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Das jüdische Echo · 1932-12-02 · 49 (2.12.1932) · p. Seite 390

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
49 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
Seite 390 (sequence 2)
Language
German
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390 Das Jüdische Echo Nr. 49 schäftes überall da ein Befähigungsnachweis zu verlangen sei, wo die zuständige Berufsorganisation dies verlangt. Daneben ist die Erteilung der Erlaubnis zu der Eröffnung eines Geschäftes aber nach dem Wunsche des Mittelstandskartells auch abhängig zu machen von einem Bedürfnisnachweis. Diese beiden Punkte, die neben anderen — Festsetzung von Mindestpreisen und nicht nur von Höchstpreisen usw. — zeigen, was man unter „Ordnung in der Gewerbefreiheit“ versteht, sind für die wirtschaftliche Fortexistenz der deutschen Juden von einer geradezu entscheidenden Bedeutung. Denn es ist keine Frage, daß ihre Verwirklichung durch berufsständische Organisationen mit einem Rahmen, der durch die Ausübung der von der Regierung gewünschten politischen Funktion ziemlich starr sein muß, die Handhabe zur Durchführung eines organisierten Judenboykotts böte, gegen den der heutige Boykott ein Kinderspiel wäre. Man muß sich diese Dinge einmal praktisch durchdenken und sich die Frage vorlegen, was es für den jüdischen Kaufmann in einer Klein- oder Mittelstadt für Folgen haben würde, wenn seine Befähigung zur Betreibung eines Geschäftes nicht nur von Instanzen abhängig ist, die rein wirtschaftlich gegen ihn als Konkurrenten eingestellt sind, sondern die auch politisch von vornherein gegen ihn voreingenommen sein können, in den meisten Fällen sein werden. Die Antwort auf diese Frage kann nur die sein, daß hier tatsächlich — sei es nun beabsichtigt oder nicht, eine gewisse Nebenabsicht wird nicht zu leugnen sein — dem selbständigen jüdischen Mittelstände in Deutschland mit einem Federstrich die Existenzgrundlage entzogen werden kann. Selbstverständlich gibt es in dieser Hinsicht auch Bedenken genug für weite Kreise des nichtjüdischen Mittelstandes. Aber das ist für uns ein überaus schwacher Trost, und zwar infolge der nicht oft genug herauszustellenden unglückseligen Konzentration des deutschen Judentums in den Wirtschaftszweigen, für die Maßnahmen der oben angedeuteten Art Geltung haben sollen. Der deutsche Mittelstand in seiner Gesamtheit, der vor allem doch durch ein zahlenmäßig sehr starkes und gegen wirtschaftliche Wandlungen relativ wenig empfindliches Beamtentum getragen wird,! der aber in jedem Falle nicht mit dem Grade von Voreingenommenheit zu rechnen hat wie der jüdische Kaufmann und Gewerbetreibende, wird hierdurch viel weniger betroffen werden. Würde er es, so könnten die Forderungen, wie sie jetzt das Mittelstandskartell erhebt, und wie sie sich mit den politischen Ideen der Reichsregierung weitgehend berühren, ja nicht gerade aus seinem Kreise kommen. Ohne diese weitgehende Übereinstimmung der politischen Ideen der Regierung und der wirtschaftlichen des Mittelstandskartells könnte man vielleicht über die erwähnten Forderungen in der Hoffnung zur Tagesordnung übergehen, daß sie doch nur auf dem Papier stehen bleiben würden. Aber das ist nicht angängig. Es gibt heute vielmehr für den jüdischen Mittelstand und damit für den überwiegenden Teil des deutschen Judentums keine aktuellere und brennendere Frage wirtschaftlicher Natur als sie. Dies um so mehr, als sich das berufsständische Schema, dessen Anwendung von Regierung und Mittelstandskartell gewünscht wird, konsequenterweise auch auf die akademischen Berufe erstrecken dürfte, die ihrerseits für die Juden in Deutschland von Bedeutung sind. A.M. Aus dem Novemberheft der „Jüdischen Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik“. Das neue Erez-Israel Von Leib Jaffe (Jerusalem) Dieser Tage fand in Jerusalem-Rechawja die feierliche Grundsteinlegung des neuen Gebäudes der Keren Hajessod-Zentrale statt. Die Feier, bei der eine große Anzahl von Ansprachen gehalten wurde, bildete den Auftakt zur Propagandatätigkeit des Keren Hajessod im kommenden fahre. Den Vorsitz der Veranstaltung führte der Direktor des Keren Hajessod, Leib Iaffe. Wir bringen nachstehend einige Teile aus der wirkungsvollen Ansprache Jaffes zum Abdruck. * * * Mit Hochgefühl und einem Gefühl des Schmerzes und der Sorge blicken wir auf die Epoche dieser Jahre zurück. Wir dürfen stolz sein auf die Leistungen des Keren Hajessod in Erez Israel und im Galuth. Ohne Mittel des Zwanges haben wir die Volkssteuer geschaffen. Den Gedanken des Keren Hajessod haben wir in allen Teilen des Volkes verankert. Der Keren Hajessod ist zu einem unlöslichen Bestandteil des Lebens unseres Volkes in der ganzen Welt geworden. Der Keren Hajessod war das Instrument zur Sammlung des Geldes, aber nicht nur das war seine Aufgabe und nicht allein darin lag seine Kraft. In alle entfernten Winkel der Welt hat der Keren Hajessod die Botschaft vom neuen Leben in unserem Lande getragen, die Botschaft der Befreiung. In das düstere Leben unserer Volksmassen hat er die Kunde vom Fest des Schaffens in unserem Lande gebracht, hat ein lebendiges Band zwischen Volk und Land geknüpft. Gehet hinaus in das Land und sehet die Dutzende der neuen jüdischen Dörfer, den mit seinem Boden verbundenen, der Natur nahen jüdischen Bauer, sehet eine an Leib und Seele gesunde schaffende Generation! Und wenn ihr fragt: wer hat dies alles hervorgebracht? So wird man euch antworten: das hat das jüdische Dorf getan, das auf dem Boden des Keren Kajemeth mit den Mitteln des Keren Hajessod geschaffen wurde. Das Dorf, das aus nationalen Mitteln geschaffen wurde, hat den Weg gebahnt und ist auch für die Ansiedlung, die jetzt in stärkerem Maße aus privaten Mitteln begonnen hat, zum Muster und Beispiel geworden. Sehet die Scharen der Arbeiter in den Siedlungen; der Keren Hajessod hat zu ihrer Verwurzelung geholfen. Kommt mit zur jüdischen Stadt, seht dort jüdische Häuser, jüdisches Gewerbe, Scharen von Arbeitern — der Keren Hajessod hat ihnen zur Ausbildung und Einwanderung verholfen. Macht euch klar, daß es der Keren Hajessod war, der die Kindergärten gepflegt hat und die hebräischen Schulen. Seht euch das System der Ambulatorien und Krankenhäuser an, alle die verschiedenen Einrichtungen der Gesundheitspflege, und sagt euch, daß auch hieran der Keren Hajessod einen großen Anteil hat. Sehet den elektrischen Funken, der den Häusern Licht bringt, der Räder und Maschinen treibt, und wisset, daß der Keren Hajessod der erste war, der diesen Funken entzündet hat. An allen Ecken und Enden unseres Landes und auf allen Arbeitsgebieten ist der Keren Hajessod die treibende und befruchtende Kraft. Aber zugleich mit dem Gefühl des Stolzes und der Freude regt sich in unseren Herzen das Gefühl des Schmerzes und der Sorge. Mit ganz anderen Hoffnungen sind wir vor zwölf Jahren an die Arbeit des Keren Hajessod geschritten. Damals hofften wir, im Laufe von fünf Jahren 25 Millionen zu

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