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Das jüdische Echo · 1932-12-30 · 53 (30.12.1932) · p. Seite 422

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
53 (30.12.1932)
Date
1932-12-30
Page
Seite 422 (sequence 2)
Language
German
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422 Das Jüdische Echo Nr. 53 sehe Front hämmerte in das deutsch]irdische Bewußtsein die Einsicht, daß der Weg der letzten 120 Jahre seit den Anfängen der Emanzipation im Ergebnis ein Irrweg gewesen ist. Es ist müssig zu untersuchen, ob durch rechtzeitige Einsicht und durch (die -Bemühung der führenden Männer vor 100 Jahren die Entwicklung eine andere Wendung hätte nehmen können. Es ist ebenso sinnlos, von Schuld irgendwelcher Richtungen zu sprechen- Man steht vor der Tatsache einer traurigen Bilanz und konstruktiver Wille muß sich bemühen, unter den gegebenen Verhältnissen die Rettung dessen zu versuchen, was noch zu retten ist. Unter d'em Ansturm der drohenden Gefahr, symbolisiert im Namen Hitler, konnte man eine kurze Zeit sich der Hoffnung hingeben, daß die überwiegende Mehrheit des deutschen Judentums im Anschluß an die gewonnene Erkenntnis von dem Irrtum der letzten 100 Jahre deutsch-jüdischen Lebens auch einen derartigen konstruktiven Willen aufbringen wird. Aber es scheint, daß diese Hoffnung ein Trugbild gewesen ist. Kaum ist es durch Umstände, die von üen Juden völlig unabhängig gewesen sind und auf deren Zustandekommen die Juden nicht den geringsten Einfluß nehmen konnten, gelungen, die akute Gefahr eines nationalsozialistischen Regimes zu bannen (wobei die Herrschaft in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft von Mächten ausgeübt wird, die keineswegs Voraussetzungen für eine ruhige Existenzmöglichkeit der Juden bieten), so treten die alten Schlagworte und die alten irrigen Auffassungen im jüdischen Leben wieder stärker an die Oberfläche. Vergessen ist die Angst der vergangenen Monate, verflogen ist die Einsicht von dem wahren Wesen des Judenproblems, dahin ist die Erkenntnis, daß der Bestand des Judentums in seinen Grundlagen gefährdet ist und zwar nicht nur durch den Antisemitismus, sondern durch den verfälschten Inhalt dessen, was man noch heute in Deutschland Judentum nennt. Wieder melden sich die alten Phrasen und konventionellen Dummheiten; der alte Kehillestreit lebt wieder auf, man ist frischwegs gegen die jüdische Schule, gegen die jüdische Sportbewegung, gegen reale Durchführung des Gedankens vom jüdischen Klal, gegen Gleichberechtigung der Ostjuden usw. Man ist für all das schöne liberale Rüstzeug, mit dem man 100 Jahre lang gekämpft und miit dem man den Krieg um die Erhaltung und Normalisierung des Judentums so gründlich verloren hat. Dieser Einsichtlosigkeit heißt es mit aller Entschiedenheit entgegentreten. Ob ohne Hitler oder mit Hitler: die Situation der Juden in der Diaspora und in Deutschland ist auf das schwerste gefährdet. Hitler ist nur eine Zugabe. Es handelt sich darum, die Strömungen, welche aus dem Zusammenbruch der jüdischen Diaspora den gesunden Kern retten werden, um ein Kraftzentrum für die jüdische Gesamtheit zu schaffen, im jüdischen Leben der Gegenwart siegreich werden zu lassen- 1. s. Die Söhne der Makkabäer Von Oberrabbiner Prof. Zwi Perez Chajes Anläßlich des 5. Todestages des Wiener Oberrabbiners Z. P. Chajes veröffentlichen wir aus einem neuen von Proif. Rosenfeld herausgegebenen Buche eine Chanukah- Rede, die Chajes 1914 in Triest gehalten hat. Von unseren Festen, die alle einen rein nationalen Hintergrund haben, verherrlicht keines, wenn man das heutige ausnimmt, ein Ereignis kriegerischer Natur. Aber auch bei unserem Feste, welches an das epische Ringen des jüdischen Volkes um seine Freiheit gegen den frechen Eindringling erinnert, einem Feste, das den denkwürdigen militärischen Unternehmungen der Hasmonäer geweiht ist, dem unvergleichlichen Heldenmut ihrer Scharen, auch bed diesem versuchte die spätere Tradition — und nicht ohne Erfolg — es seines wahren Charakters zu entkleiden und in die erste Linie ein Wunder zu stellen, bezüglich dessen dieselbe Tradition nicht einmal einmütig ist und das sich in einer Öllampe in dem von den Makkabäern von neuem geweihten Heiligtum ereignet haben soll. Vielfältig waren die Gründe, die zu dieser Entstellung dieser unserer Feier führten: Die sicherlich nicht unverdiente Abneigung, welche die letzten Fürsten der glorreichen Dynastie im Gemüt des Volkes und der berufenen Führer anzuhäufen wußtten, eine Abneigung, die fast einen Schleier über die heldenmütigen Taten der großen Bahnbrecher unserer Wiedergeburt breitete und die sogar riet, Feste abzuschaffen, die an den Ruhm der erhabenen Befreier erinnerten, wie den sogenannten Tag des Nikanor, das Andenken an den Sieg Judas über einen der mächtigsten und grausamsten Feinde Israels, ein Fest, das von den Rabbinen durch das Fasten, das dem Purimtage vorangeht, ersetzt wurde. Überdies trug dazu noch die Tatsache bei, daß jetzt nach so vielen Jahrhunderten, nämlich seit dem Aufstand des ebenso wunderbaren wie unglücklichen Barkochba die jüdische Nation als solche nicht mehr die Waffen ergreifen konnte, um das ursprüngliche Vaterland und die eigene Existenz als Volk zu verteidigen, was natürlich das Interesse unserer Väter an den militärischen Gedenktagen unserer Vergangenheit schwächen mußte. Es ist das unbestreitbare Verdienst unserer heutigen Generation, dem Chanukahfest die wahre Bedeutung und seine geschichtliche Physiognomie wiedergegeben, dem Werke der Söhne des Matatia den hervorragenden Platz zurückgegeben zu haben, der ihm in den Annalen des Judentums zukommt. Jetzt, da wir nicht bloß erträumen, sondern diesem Ideal unsere besten Energien widmen, verehren wir in den heldenmütigen Brüdern die geistigen Väter der heutigen Bewegung, wir erwärmen am Feuer ihrer Begeisterung unsere Herzen, das von ihnen entzündete Licht führt uns auf dem rauhen Wege, den wir zu durchlaufen haben. Aber in diesen Tagen erstehen den Makkabäern Söhne, da wir am wenigsten erwarteten, sie zu finden, Söhne, über die sich selbst das erhabene Geschlecht von Modin wundern würde, sie unter den Seinen zu sehen. „Und Du wirst in Deinem Herzen denken: Wer hat mir dieses ganze Geschlecht geschaffen?“ (Jesaia 49, 21.) Viele unter uns nämlich, welche die Ideale, deren Triumph die Makkabäer alle ihre Kräfte widmeten, am energischten verneinten, bekennen sich jetzt dazu, ihr Werk fortzusetzen. Wenn man von den edlen Heldentaten erzählt, welche von unseren Brüdern heute auf allen blutigen Schlachtfeldern des blutigen Weltkrieges vollführt werden, besingen auch jene Vertreter der jüdischen öffentlichen Meinung, die bis jetzt die Existenz eines geeinigteri und einigen Israels nicht anerkannten, sondern die nur von Deutschen, Franzosen, Engländern, Italienern und, um vollständig zu sein, die auch von Russen „mosaischer Konfession“ sprechen, unsere Helden von heute als würdige Söhne der Makkabäer und erregen die kriegerische Begeisterung unserer Jungen

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