Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 52 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- Seite 416 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Das Jüdische Echo Nr. 52 Jahr 1932 betrifft. Eine Festlegung für den nächsten Etat betreffend Ansgabenerhöhung sei untragbar, das „iunctim“ nicht zu verantworten. ln der Abstimmung wird Teil 2 der Vorlage mit den Stimmen von Liberalen, Dr. Wiener (Mittelpartei) und Dr. Colin (Poale Zion) bei Stimmenthaltung der Volkspartei angenommen. Ein Antrag der Volkspartei, in den jüdischen Schulen Sondererziehiingsklassen unter heilpädagogischer Leitung einzurichten, wird dem Vorstande zur Berichterstattung überwiesen. Eine lange erregte Debatte knüpft sich an die Vorlage des Vorstandes, nach der das unter biihrung des liberalen Kultusausschusses im Preußischen Landesverband geschaffene „Liberale Einheitsgebetbuch“ in der Synagoge „Friedenstempel“ (Halensee) eingeführt werden soll. Diese Synagoge, eine private Gründung, hat zwar eine Orgel, aber bisher doch einen mehr konservativen Ritus. Eine Vorlage auf Bevorschussung der nächstjährigen Subvention für die Akademie für die Wissenschaft des Judentums wird einstimmig angenommen. Hierbei teilt der Gemeindevorstand durch Dr. Sandler mit, daß die akute Not aller jüdisch-wissenschaftlichen Institute, vor allem der Rabbinerbildungsanstalten, den Vorstand zu einer Sonderaktion veranlaßt habe, die in diesen Tagen die größten Existenzsorgen für die nächste Zukunft lindern werde. Nach Annahme vieler kleiner Vorlagen wird die öffentliche Sitzung gegen Mitternacht geschlossen. Ihr folgt eine kurze nichtöffentliche Beratung von Personal- und Verwaltungsangelegenheiten. Aus der jüdischen Welt Neue Friedhof Schändung Berlin, 15. Dezember (JTA.).ln Frenz bei Düren im Rheinland wurden auf dem jüdischen Friedhof zwei Grabsteine zerstört und mehrere Gräber beschädigt, ferner wurde die eiserne Eingangstür zum Friedhof zertrümmert. Da an dem Ort nur noch wenige jüdische Familien wohnen und der Friedhof selten aufgesucht wird kam man der Schädigung erst spät auf die Spin-. Eröffnung der Spinoza-Ausstellung der Jüdischen Gemeinde Berlin. Berlin, 16 Dezember (JTA.). Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat für Donnerstag, den 15. Dezember, abends, zur Eröffnung der Spinoza-Ausstellung der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde nach der Oranienburgerstraße 29 eingeladen. Die Ausstellung, die aus Anlaß des 300. Geburtstages des großen Denkers vom Leiter des Bibliothekwesens der Gemeinde Dr. Josef Meisl und dein Bibliothekar Dr. Ravidovicz arrangiert wurde, ist einzig in ihrer Art und gibt ein einprägsames Bild vom Leben und Denken Barucli Spinozas. Gasbomben gegen jüdische Warenhäuser Berlin, 19. Dezember (JTA.). Aus Wien und aus mehreren Städten Deutschlands werden vom Goldenen Sonntag Gasbombenattentate gegen jüdische Kaufhäuser gemeldet; die Häufung der Attentate läßt auf eine planmäßige Aktion der Judengegner schließen. Im Wiener größten Warenhaus von Gerngroß warfen Nationalsozialisten Tränengasbomben und verursachten eine schwere Panik, die Frauen und Kinder gefährdete. In Gießen wurden gegen drei in Mainz ebenfalls gegen drei jüdische Kaufhäuser Gasbombenattentate unternommen. Ähnliche antisemitische Attentate werden aus Darmstadt, Worms und aus anderen Orten gemeldet. Verhaftete Täter gestanden den antisemitischen Zweck der Attentate ein. Die Jewisli Agency-Arbeit in Deutschland Berlin, 15. Dezember (JTA). Kurz nach Beendigung der Lady Erleigh-Aktion in Berlin landen zwei außerordentlich eindrucksvolle Veranstaltungen der Jewish Agency in Bamberg und in Nürnberg statt, für die sich als Referenten Direktor Oskar Wassermann und Dr. Michael Traub zur Verfügung gestellt hatten. Beide Veranstaltungen waren sehr stark besucht. Die Redner behandelten die jüdische Situation in der Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung der jüngsten Entwicklung in Palästina. Eduard Bernstein gestorben Berlin, 19. Dezember (JTA.) Eduard Bernstein, der bedeutendste Theoretiker des Sozialismus der alten Generation, ist am Sonntag, den 18. Dezember, 2 Uhr nachmittags, kurz vor Vollendung seines 83. Lebensjahres, in seiner Berliner Wohnung an Altersschwäche verstorben. Eduard Bernstein winde am 6. Januar 1850 in Berlin als Sohn eines Lokomotivführers geboren. Ein Bruder seines Vaters war der sehr populäre politische und naturwissenschaftliche Schriftsteller Aron Bernstein, der Mitbegründer der Jüdischen Reformgemeinde in Berlin war. Eduard Bernstein trat Anfang der Siebziger Jahre der Sozialdemokratischen Partei bei. Sein jüdisches Interesse erwachte erst spät. Der Weltkrieg machte auch bei ihm den Blick für die Judenfrage frei. 1917 schrieb er einen größeren Aufsatz: „Von den Aufgaben der Juden im Weltkriege“, in dem er den Gedanken der jüdischen Mission in dem Sinne entwickelt, daß die Juden, infolge ihrer Geschichte und ihrer Stellung unter den Nationen, die völkerpolitische Aufgabe haben, für die Verständigung zwischen den Völkern zu wirken. Den Zionismus lehnte er damals noch ah, verwarf aber auch die Assimilation, wenn sie aus Berechnung entsteht oder unwürdige Formen annimmt. 1924 trat Bernstein dem „Komitee für das Arbeitende Palästina“ bei, nachdem er schon seit 1919 an der Arbeit und den Zielen der poale-zionistischen Bewegung und der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas inneren Anteil genommen hatte und zu deren Propagierung in öffentlichen Kundgebungen aufgetreten war. Weizmann übernimmt die Leitung des Instituts für Landwirtschaft an der Hebräischen Universität London, 16. Dezember (JTA.) Dr. Chaiin Weizmann, der der Hauptredner auf der Jalirestagung der Londoner Freunde der Hebräischen Universität gewesen ist, gab einen Umriß der Arbeit der Hebräischen Universität und stellte Fortschritte in allen Zweigen fest. Sir Philip Hartog, der die Tagung leitete, teilte mit, daß Weizmann sich bereit erklärt habe, nach Jerusalem zu gehen, um die Leitung des