Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 53 (30.12.1932)
- Date
- 1932-12-30
- Page
- Seite 423 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53 Das Jüdische Echo 423 durch die Erinnerung an das hochherzige Beispiel der antiken Helden. Indem sie derart sprechen, beweisen sie, daß sie gleichzeitig den grundlegenden Fehler der Vorstellung anerkennen, die sie sich vom Judentum gemacht und die sie bis nun mit allen Kräften verteidigt hatten. Denn sicherlich müssen sie zugeben, daß die Makkabäer nicht Juden als ihre Söhne betrachten 'könnten, die das Judentum auf die Synagoge und auf die Sitzungen unserer administrativen Körperschaften beschränkt sehen möchten, um sich im übrigen seiner im öffentlichen und privaten Leben in allen Äußerungen der moderen Zivilisation zu entledigen, wie sich einer seiner Kleidung entledigt. Sohn der Makkabäer sein bedeutet natürlich nicht, noch kann es nur bedeuten, sich in den Schlachten wie ein Held betragen, denn um dies auszudrücken, müßte man unsere Tapferen nach der Staatszugehörigkeit des einzelnen benennen: Söhne Napoleons und Moltkes, Nelsons und Radetzkys, Garibaldis und Suveroffs. Dagegen bedeutet Söhne der Makkabäer sein: Sich in allen Lagen des Lebens der eigenen Pflichten gegen unser Volk und seine Ideale erinnern, bereit sein, sich für die Aspirationen Israels in welchem Augenblick immer auf opfern. Ein Vers der Psalmen, der mit großer Wahrscheinlichkeit der Epoche Judas und seiner Brüder angehört, sagt von ihnen: „Das wunderbare Schwert, das in ihrer Hand leuchtete, diente dazu, um die göttliche Sache triumphieren zu lassen“ (Psalm 149, 6), die Sache Israels, und sie glaubten diesen Triumph nicht damit erreicht, daß sie die Freiheit des ererbten Gottesdienstes sicherten, sondern nur dadurch, daß sie die natürliche Entwicklung des Volkscharakters sicherten, die Unabhängigkeit ihrer Kultur auf feste Basis stellten und die Wiedergeburt ihrer Sprache. Dem Werke der Makkabäer verdanken wir einen prächtigen Frühling unserer Literatur, eine Erneuerung des Interesses der ganzen Nation für ihre Geschichte und für ihre Mission in der Welt. Dennoch, meine Freunde, haben wir das Recht, von unseren Brüdern, die als Soldaten an der europäischen Konflagration teilnehmen, in einem gewissen Sinne als Fortsetzern der edlen Bemühungen der Söhne des Matatia zu sprechen. Und hier möchte ich eure Aufmerksamkeit auf eine Tatsache lenken, die ich als Tat von epochaler Wichtigkeit für unser Volk bezeichnen möchte. ... Es ist eine neue Erscheinung, deren großer innerlicher Wert niemandem entgehen kann: Von Seite der öffentlichen Gewalten wird dem jüdischen Volk das Recht zuerkannt, seine Interessen/ zu interpretieren — die schließlich mit den Interessen der Menschlichkeit zusammenfallen —, in diesem historischen Moment, in dem sich vielleicht eine neue Welt vorbereitet. Und deshalb glauben wir uns nicht zu täuschen, wenn wir behaupten, daß unter den unzähligen Opfern des gegenwärtigen Krieges auch eines sein wird, dem wir jedoch sicher keine Träne des Bedauerns nachweinen werden: Man wird nämlich den Leichnam jener monströsen Auffassung des Judentums, deren wir schon früher Erwähnung getan haben, finden/, die zwischen unserer Vergangenheit und unserer Gegenwart einen ganz tiefen Abgrund gräbt, welche die Erbschaft des Blutes verneint, das sich doch nie verleugnet, die Erbschaft der Jahrtausende von Märtyrern und Kämpfen, und die uns in ein neues Ghetto, aus der Synagoge und dem Sitzungssaal bestehend, sperrt. Eine Auffassung, ohne Lebensfähigkeit geboren, die sich nur auf ganz künstliche Art erhalten konnte, dank der fortwährenden Injektionen von Phrasen ohne Inhalt. Mit einem Worte, das vermutlich auch aus der Zeit unserer unvergeßlichen Befreier stammt, sagen auch wir: lo hametim jehalle lu Jah (Psalm 115, 17). Ein solcher Schatten /des Judentums, solch ein „lebender Leichnam“ kann nicht den Ruhm des Göttlichen in uns vorstellen. Waanachu newarech Jah. Nur wir, für die die ganze Vergangenheit des jüdischen Volkes ein lebender und wesentlicher Teil der Gegenwart ist, für welche die Gegenwart die Brücke ist, welche die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet, nur wir, die wir die Stimme Israels, nicht bloß die einzelner Juden gehört und beachtet wissen wollen, so in den Synagogen wie auf der Straße, in den Häusern ebenso wie im öffentlichen Leben, kurz und gut bei allen Kundgebungen der modernen Zivilisation; nur wir haben das Recht, Gott zu danken für die ewigen Kräfte, die er unserem Volke gewährt hat; nur wir können und müssen diese Kräfte sein, die, wie sie bei den Makkabäern Wunder bewirkt haben, sie auch in unseren Tagen bewirken können und müssen, nur wir können und müssen diese Kräfte wieder ins Leben rufen, um sie fortzupflanzen auf die Nachkommen für alle Ewigkeit. Dr. Weizmann über die hebräische Universität und ihre Zukunft London, 19. Dezember- (JTA.) In seiner Rede auf der Jahrestagung /der Freunde der Hebräischen Universität in London führte Dr. Chaim Weizmann, der nun die Leitung des Instituts für Landwirtschaft an der Universität übernehmen wird, u. a. aus: Als /die Hebräische Universität 1925 durch Lord Balfour eröffnet wurde, verdiente sie den Namen Universität noch nicht. Wir nannten sie Forschungsinstitut. Damit wollten wir ausdrücken, daß es in Palästina nicht möglich sei, eine fertige Universität aus dem Boden zu stampfen, wie etwa in Amerika und in anderen Ländern, sondern daß es unsere Aufgabe zunächst ist: Mauern aufzurichten, die mit dem Wachstum des Landes an Ausdehnung zunehmen werden. Hauptinstitut war die School für Hebrew Studies — ein richtiger Anfang für eine Universität in Jerusalem. Die School for Hebrew Studies wurde der Kern der Fakultät für klassische Sprachen und Literatur, um diese gruppieren sich die School of Philosophy, die School of Oriental Studies, ihr angeschlossen ist auch das Institute of Mathematics. Die klassische Fakultät ist die erste Universitätsinstitution, die bereits akademische Grade erteilt, dreizehn Studenten haben in diesem Jahre die Graduierung erhalten. Heute zieht die Fakultät auswärtige Professoren und Gelehrte an, die studienhalber nach Jerusalem kommen. Von den etwa 190 Studenten, die sich in diesem Jahre an der Universität eingetragen haben, studieren mehr als drei Viertel in der School of Hebrew Studies. Der Unterricht in biologischer Chemie hat sich erfolgreich entwickelt. Die School of Biology wird als Vorläuferin der zukünftigen medizinischen Fakultät die zweite akademische Grade erteilende Institution sein; die Graduierung wird wahrscheinlich mit der Fertigstellung des Baues eines modernen Krankenhauses in Jerusalem beginnen, was in ein oder zwei Jahren der Fall sein wird. Die ersten 1000 Pfund für die Ausstattung des Physikalischen Instituts sind bereits eingezahlt. Die Physics School und die Chemistry School werden in einem Jahre normal funktionieren und Grundsteine für die medizinische Fakultät, die