Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 50 (9.12.1932)
- Date
- 1932-12-09
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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400 Das Jüdische Echo Nr. 50 Provisorische Vereinigung von drei Zionistischen Landesorganisationen in Polen. Warschau, 30. November (JTA.) Auf einer soeben in Warschau abgehaltenen Konferenz von Vertretern der Zionistischen Landesorganisationen Kongreßpolens, Ostgaliziens und Westgaliziens wurde eine provisorische Vereinigung dieser drei territorialen Organisationen zu einer geschlossenen Zionistischen Organisation vollzogen. Einweihung des Makkabi-Jugend- und Sportheims am Keilberg Prag, 29. November (JTA.) Bei Anwesenheit von Hunderten von Teilnehmern aus Deutschland und der Tschechoslowakei fand am Sonntag, den 27. November, die Einweihung des ersten Jugend- und Sportheims auf der Hofbergwiese am Keilberg im böhmischen Erzgebirge statt. Die Anwesenden wurden vom Bürgermeister von Stolzenhain begrüßt, ferner sprachen der Abgeordnete Goldstein aus Prag und viele Vertreter jüdischer Institutionen und Vereine aus beiden Ländern. Die Festrede hielt der Präsident des Makkabi-Weltverbandes Rechtsanwalt Dr. Hermann Leiewer aus Berlin. Alle Redner beglückwünschten den Schöpfer des Heims Dr. Paul Holzer aus Chemnitz, dessen unermüdlicher Energie dieses erste eigene Makkabi- Haus zu danken ist. Daran schloß sich eine Besichtigung des Gebäudes und seiner Inneneinrichtung. In einer Höhe von 1180 m können über 50 jüdische junge Menschen jederzeit untergebracht werden. 818 Juden kamen im Oktober 1932 nach Palästina Jerusalem, 30. November. (JTA.) Im Verlauf des Oktober 1932 kamen nach Palästina 818 Juden, 140 Christen und 35 Moslems. Warschau, 30. November. (JTA.) Am 28. November traten 280 Juden, Chaluzium und Mittelstandsangehörige, von Warschau aus die Reise nach Palästina an. Unter den Palästina-Wanderern befanden sich zehn junge Agudisten, die im Besitze von Einwanderungszertifikaten sind, die von der Palästina-Regierung speziell der Agudas Jisroel zur Verfügung gestellt worden sind. Eine Synagoge aus dem 5. Jahrhundert am Jordan ausgegraben Jerusalem, 1. Dezember. (JTA.) In der Nähe von Hamath am Jordan hat eine Expedition der Hebräischen Universität Jerusalems eine alte Synagoge aus dem 5. Jahrhundert ausgegraben. Die Mauern tragen Inschriften in Hebräisch und Aramäisch, sowie die Namen verschiedener Spender für das Synagogenwerk. Auch Reste einer Thora- Lade wurden gefunden. Die jüdischen Industrien in Palästina Jerusalem, 29. November. (JTA.) Der Jahrestagung der Vereinigung jüdischer Fabrikanten Palästinas lag ein Bericht vor, dem zu entnehmen ist, daß sich die Produktion der in jüdischen Händen befindlichen Industrien in Palästina jährlich auf zwei Millionen Pfund beläuft. Etwa 8000 jüdische Arbeiter sind in diesen Industrien beschäftigt, der jährliche Gesamtlohn beläuft sich auf 480 000 Pfund. Die Übergabe des hebräischen Schulnetzes in Palästina an den Waad Leumi vollzogen Jerusalem, 4. Dezember. (JTA.) Die Übergabe des bisher von der Jewish Agency verwalteten und kontrollierten Netzes der hebräischen Schulen in Palästina an den Waad Leumi, das Exekutivorgan der Knesseth Jisroel, wurde am Freitag, dem 2. Dezember, formell vollzogen. Personalia Am 28. Nov. verstarb nach kurzem Leiden mitten aus arbeitsreichem Leben heraus Herr Ludwig Davidson im Alter von 67 Jahren, eines der ältesten und treuesten Mitglieder der zionistischen Ortsgruppe München. Dem ernsten, verschlossenen, dabei außerordentlich klugen Mann, der kaum bei einer Veranstaltung fehlte, lag es nicht, sich in den Vordergrund zu schieben; er fügte sich ohne Aufheben, aber gerade darum beispielhaft und vorbildlich in die Bewegung ein. Mit seinen Kindern und Enkeln steht auch die Zionistische Ortsgruppe in tiefer Trauer und ehrendem Gedenken an seiner Bahre. Gemeinden- und Vereins-Echo Aus der Kultusgemeinde München, den 2. Dezember. In der letzten Sitzung der gemeindlichen Körperschaften, die am Donnerstag, dem 1. Dezember, stattfand, wurde zunächst nach Bericht von Ing. Sternberger ein von Architekt Landauer erstellter Generalplan für die Erschließung des nördlichen Friedhofgeländes genehmigt, wobei jedoch der Vorbehalt ausgesprochen wurde, daß über die Ingebrauchnahme der einzelnen Sektionen jeweils gesondert zu beschließen ist. Der Bericht von Herrn Justizrat Dr. Straus über die Finanzen ließ erkennen, daß erfreulicherweise bereits Ende November die Steuereingänge den Voranschlag um etwa 10 Prozent übersteigen. Danach kann erwartet werden, daß das aus dem Vorjahr vorgetragene Defizit im laufenden Jahr zum großen Teil eingebracht werden kann. Im Anschluß an diesen Bericht wurden verschiedene Nachbewilligungen vorgenommen. So wurden für das Wohlfahrtsamt die beantragten RM. 7000.— für das zweite Halbjahr bewilligt. Der Verein Talmud Thora erhielt den Betrag von RM. 1500.—, der ihm auch im ersten halben Jahr zugeflossen war; ein weitergehender Antrag wurde gegen die zionistischen und orthodoxen Stimmen abgelehnt. Für die Bezahlung der Mitglieder des Synagogenchors, die zur Durchführung eines würdigen Gottesdienstes sich als unerläßlich erwiesen habe, wurden RM. 1300.— bewilligt; für die Ablösung der Hälfte der Geldentwertungsabgabe RM. 6500.—. Die Zuschußleistung an den Verein Ohel Jakob wurde um RM. 700.— erhöht. Auf Grund einer Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes ist, wie Herr Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer berichtete, eine Verlegung des gemeindlichen Rechnungs- und Verwaltungsjahres, das bisher sich mit dem Kalenderjahr deckte, auf die Zeit vom 1. April bis zum 31. März des folgenden Jahres notwendig geworden. Es wurde also in dieser Richtung eine Änderung des § 53 der vorläufigen Gemeindeverfassung vorgenommen und weiter beschlossen, das laufende Rechnungsjahr bis zum 31. März 1933 zu verlängern. Für dieses fünfte Quartal wurde einstimmig ein Etat von einem Viertel des geltenden Haushalts samt Nachbewilligungen für Einnahmen und laufende Ausgaben genehmigt. Auf Bericht von Herrn J.-R. Dr. Feuchtwanger wurden gewisse Ermäßigungen der Ritualbad- und Sch ächtgebühren vorgenommen. —