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Das jüdische Echo · 1932-12-23 · 52 (23.12.1932) · p. Seite 415

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
52 (23.12.1932)
Date
1932-12-23
Page
Seite 415 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 415 Bauer kann bei der reinen Getreidewirtschaft sein Auskommen nicht finden; er muß die Möglichkeit haben, auch andere Wirtschaftszweige und bewässerte Kulturen zu betreiben, ln den von der PICA in Ober- und Untergaliläa gegründeten Siedlungen sind diese Vorbedingungen bisher nicht erfüllt worden. Tn Obergaliläa herrscht noch heute der Schrecken der Malaria, weil die Sümpfe nicht trockengelegt wurden. Mischmar flaemek z. B. ist noch immer von dieser Krankheit heinigesucht und konnte sich aus diesem Grunde nicht entwickeln. Ferner sind die PTCA-Kolonien in der Hauptsache auf einen Wirtschaftszweig, Getreidebau, basiert, und obwohl die Kolonisten in Galiläa eine dreimal so große Fläche als die des Emek oder anderer zionistischer Siedlungen besitzen — manche bewirtschaften 300 bis 500 Dunam —, war ihre ökonomische Lage bis auf den heutigen Tag eine schlechte, weil Getreidebau allein nicht genügend abwirft. Anders hingegen ist die Entwicklung der durch die zionistischen Fonds gegründeten Siedlungen gewesen. Es wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt, ehe man den Boden der Kolonisation übergab. Es sei nur an das heute blühende Nahalal erinnert, ein Ort, der nicht nur von arabischen, sondern auch von robusten deutschen Bauern, die hier eine Siedlung zu gründen versuchten, verlassen wurde, w^eil die Malaria zu große Opfer an Menschenleben forderte. Als der K. K. L. diesen Boden käuflich erwarb, war es seine erste Sorge, ihn von den Malariasümpfen zu befreien, was nur unter Aufwendung großer Geldmittel durchführbar war. Ferner haben die zionistischen Fonds die von ihnen geschaffenen Siedlungen mit Wasser für Trink-, Tränk- und Bewässerungszwecke versorgt. Durch die Einführung der gemischten Wirtschaft hat die zionistische Kolonisation die Grundlage für die gedeihliche Entwicklung ihrer Siedlungen gelegt. Die Erträgnisse der Pflanzungskulturen, der Milchwirtschaft sowie Geflügel- und Bienenzucht machen heute einen wichtigen Posten in deren Einnahmebudget aus. Man darf ruhig sagen, daß das Gelingen der zionistischen Kolonisation sich auf der Basis der gemischten Wirtschaft aufbaute. Die Grundbedingung für die gemischte Wirtschaft aber ist Bewässerung. Jetzt ist nun die Verwaltung der PTCA dem Beispiel der zionistischen Fonds gefolgt. Nach sechswöchigen Bohrversuchen mit einer großen Bohrmaschine wurde Wasser in javniel gefunden, und dies darf für die dortigen, seit Jahren hart um ihre Existenz ringenden Siedlungen als Vorbote besserer Zeiten angesehen werden. Man hofft, daß damit nicht nur der Kolonie Javniel ermöglicht wird, Pflanzungen und gemischte Wirtschaft einzuführen, sondern auch für die übrigen Kolonien Galiläas eine Epoche ökonomischen Aufstiegs anbrechen wird. Finanznot der jüdischen Gemeinde Berlin Sitzung der Gemeinderepräsentanz Berlin, 16. Dezember. (JTA.) Die Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin am 15. Dezember brachte bedeutsame Auseinandersetzungen und Entscheidungen über grundlegende Gemeindeangelegenheiten. Infolge der Finanznot und der erhöhten Soziallasten hat der Vorstand vor wenigen Tagen eine neue Steuervorlage entworfen. Der Gemeindevorsteher Adolf Schover legte den Entwurf vor: Er zerfällt in zwei Teile, Tm ersten Teil wird eine Änderung des Statuts dahin beantragt, daß als Maßstab für die Besteuerung neben der Reichseinkommenauch die Vermögenssteuer herangezogen, jedoch nur eine der beiden Steuern dem einzelnen Pflichtigen — und zwar die der Gemeinde günstigere — auferlegt werden kann. Im zweiten Teil wird Festsetzung der Steuerquote auf 13 Prozent (bisher 11 Prozent) der Reichseinkommensteuer 1931 unter Freistellung von Einkommensteuern bis 75 RM. bzw. 30 Prozent der Reichsvermögenssteuer vorgeschlagen. Schoyer gibt einen Überblick über die Steuereingänge 1932. Diese werden etwa 4.3 Mill. RM. betragen und sind in 1933 auf 3,6 Mill. RM. zu schätzen. Während die Steuereinnahmen auf der Linie der Schätzungen bleiben, treten Mindereinnahmen besonders bei den Gebühren ein. Andererseits sind alle tragbaren Einsparungen vollzogen, doch sind zahlreiche Ausgaben zwangsläufig, auf sozialem Gebiet sogar gestiegen. Das Defizit für 1952 beträgt 1 Million RM. und muß noch vor Jahresschluß und Beginn des neuen Etatjahres gedeckt sein, ln der Vermögenssteuer ist eine neue, die breiten Massen kaum belastende Steuerquelle zu erschließen, die vor allem einkommenloses Vermögen treffen soll. Die Mehreingänge auf Grund der Vorlage schätzt Schoyer auf 800 000 RM. für 1932. Abschließend bittet Schoyer die Repräsentanten, der Verwaltung im Kampfe gegen Austritt aus Steuerscheu zu helfen und erwähnt, daß unter dem Eindruck der jüdischen Not auch manche eien Weg zurück schon väeder gefunden haben. Landgerichtsrat Rau (Volkspartei) hält eine unbegrenzte Festlegung auf die Vermögenssteuer im Statut für bedenklich und beantragt die vorläufige Beschränkung auf 1932, zumal der Etat für das Steuerjahr längst verabschiedet sei. Der erste Teil wird mit dem Zusatzantrage einstimmig angenommen. Zu Teil 2 kündigt Alfred Berger als Fraktionsführer der Volkspartei Stimmenthaltung an. Die Volkspartei verkenne nicht die Notwendigkeit großer Opfer für die Gemeinde, begrüße auch den Mut des Vorstandes, den Etat im Interesse der Ärmsten und der Sozialeinrichtungen zu überschreiten, sie mache aber ihre Zustimmung zu Teil 2 der Deckungsvorlage von der Sicherung einiger Grundforderungen abhängig, die keineswegs Parteiforderungen seien: Errichtung der nötigen Volkschulklassen zu Ostern, die nicht einmal 50 000 RM. kosten würden, Subvention für den Großes leistenden „Bar Kochba u. ä. m. Die Volkspartei will zugleich ihre Mißstimmung gegen den politischen und personellen Kurs der Mehrheit im Vorstand kundtun. Woya (lib.) appelliert an die Volkspartei, die Steuervorlage ebenfalls anzunehmen, zumal Etat und neue Ausgaben einstimmig beschlossen seien. Die Not ist so groß, daß jede auch moralische Schwächung sie vergrößern w ürde. Leider seien 1927 bis 1930 keine Reserven gesammelt worden. Lange haben beide Parteien in schwerer Zeit zusammengearbeitet, die Liberalen haben wichtige Mehrheitsansprüche zurückgestellt. Zudem beträfen die Forderungen der Volkspartei das Jahr 1933, während die Deckungsvorlage das

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