Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 52 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- Seite 414 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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414 Das Jüdische Echo Nr. 52 Es war keine politische Rede, die Kastein — ein untheatralischer aber bedeutender Spreche]- — hier gehalten hat; noch weniger war es eine Agitationsrede. Alis der Fülle historischer Einsicht und ans der Verantwortung eines Gläubigen und Wissenden aus der jüdischen Geschichte heraus, ist Kastein seinen Hörern als ein Mahner und Erschüttere!’ gegenübergetreten. Gerade in den Chanukkatagen, die uns daran erinnern, daß das Judentum seit je von seinen 'Trägern schwerste Entscheidungen gefordert hat, wird diese Mahnung in ihrer Härte und ihrem Feuer empfunden werden. Jüdisches Schicksal als Fortsetzung der jüdischen Historie zu gestalten — Kastein hat gezeigt, wie der Wille dazu zu verankern und zu regenerieren ist, wie er sich abzusprengen hat. Wie und wo der jüdische Lebensraum des jüdischen Kollektivs zu verwirklichen ist, hat Kastein nur angedeutet. Ihm kam es darauf an, einzelne Juden vor die Entscheidungen ihrer jüdischen Gegenwart zu stellen, ihre Unentrinnbarkeit deutlich zu machen. Wer die Kraft zur Entscheidung findet, kann über den Weg der Verwirklichung nicht im Zweifel sein. Ein Palästinabrief J e r u s a 1 e m , anfangs Dezember 1932 Palästina ist von dem in anderen Ländern so überaus aktuellen Problem der Arbeitslosigkeit verschont geblieben, im Gegenteil macht sich auf gewissen Gebieten ein Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Auch der lligli Commissioner berichtete vor der Mandatskommission in Genf über die in Palästina herrschende gute ökonomische Lage. Diesen Tatsachen konnten sich auch die Immigrationsbehörden nicht verschließen. Sie bewilligten 4500 neue Zertifikate (3000 für männliche, 1500 für weibliche Immigranten), die die Einwanderungsabteilung der jewish Agency im letzten Monat den Palästinaämtern in den verschiedenen Ländern zur "Verfügung stellen konnte und die sich auf die Zeit \om Oktober 1932 bis April 1933 verteilen. ln diesem Zusammenhang mag ein Vergleich der Immigration in den Monaten Januar bis September 1932, deren Ziffern jetzt vorliegen, mit denen derselben Periode des Vorjahres von Interesse sein. Die Zahl der jüdischen Immigranten hat sich (mit 6275 gegen 2955) mehr als verdoppelt. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß es sich hiebei nicht ausschließlich um neue Immigranten handelt, sondern daß sich eine große Anzahl dieser Leute bereits ohne Aufenthaltsbewilligung im Lande befand. Die Zahl derer, die nachträglich das Recht des dauernden Aufenthalts erhielten und als „Immigranten“ registriert wurden, beträgt 3070 (gegen 437 im Vorjahre). Wirklich neue Einwanderer bleiben demnach 3205 (gegen 2518), was eine Erhöhung von etwa 25 Prozent bedeutet. Auch die Zahl der Immigranten mit einem Vermögen von mindestens 1000 Pfund, deren wir 505 gegen 162 zu verzeichnen hatten, ist erheblich gestiegen. Zum Kapitel der neuen Alija gehört auch die Einrichtung der sogenannten Arbeiterlager in oder bei den Pflanzungskolonien, die die immigrierenden Arbeiter sofort nach ihrer Ankunft absorbieren, ohne daß sie die von der Jewish Agency in den Hafenstädten Jaffa und Haifa errichteten Immigrationsheime in Anspruch zu nehmen brauchen. Für die Gründung solcher Arbeiterlager hat der Keren Kajemeth aus seinem Bodenbesitz in der Nähe oder innerhalb der Pflanzungskolonien gewisse Flächen reserviert, auf denen von der Jewish Agency Wohngelegenheiten für die Arbeiter errichtet werden. Diese nehmen die Neuankömmlinge auf, und das Vorhandensein solcher Lager hat sich für alle Beteiligten als ein wahrer Segen erwiesen: fiir die Kolonisten, denen an Ort und Stelle jüdische Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, für die Arbeiter, denen sich am Orte ihrer Beschäftigung die notwendige Unterkunftsmöglichkeit bietet, so daß sie weder Zeit noch Geld durch die Suche nach Arbeit vergeuden müssen. Im Zusammenhang mit der neuen Einwanderung hat sich ein so großes Bedürfnis nach diesen Arbeiterlagern herausgestellt, daß die im Besitze des Keren Kajemeth befindlichen Flächen, die für diesen Zweck geeignet sind, nicht ausreichen. Aus diesem Grunde hat der Keren Kajemeth beschlossen, ungeachtet der hohen Preise für Boden in der Nähe der Kolonien weitere Grundstücke fiir Arbeiterlager zu erwerben. Bei Rechowoth, Petach Tikwa, Raanana, Ir Schalom und Gliedern sollen Parzellen für die Unterbringung von weiteren etwa 1100 Arbeitern erworben werden, so daß die Arbeiterlager im Lande mehr als 2000 Menschen Platz bieten werden. Die Wiedereröffnung der Schulen der Jewish Agency Infolge der sich ständig festigenden wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung in Erez Israel entwickelt sich in den letzten Jahren innerhalb des Jischuw die Bereitwilligkeit, den Unterhalt der Institutionen des Unterrichts- und Gesundheitswesens auf die eigenen Schultern zu nehmen, um dadurch das Budget der zionistischen Exekutive für die Bedürfnisse der Kolonisation freizumachen. Man ist schließlich zu dem Beschluß gelangt, das gesamte Unterrichtswesen der „Knesseth Israel“, die als legale Körperschaft mit den Jahren ihren Beitrag für das hebräische Schulwerk erhöht hat. In Anbetracht ihrer schwierigen Finanzlage sieht sich indessen die Jewish Agency zu der Erklärung gezwungen, daß sie für ihren Anteil an der Finanzierung des Schulwesens die von den Lehrern gewünschten Garantien nicht geben könne, und es bestand die Gefahr, daß die Schulen geschlossen bleiben werden. Die Verhandlungen, die im Gefühl der Verantwortung aller Beteiligten für diese wichtige öffentliche Angelegenheit geführt wurden, führten endlich zu einem Ausweg, so daß alle palästinensischen Schulen, wenn auch verspätet, den Unterricht aufgenommen haben. Wasser in Javniel In javniel, einer der ersten Kolonien der Palestine Jewish Colonisation Association (PICA), hat man in einer Tiefe von 100 m eine Quelle entdeckt, die pro Stunde 150 bis 200 Kubikmeter Wasser liefert. Um die Wichtigkeit dieses Fundes entsprechend zu bew erten, muß man sich die Lage der galiläischen Siedlungen vergegenwärtigen. Wie die Praxis erwiesen hat, sind zwei Vorbedingungen für die Kolonisation in Palästina unerläßlich: die Sanierung des Bodens und die Beschaffung von Wasser, ohne das eine gesunde ökonomische Entwicklung landwirtschaftlicher Siedlungen nicht denkbar ist. Denn der 4