Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 50 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- Seite 399 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 50 Das Jüdische Echo 399 aus Wien berichtet wiird, wo das 1. Mal in der Jüdischen Gemeinde eine zionistische Mehrheit gewählt wurde. Nur eine von ganz anderen Grundsätzen geleitete Vertretung und eine andere Führung nach innen vermag die deutschen Juden vor schweren Enttäuschungen zu bewahren, ihnen die Kraft zu geben, sich geistig aus der Abhängigkeit von den Erscheinungen der Umwelt loszulösen und sie zur Selbstbe'jahung des jüdischen Schicksals führen, die einzig und allein für uns Befreiung bedeutet. 1. E. C.-Y. und Gemeinde In Nr. 48 nahmen Sie an, der C.-V. sei bei Gemeindewahlen noch nicht unter seiner Firma aufgetreten. Das ist irrig. Hier einige Beispiele: In Beuthen ist der C.-V. Gemeindepartei. In einem Flugblatt schrieb er: „Zwei Weltanschauungen werden im Wahlkampf einander gegenübertreten, die des C.-V. und die des Zionismus. — Der Gegensatz, welcher in Hinsicht auf die Gemeindeverwaltung besteht, ist daher in der Tat ein jüdischpolitischer. Wir vertreten hier die Auffassung: Wir sind gute Juden, aber wir sind auch gute Deutsche und wollen es bleiben.“ Auch in Gotha trat der C.-V. noch im November 1932 als Gemeindepartei auf. Bei beiden bisherigen Wahlen ,zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden gab der C.-V. eine „Wahlparole“ aus: „Hie deutsch-vaterländsich und jüdisch-religiös und dort jüdisch-völkisch.“ In Mainz proklamierten „zahlreiche Mitglieder des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“: „Nur keine Zionisten! — Wir sind Deutsche und wollen Deutsche bleiben.“ Trotzdem hat der C.-V. unter Leitung seiner Neutralität gerade in diesem Jahr mehrfach von allen jüdischen Gemeinden Subventionen aus allgemeinen Steuergeldern erbeten und von vielen erhalten. Harry Epstein. * * * Aus Würzburg schreibt man uns: Der Artikel: „Obgleich sich der C.-V....“ in Ihrer Nummer 48 spricht von einem Berliner Rabbinatskandidaten; der betreffende Herr ist indessen schon seit Jahren amtierender Rabbiner. Wenn der Schlußsatz Ihres Artikels einfach feststellt, daß keiner der beiden Kandidaten, Sondern ein dritter gewählt wurde, so kann dies leicht den Eindruck erwecken, daß dadurch beide Herren gleich zu beurteilen seien oder zum mindesten gleich beurteilt werden. Dies ist jedoch keineswegs der Fall gewesen. Vor der Verteilung des Flugblattes, das illoyalerweise erst in letzter Minute vor dem Wahlakt hinausgegeben wurde, unterlag es kaum einem Zweifel, daß Herr Rabbiner Broch gewählt werden würde. Nur um den einmal aufgerührten Mißhelligkeiten zu entgehen, ließ man ihn fallen. Der Angriff aus dem Hinterhalt hat so zwar sein eigentliches Ziel nicht erreicht, es ist aber zu bedauern, daß ein nicht nur allgemein geachteter, angesehener Mann zu Unrecht verdächtigt, sondern auch erheblich geschädigt wurde. Aus der jüdischen Welt Mecklenburg-Schwerins Landtag beschließt Schächt-Verbot Schwerin, 2. Dezember (JTA.) Der Landtag von Mecklenburg-Schwerin hat in seiner gestrigen Sitzung einen von den Nationalsozialisten eingebrachten Gesetzentwurf über das Schlachten von Tieren verabschiedet. Das Gesetz verbietet das betäubungslose Schlachten (Schächten). Der Gesetzgebungsausschuß des Thüringer Landtags beschließt Schächtverbot mit Vorbehalt. Weimar, 30. November (JTA.) Im Gesetzgebungsausschuß des Thüringer Landtags ist die von der nationalsozialistischen Landesregierung eingebrachte Gesetzesvorlage über den Tierschutz, die ein Schächtverbot enthält, mit den Stimmen der Nationalsozialisten und des Thüringer Landbundes gegen die der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen worden. Die Landbundfraktion hat jedoch, damit Schädigungen der thüringischen Landwirtschaft und des einheimischen Fleischergewerbes vermieden würden, beantragt, daß das in der Vorlage mitenthaltene Schächt-Verbot erst dann wirksam werden soll, wenn auch in den Nachbarländern, insbesondere in Preussen, das Schächten verboten sei. Auch dieser Antrag wurde zum Beschluß erhoben. Thüringischer Finanzminister Marschler kündigt einen Erlaß zum Judenboykott an. Berlin, 1. Dezember (JTA.) Der thüringische Finanzminister Marschler hielt auf einer Einzelhandelstagung in Weimar eine Rede, in der er bedauerte, keine Steuerermäßigung für den Einzelhandel vornehmen zu können. Dagegen werde er aber den Kampf gegen Warenhäuser und Konsumvereine bis aufs Messer führen. Auch werde in den nächsten Tagen durch einen Erlaß der Regierung von den Beamten verlangt werden, „daß sie nicht beim Juden und in jüdischen Warenhäusern einkaufen, sondern beim christlichen Einzelhändler“. Das Protokoll der Genfer jüdischen Weltkonferenz erschienen Berlin, 30. November (JTA.) Das Protokoll der Genfer Jüdischen Weltkonferenz ist in deutscher Sprache soeben erschienen. Es ist 175 Seiten stark und gibt eine genaue Wiedergabe der Referate und Diskussionen der Genfer Konferenz sowie alle gefaßten Beschlüsse und Resolutionen. Das Protokoll ist vom Zentralbüro des Exekutiv-Komitees zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses in Berlin herausgegeben und von dort zum Preise von Reichsmark 1,80 pro Exemplar zu beziehen. Zionistische Mehrheit in der Wiener Kultusgemcinde W i e n, 5. Dezember (JTA.) Die am Sonntag, den 4. Dezember, in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien durchgeführten Wahlen in die Vorsteherschaft (Repräsentanz) der Gemeinde haben den zionistischen Parteien zum ersten Male die Mehrheit gebracht, während die Union österreichischer Juden, die seit Bestehen der Gemeinde die Mehrheit und die Führung inne hatte, nunmehr in die Minderheit gedrängt worden ist. Von den zu vergebenden 36 Mandaten im Vorstand hat die Union, die in dieser Körperschaft zuletzt 18 Mandate innehatte und mit den ihr angeschlossenen nichtzionistischen Gruppen über eine sichere Mehrheit verfügte, diesmal zusammen mit den werktätigen Juden (Sozialdemokraten), mit denen sie eine gemeinsame Liste bildete nur 15 Mandate behalten können während auf der zionistischen Liste (Allgemeine Zionisten und Revisionisten) 14, auf der Liste der Poale Zion 3 Kandidaten, auf der des Misrachi 1, auf der Radikalen Zionisten 1 und auf der der unpolitischen Zionisten 1 Kandidat gewählt wurden. Die zionistischen Parteien verfügen demnach über insgesamt 20 Mandate im Vorstand.