossen waren. Damals studierten 6000 bis 7000 jüdische Intellektuelle an verschiedenen westeuropäischen Universitäten. Und wie ist es heute? Die polnischen Universitäten stehen faktisch nur einer sehr beschränkten Zahl Juden offen. Das gleiche gilt für Ungarn und andere mitteleuropäische Länder. Deutschland ist ein Fall für sich. Es gibt dort keine Schranken für jüdische Studierende, aber die jüdischen Studenten in Berlin — ebenso auch in Wien — stoßen auf rein physische Schwierigkeiten, ja, sie geraten oft in physische Gefahr. Das einzige Land, dessen Universitäten wahrhaftig ihre Tore den Juden offenhalten, ist Italien. Wir mußten einem inneren und einem äußeren Druck nachgeben und früher mit der Erteilung von akademischen Graden beginnen, als wir beabsichtigt hatten. Das Budget mußten wir beträchtlich reduzieren, um Körper und Seele von Universität in Funktion erhalten zu können. In diesem Jahre machen wir einen weiteren Schritt vorwärts. Noch ist die Universität offiziell nicht anerkannt. Wer soll sie anerkennen? Das Nationalheim ist kein Staat. Nach sehr eingehenden Beratungen sind wir zu dem Schluß gekommen, von der Palästina- Regierung eine Urkunde entgegenzunehmen, in der sie die Universität als die Universität Palästinas anerkennt. Das Kuratorium der Universität hat auf seiner letzten Tagung ein Komitee zur Ausarbeitung eines Urstatuts der Universität und einer der Palästina-Regierung zu unterbreitenden Anerkennungsurkunde eingesetzt. Das unter dem Vorsitz von Sir Philip Hartog und unter Teilnahme von Sir Eferbert Samuel und mir arbeitende Komitee hat sich dieser Aufgabe bereits entledigt. Die Universität wird nun ihren Platz als eine offizielle Institution einnehmen, ihre Diplome werden offizielle Anerkennung haben, sie wird gleiche Rechte und Privilegien wie die Universität irgend eines anderen Landes genießen. In der wissenschaftlichen Welt genießt die Universität einen bedeutenden Ruf. Sie hat in der Biologie eine Arbeit geleistet, die in wissenschaftlichen Kreisen hoch eingeschätzt wird; einige unserer Professoren und jungen Lehrer wurden von der Royal Society of London beauftragt, in der bisher eingeschlagenen Richtung die Untersuchungen über gewisse Krankheiten in anderen Mittelmeerländern auszudehnen; einer unserer Männer leitet eine wissenschaftliche Expedition, die heute einschlägige Untersuchungen au der ganzen Mittelmeerküste vornimmt. Gleiches geschieht in anderen Zweigen der Wissenschaft. Sehr viele große jüdische Physiker, Volkswirtschaftler und Philosophen wirken an anderen Universitäten. Einstein geht nach Princeton. Erst vor wenigen Tagen hatte ich mit ihm eine freundschaftliche Auseinandersetzung. Ich sagte ihm, wenn er nach Palästina gehen wolle, brauchte er für seine Arbeit dort lediglich einen Bleistift und ein Stück Papier. Dies könnten wir ihm in Jerusalem zur Verfügung stellen, er möge sich nur entschließen, dorthin zu gehen. Ich hoffe, Einstein werde eines Tages einen Lehrstuhl von uns annehmen und nach Jerusalem gehen. Die Universität Jerusalem besitzt starke Anziehungskraft. Noch ist sie klein, aber sie entwickelt sich und sie gibt Grund zur Hoffnung, daß sie in Zukunft ein Zentrum sein wird, das die Menschen anzieht. Aus der Jüdischen Welt Eine neue Friedhofsschändung Berlin, 22. Dezember. (JTA-) In Osthofen (Kreis Worms), der Zentrale der nationalsozialistischen Bewegung in Hessen, wurden auf dem Friedhof der Israelitischen Religionsgemeinde zwei schwere Grabsteine umgestürzt. Seitens der Israelitischen Religionsgemeinde ist auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung ausgesetzt worden. Dr. Adolf Friedemann gestorben Berlin, 28, Dezember. (JTA.) Am Montag, den 27. Dezember, fand auf dem alten Friedhof der Jüdischen Gemeinde Berlin in der Schönhauser Allee die Bestattung des am 22. Dezember in Amsterdam im 62. Lebensjahre verstorbenen Delegierten des Keren Hajessod für die Niederlande, Dr. Adolf Friedemann, statt. An ihr nahmen fast alle in Berlin anwesenden älteren deutschen Zionisten teil. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Warschauer, der dem Verstorbenen in der Frühzeit des Berliner Zionismus nahegestanden hat. Er schilderte den zionistischen Werdegang Friedemanns, der bereits vor dem Auftreten Theodor Herzls mit einigen Gleichgesinnten in Berlin die Fahne des Nationaljudentums entrollt hatte. Friedemann trat dann an die Seite des Begründers der Zionistischen Organisation und stand in der vordersten Reihe der Kämpfer für die zionistische Idee in Deutschland und in der Welt. Dr. Arthur Hantke hob die großen Verdienste hervor, die sich Friedemann um die Organisation des Keren Hajessod in Holland erworben hatte. Adolf Friedemann wurde von Theodor Herzl mehrfach für politische Aktionen verwendet. Von 1902 bis 1920 war er Mitglied des Großen AC. und des Aufsichtsrates des Jewish Colonial Trust. Er schrieb u. a.: „Das Leben Theodor Herzls“ (die erste Herzl-Biographie), „David Wolffsohn“ und gab das Zionistische ABC-Buch heraus. Der Nazi-Terror in Mainz B e r 1 i n , 22. Dezember. (JTA.) Aus Mainz wird mitgeteilt: In unserer Stadt herrschten seit langen Jahren friedliche Verhältnisse zwischen den Ange- Cafe CITY Eigene Konditorei Weinstraße 4 Vornehmer Aufenthalt im Stadtzentrum Nachmittag im roten Salon 5 Uhr Tee'Konzert und Tanz Abends ab 8 Uhr Tanz Stimmung und Humor Es spielt die Saion-Kapelle van Berg Ab Sylvester stimmungsvolle Dekoration des roten Salons: Italienischer Marktplatz

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