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Das jüdische Echo · 1932-12-16 · 51 (16.12.1932) · p. Seite 408

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
51 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
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408 Das Jüdische Echo Nr. 51 Dezember, das von Grund auf umgestaltete und erweiterte Verwaltungsgebäude der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. eingeweiht. In dem geschmackvollen' Sitzungssaal der Repräsentanz hatten sich sämtliche Gemeindekörperschaften und viele geladene Gäste eingefunden; die Feier gestillte sich zu einer großen Huldigung für die „Rothschilds“, die den Umbau ermöglicht hatten. Das neue Gemeindehaus befindet sich in! alten Bankgebäude der Rothschilds, also in einem Altfrankfurter Patrizierhause, das nach dem großen Brand in der „Judengasse“ (1796) für das aufstrebende Unternehmen gebaut wurde. Es blieb Bankhaus bis 1901; die Erbin, Frau Baronin Edrnond de Rothschild in Paris, machte es im fahre 1912 der Israelitischen Gemeinde zum Geschenk, die es nach dem Kriege als Verwaltungsgebäude in Benutzung nahm. IV. Bundestag des „Zeire Misrachi“ für Deutschland Hamburg, 8. Dezember. (JTA.) Vom 23. bis 26. Dezember wird in Magdeburg der IV. Bundestag des „Zeire Misrachi“ für Deutschland stattfinden. Im’ Mittelpunkt der Tagung wird die Frage der Fundierung des. jüdisch-religiösen Sozialismus stehen, ferner die Frage der Gola-Aroe.it, die die besonderen Verpflichtungen eines religiös-zionistischen Sozialismus aufzeigt. Ferner wird ein Beicht über den Poel Hamisrachi in Erez Israel entgegengenommen, sowie die Lage der Hachscharaharbeit im „Zeire Misrachi“ erörtert werden. (Anfragen betreffend einer Beteiligung sind an die Zentrale des „Zeiire Misrachi“ für Deutschland, Hamburg 13, Hallerplatz 14, zu senden.) Das Breslauer Disziplinarurteil Berlin, 9. Dezember. (JTA.) Am letzten Sonnabend hat der Senat der Breslauer Universität über neun an den Unruhen beteiligt gewesenen Studenten das „Consilium abeundi“ (ernstliche Verwarnung, der bei dem geringsten Anlaß die Relegation folgt) gesprochen, in drei Fällen auf einen Verweis, in einem Falle auf Nichtanrechnung des Semesters erkannt. Die Breslauer „Jüdische Zeitung“ findet es grotesk, daß unter den mit dem consilium Bestraften sich auch der jüdische Student Goldschmidt befindet, der bei den Unruhen von nationalsozialistischen Studenten aufs erheblichste verletzt — ihm wurde das Nasenbein zertrümmert — und dann in hilflosem Zustande zurückgelassen wurde. Noch eins verdient Erwähnung. Während es nämlich dem einen jüdischen Studenten Goldschmidt erst nach größten Bemühungen möglich war, unter den Professoren überhaupt einen Verteidiger zu finden, sind die Nationalsozialisten von mehreren Professoren verteidigt worden, darunter auch von Professor Wegener, der vor mehreren Jahren als noch ganz junger Dozent auf sozialdemokratische Anregung hin nach Breslau berufen wurde, der überdies eine Frau jüdischer Abstammung hat. Reichsgesundheitsamt erklärt neuerdings das Schächten als nicht tierquälerisch Berlin, 12. Dezember. (JTA.) Das Reichsgesundheitsamt, die oberste Veterinärbehörde des Deutschen Reiches, hat anläßlich der Verhandlungen im Strafrechtsausschuß des Reichstages bereits im Februar 1930 durch den Direktor der Veterinärabteilung die Erklärung abgegeben, „daß es unter Berücksichtigung der ‘ wissenschaftlichen Forschung, bei objektiver Beurteilung der vorliegenden Äußerungen und aus eigenem Urteil zu dem Ergebnis gekommen sei, daß das Schächten nach jüdisch-religiösem Ritus, wenn es vorschriftsmäßig ausgeführt werde, als Tierquälerei nicht zu erachten sei. Das beziehe sich lediglich auf den Schächtschnitt und das Entbluten. Bel der Vorbereitung zum Schächten könnten allerdings Tierquälereien unterlaufen, gegen die mit allen Mitteln eingeschritten werden müsse.“ — Aus dem letzten Satz ist inzwischen irrtümlich abgeleitet worden, das Reichsgesundheitsamt habe nur den Schächtschnitt selbst und das darauf folgende Entbluten als nicht tierquälerisch erklärt, wohl aber das vorangehende Niederlegen. Das Reichsgesundheitsamt wurde vom derzeitigen „Büro für Schächtangelegenheiten“ ersucht mitzuteilen, ob die Auslegung obiger Erklärung seines Vertreters im Strafrechtsausschuß zutreffend sei. — Das Reichsgesundheitsamt, dessen Veterinärabteilung von Männern geleitet wird, die aus der Schlachthofpraxis hervorgegangen sind, hat in der letzten Woche als höchste Fachbehörde des Reiches ausdrücklich sowohl den Schächtschnitt und das Entbluten als auch das Niederlegen, d. h. den Schächtungsakt in allen seinen Teilen, als nicht tierquälerisch erklärt. Noch keine Ruhe in Polen Wie vom 8. Dezember aus Lemberg telegraphiert wird, ist die Ruhe dort noch nicht eingekehrt. In die Zuschauerräume einiger von Juden besuchter Kinotheater wurden mehrere Stinkbomben geworfen, ebenso in das jüdische Cafe Rota und in das jüdische Kaufhaus des Sigmund Ihrer. Nationaldemokratische Studenten blockieren die Eingänge zu jüdischen Geschäften und lassen keinen Käufer hinein. Personen, die jüdische Geschäfte besucht haben, werden Zettel auf den Rücken geklebt mit der Aufschrift: „Dieses Schwein kauft bei Juden!“ Infolge der Verhaftung der Führer der nationaldemoikratischen Jugend hat der nationaldemokratische akademische Verband einen eintägigen Proteststreik für alle Lemberger Hochschulen proklamiert. Die von und nach Lemberg verkehrenden Züge werden jetzt zum Schutze der jüdischen Passagiere von Polizeieskorten begleitet. Auf Interventionen beim Innenminister und beim Minister für Arbeit und sozialen Schutz wurde versichert, daß alles zum Schutz der jüdischen Bevölkerung getan werden solle. Legislative Council wird nicht geschaffen Jerusalem, 8. Dezember. (JTA.) In einer im Hauptbüro der Jewish Agency in Jerusalem abgehaltenen Pressekonferenz gaben der Präsident der Jewish Agency Nahum Sokolow und der Leiter des Politischen Departements der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Dr. Cliaim Arlosoroff Erklärungen ab, die besagen, daß die Zionistische Organisation und die Jewish Agency entschieden gegen den Plan der Schaffung eines Legislative Council für Palästina in der gegenwärtigen Epoche sind. Beide Führer traten den Gerüchten, daß die Jewish Agency bereit sei, in der Frage des Legislative Council ein Kompromiß zu schließen, mit größter Entschiedenheit entgegen. Dr. Arlosoroff führte aus: So lange Juden, Araber und Engländer nicht eine definitive Verständigungsbasis erreicht haben, wird es keinen Legislative Council geben. Die Palästina-Regierung wird es sich noch sehr wohl überlegen, an die Errichtung eines Legislative Council zu schreiten, an dem die Juden nicht teilnehmen wollen.

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