Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 49 (2.12.1932)
- Date
- 1932-12-02
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 391 sammeln. Groß und verzweigt war das Programm, das wir uns stellten. Was hätten wir im Lande schaffen können, wenn unsere Hoffnungen sich erfüllt hätten, wenn unser Volk auf unseren Ruf in anderer Weise geantwortet hätte, wenn es auf uns und unsere Warnungen gehört hätte — damals, als unsere Lage im Lande und das Aussehen des Judentums im Gialuth noch so ganz anders war! Von dieser Stelle aus, von den Höhen Zions und Jerusalems, senden wir unseren Dank und Gruß allen unseren Abgesandten in der Welt draußen, in allen Ländern und auf allen Meeren, bis zu den Enden der Welt, allen unseren Ausschüssen, Mitarbeitern und Helfern, vom obersten Leiter bis zum unbekannten Soldaten in der Arbeit für den Keren Hajessod. Sie alle haben Anteil an unseren Wünschen. Ihre Hände haben das Werk gehegt, und in ihre Hände leigen wir diesen Grundstein. Aus der jüdischen Welt Ein Gedenkbuch für jüdische Gefallene In einer feierlichen und außerordentlich eindrucksvoll verlaufenen Kundgebung im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates in Berlin überreichte die Bundesleitung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten den Vertretern der Behörden, der Verbände und der Presse das Gedenkbuch für die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztruppen. Reichs- und Staatsregierung waren vertreten; u. v. a. auch die Bundesleitung des Stahlhelms. Universität Breslau abermals geschlossen. Breslau, 25. November (JTA.) Rektor und Senat der Breslauer Universität haben verfügt, daß die Universität vorläufig abermals geschlossen werde, nachdem die Kundgebungen gegen Prof. Cohn nicht aufhören, Es wird darüber beraten, ob eine Schließung für das Wintersemester nunmehr erfolgen soll. Nazistudenten und SA-Leute belagerten die Universität, bildeten Sprechchöre, sangen Hetzlieder und hinderten stundenlang Prof. Cohn am Verlassen der Universität. Erst als berittene Polizei die Straßen räumte, konnte sich Cohn in seine Wohnung begeben. Bei Räumung des Konviktgebäudes griffen Studenten die Polizei an. Der „judenreine“ Reichstag Im Reichstag, der .sich am 6. Dezember konstituieren wird, wird kein Abgeordneter jüdischen Glaubens zu finden sein. Die Parteien, die immer jüdische Kandidaten an aussichtsreicher Stelle nominierten und damit die Judenfeindschaft ablehnten, haben unter dem Druck der antisemitischen Hetzereien nicht mehr den Mut, jüdische Kandidaten an aussichtsreicher Stelle aufzustellen. Neue antisemitische Ausschreitungen in Lemberg Warschau, 29. Nov. In üemberg kam es am Montag zu schweren antisemitischen Ausschreitungen, weil Studenten für die Tötung eines Studenten durch einen Juden Vergeltung nehmen wollten. An verschiedenen Punkten der Stadt wurden die Juden von Banden überfallen und schwer verprügelt. In zahlreichen jüdischen Geschäften wurden die Scheiben eingeschlagen. Die Polizei bemühte sich — größtenteils vergeblich — die Ruhe aufrechtzuerhalten. Die Rettungsgesellschaft mußte in 80 Fällen eingreifen. Fast durchwegs handelt es sich um jüdische Verletzte. Für den Ernst der Ausschreitungen spricht die von den Behörden verhängte weitgehende Nachrichtensperre. Europa-Tour Dr. Werner Senators Jerusalem, 24. November (JTA). Dr. Werner Senator, Mitglied der Executive der Jewish Agency, dem das Einwanderungs-Departement der Exekutive unterstellt ist, verläßt Ende November Palästina, um sich auf eine Tour zu begeben, die ihn durch Polen, Rumänien, Griechenland und andere europäische Länder führen wird. Dr. Senator wird die Frage der jüdischen Wanderung aus diesen Ländern nach Palästina studieren. Nahum Sokolow und Leo Motzkin in Palästina Jerusalem, 25. November. (JTA.) Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, und der Präsident des Zionistenkongresses und des Zionistischen Aktions-Komittees, Leo Motzkin, sind am 24. November in Jerusalem eingetroffen. Gemeinden- und Vereins-Echo Die Zionistische Ortsgruppe München veranstaltete am Montag, 28. November, im Lessingsaal einen Ausspracheabend über Fragen der jüdischen Gemeindepolitik, der leider trotz des bedeutsamen Themas nicht die gebührende Beachtung fand. Einleitend referierte Herr R.-A. Dr. Julius Siegel über die Grundsätze des zionistischen Gemeindeprogramms, die sich daraus ergeben, daß ab Aufgabe der Gemeinde die Einbeziehung und Ordnung der Totalität jüdischer Beziehungen anzusehen ist. Über die geplante Verfassungsreform der Münchener jüdischen Gemeinde berichtete Herr Lustig, der zunächst darauf hinwies, daß hier noch immer das Provisorium aus dem Jahre 1921 in Kraft sei, das dringend der Verbesserung bedürfe — er werde namens der Zionistischen Fraktion verlangen, daß die Beratung des seit langer Zeit vorliegenden Entwurfs energisch in Angriff genommen werde. Er ging dann näher auf die Bestimmungen dieses Entwurfs ein, zu dem er seinerzeit eine Reihe von Abänderungsanträgen vorzubringen gedenke. Vor allem müsse das Zweikammersystem durch das anderwärts bereits erprobte, zweckmäßigere und Leerlauf vermeidende Einkammersystem ersetzt werden; die Wahlrechtsbestimmungen müssen vereinfacht und jeder differenzierenden Tendenz gegen die Ostjuden entkleidet werden. (Es wird über alle diese Fragen noch ausführlich zu berichten sein.) Auch zu einer Reihe von anderen Punkten nahm Herr Lustig Stellung und begründete eingehend Änderungsvorschläge zum Entwurf. Herr Lichtenauer erörterte Fragen des gemeindlichen Etats für 1932 und 1933 und berührte dabei die finanziellen Nöte, die anläßlich der Beratung der Winternothilfe hier bereits eingehend dargestellt worden sind. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Dr. Emrich, Obermeier und Reich, die u. a. in der Forderung übereinstimmten, daß eine stärkere Anteilnahme der Gemeindemitglieder am Leben und den Fragen der Gemeinde herbeigeführt werden müsse. Hebräische Sprachkurse München In der B' i b d, 1 arb&itsgem ejf lp sk; h a f t wird das Buch Schmuei mit alten und neuen hebräischen Kommentaren sowie Midraschim gelesen. Die Teilnehmer halten Referate über verschiedene Probleme dieses Buches (gegenwärtig über die Entstehung und Entwicklung des Prophetentums in Israel). Neue Teilnehmer werden noch aufgenommen.