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Das jüdische Echo · 1932-12-16 · 51 (16.12.1932) · p. Seite 407

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
51 (16.12.1932)
Date
1932-12-16
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 407 Erklärungen Arlosoroffs und Senators Gegen Verleumdungen der Exekutive Dr. Chaim Arlosoroff, der politische Dezernent der Palästina-Exekutive, veröffentlicht folgende Erklärung: „Der Warschauer ,Moment1, Nr. 265, enthält einen von Berlow gezeichneten Artikel zur Frage des Legislative Council, der die Andeutung enthält, der High Commissioner habe, bevor er nach Genf ging, von mir die Zusicherung erhalten, daß sich die Exekutive dem Plan des Legislative Counciil nicht widersetzen werde. Der Artikelschreiber behauptet, ich hätte eine solche Erklärung als Entgelt für Zertifikate und andere praktische Vorteile gegebe,n und er stützt diese seine Behauptung durch den Hinweis auf ein ähnliches Versprechen, das angeblich von mir in Betreff der Einkommensteuer gegeben worden sei. Es ist dies eine sehr einfache Methode, eine Unwahrheit durch eine andere zu stützen. Die von mir in der Plenarsitzung des Waad Leumi vorgelegten Dokumente haben über jeden Zweifel hinaus die Falschheit der Behauptung dargetan, daß die Exekutive sich mit der Einführung der Einkommensteuer in Palästina einverstanden erklärt hätte. Aus den Dokumenten geht hervor, daß die Exekutive sich in dieser Hinsicht absolut freie Hand gelassen habe und daß ich von Anfang an sowohl dem High Commissioner wie dem Schatzmeister unmißverständlich erklärt hatte, daß die Exekutive in dieser Sache keine Stellung nehmen werde, bis nicht alle jüdischen Interessenten gehört worden sind. Zur Frage des Legislative Council erkläre ich hierdurch, daß die erwähnte Behauptung im .Moment1 und ähnliche anderswo veröffentlichte Darstellungen glatte Unwahrheiten sind. Ich bedauere es, daß Rücksichten auf die politische Arbeit es nur nicht erlauben, alle Dokumente und Tatsachen der Öffentlichkeit bekanntzugeben, um auf diese Weise Verleumder zum Schweigen zu bringen, deren böswillige mit falscher Darstellung arbeitende Kampagne das Ziel verfolgt, die zionistische Politik zu stören, deren ergebene Befürworter sie zu sein behaupten. Der Politischen Kommission des Kongresses wird die Wahrheit nicht vorenthalten bleiben. Inzwischen aber sollte es allen denkenden Zionisten klar sein, daß eine solche mit Unwahrheit arbeitende Publizistik Teil eines Feldzuges wohlüberlegter Verleumdung und Schmähung gegen die zionistische Arbeiterschaft und ihre Wortführer ist, der darum so giftig und rücksichtslos geführt wird, weil die politische Vertretung in der Exekutive gegenwärtig einem Mitglied der Arbeiterpartei anvertraut ist.“ Dr. Werner Senator hat, bevor er sich auf seine Europareise begab, dem JTA.-Vertreter gegenüber u. a. erklärt: Der Führer des Misrachi, Rabbi Meir Berlin, hat sich in einer öffentlichen Ansprache in London mit der inneren Lage der Exekutive befaßt und u. a. erklärt, daß in Fragen der Einwanderung gewisse Mitglieder der Exekutive sich anscheinend geneigt zeigen, den Maßnahmen der Regierung mehr Verständnis entgegenzubringen als den Bedürfnissen des jüdischen Volkes. Es ist nicht schwer, die Quelle zu erraten, aus der der Führer des Misrachi sein Wissen geschöpft hat; jedenfalls ist es ein böses Zeichen, wenn Führer der zionistischen Bewegung den Versuch unternehmen, einen Teil der Exekutive in den Augen des jüdischen Volkes zu diffamieren. In Wirklichkeit hat die Exekutive bei. verschiedenen Anlässen der Regierung in unmißverständlicher Weise erklärt, daß das gegenwärtige System der Einwanderungsregelung ernste Nachteile mit sich bringt. So lange aber das jetzige Gesetz besteht, ist die Jewish Agency gezwungen, mit ihm zu rechnen. Es war von je unsere Praxis, der Regierung eine gut fundierte Darstellung unserer Situation zu geben, wobei wir unsere Vorschläge auf detaillierte Untersuchungen gründeten. Die kürzlich als Ergebnis dieser Methode erlangten Zugeständnisse scheinen das angewandte Verfahren zu rechtfertigen. Nie dürfen wir Vorschläge zu rein propagandistischen Zwecken ohne reale Grundlage machen; solche Methoden würden unsere Position gegenüber der Regierung untergraben und sich zum Schaden der jüdischen Einwanderung aus wirken. Ich sehe mich genötigt, der Meinung Rabbi Berlins, daß der Misrachi für die Taten der Exekutive nicht verantwortlich gemacht werden könne, entschieden entgegenzutreten. Der Misrachi ist in der Exekutive vertreten und hat Teil an der Verantwortung; der Misrachi-Führer, Herr Fanbstefn, hat neben der Leitung des Departements für Mittelstandssiedlung nun auch die Leitung des Schatzamtes übernommen, er trägt gemeinsam mit seinen Kollegen im Schatzamt-Komitee sogar eine besondere Verantwortung für die seit der Londoner A.-C.-Tagung vom August d. J. geführte Finanzpolitik. Natürlich teilen alle Mitglieder der Exekutive diese Verantwortung, und Erklärungen wie die von Rabbi Berlin' werden den Misrachi nicht davon befreien, einen Teil der Last zu tragen. Dr. Werner Senator schloß: Es ist außerordentlich bedauerlich, wenn Parteiführer, von denen man erwarten darf, daß sie in der heutigen schweren Zeit ihr Äußerstes tun, um die Position der Exekutive zu stärken, Erklärungen abgeben, die dazu angetan sind, dem Prestige der Exekutive und ihrer gesamten Arbeit Abbruch zu tun. Dergleichen wird in Zukunft unterbleiben müssen. Aus der jüdischen Welt Die Juden bilden 4,3 Prozent der Berliner Gesamtbevölkerung Berlin, 11. Dezember. (JTA.) Der Berliner Magistrat legt sein Statistisches Jahrbuch für 1932 vor. Ihm ist zu entnehmen, daß Berlin laut Zählung 1932 4 287 000 Einwohner hat, von denen 76 Prozent evangelisch, 10 Prozent katholisch, 4,3 Prozent jüdisch sind. 1,9 Prozent gehören sonstigen Religionsgesellschaften an, während 7,2 Prozent religionslos sind. Minister Sauckel fordert durch Rundfunk zum Judenboykott auf Weimar, 9. Dezember. (JTA.) Der thüringische Minister Sauckel hielt im Mitteldeutschen Rundfunk einen Vortrag, in dem er zur Unterstützung der thüringischen Wirtschaft aufforderte. Am Schluß dieses Vortrages forderte er zu einem Boykott der jüdischen Geschäfte dadurch auf, daß er den Kauf von Waren in „christlich-deutschen Geschäften“ anempfahl und seine Hörer ermahnte, auch in Warenhäusern nicht zu kaufen. Einweihung des altneuen Gemeindehauses in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 12. Dezember. (JTA.) Mit einer schlichten Feier wurde am Sonntag, d^m 11.

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