Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 47 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- Seite 375 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 47 Das Jüdische Echo 375 als G. m. b. H. ins Berliner Handelsregister eingetragen wurde. Der Jüdische Verlag feiert somit jetzt sein 30jähriges Jubiläum. 1907 wurde der Verlag von der Zionistischen Organisation übernommen und domizilierte seither in Köln. Als 1911 die Leitung der Zionistischen Organisation neu gewählt wurde, wurde er wieder zurück nach Berlin verlegt. Der Jüdische Verlag stand von da ab bis 1920 unter Leitung von Dr. A. Eliasberg. In den Jahren 1920 bis 1926 bestand die Leitung aus Dr. Martin Buber, Dr. Victor Jacobson und Dr. Sigmund Kaznelson, der seit 1926 den Verlag allein leitet, nachdem in diesem Jahre die Besitzverhältnisse zwecks Wahrung der parteipolitischen Neutralität neu geregelt worden sind. In den Jahren 1926 bis 1931 hat der Verlag eine besonders starke Produktion entfaltet. Diese Jahre sind gekennzeichnet durch die Herausgabe großer Standardwerke, die der Verlag ausschließlich aus eigener Kraft finanziert hat und von denen insbesondere hervorzuheben sind: die zehnbändige „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ von Prof. Simon Dubnow, samt dem Illustrationsband „Die Welt der Bibel“, herausgegeben von Dr. Max Soloweitschik, und dem zweibändigen Supplementwerk „Geschichte des Chassidismus“ von Dubnow; dann das fünfbändige „Jüdische Lexikon“, dessen Supplementband für das Jahr 1933 vorbereitet wird, die zwölfbändige vollständige deutsche Talmud-Ausgabe von Lazarus Goldschmidt, von der sechs Bände bereits vorliegen, während der 7. Band im Dezember 1932 erscheint, Dr. Arthur Ruppins „Soziologie der Juden“, die 1930 erschienene vierte Auflage von Achad Haams „Al paraschath derachim“ in vier Bänden usw. Für das Jahr 1933 bereitet der Verlag neben verschiedenen Neuauflagen eine Reihe neuer Publikationen vor. Durch eine die meisten Länder umfassende Vertriebsorganisation ist es dem Jüdischen Verlag gelungen, insbesondere bei seinen großen Standardwerken bisher bei jüdischen Büchern noch nie erreichte Absatzzahlen zu erreichen, die seine finanzielle Unabhängigkeit und die Herausgabe dieser kostspieligen Werke auf einer streng geschäftlichen Basis .sicherstellen. Auch wir wünschen dem Verlag weitere erfolgreiche Arbeit. Aus der jüdischen Well Eine neue Welle von Friedhofs- und Synagogen- Schändungen. Berlin, 8. November. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in der Bismarckstraße in Altona wurden in einer der vergangenen Nächte eine Anzahl Gräber beschädigt. Auf fünf Grabsteinen fand man, offenbar von fachmännischer Hand, große Hakenkreuze eingemeißelt. Berlin, 10. November. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in Aschbacli (Bayern) wurden zwei Grabsteine zertrümmert. Auf die Ergreifung der Täter wurde eine Belohnung ausgesetzt. Auf dem aus dem 11. Jahrhundert herrührenden ersten Kölner jüdischen Friedhof haben junge Burschen von einem Tempelchen, in welchem alljährlich am 1. Selichotli-Tage eine Andacht für die jüdischen.Märtyrer abgehalten wird, gewaltsam die Zinkbedachung heruntergerissen. Einer der Burschen wurde abgefaßt und der verdienten Strafe zugeführt. In Fischach (Schwaben) fand man in der vergangenen Woche auf dem jüdischen Friedhof 18 Grabsteine umgeworfen und zertrümmert vor. Drei halbwüchsige Burschen wurden als die Täter gestellt. Die Eltern haben für den Schaden aufzukommen. Tn Lenzen a. d. Elbe (Reg.-Bezirk Potsdam) erbrachen unbekannte Täter die Eingangstür des Friedhofs der Jüdischen Gemeinde und hausten dort wie die Vandalen. Neben anderen Zerstörungen warfen sie vier Grabsteine um. ln Lenzen wohnen nur noch zwei jüdische Familien. ln Tilsit wurde die Synagoge mit Hakenkreuzen und dem Schlachtruf „Juda verrecke!“ beschmiert. Das Logengebäude in Tilsit ist in der letzten Zeit mehrfach mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Repräsentantensitzung der jüdischen Gemeinde Berlin. Berlin, 11. November. (JTA.) Tn ihrer Sitzung am 10. November abends, beschäftigte sich die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin hauptsächlich mit wirtschaftlichen Angelegenheiten. Dr. Kurt Fleischer forderte weitgehendstes Interesse der gesamten jüdischen Öffentlichkeit für die landwirtschaftliche Berufsumschichtung. Der Vorstandsdezernent Rosenthal versicherte das jüdische Siedlungswerk der wärmsten Sympathien des Gemeindevorstandes. Die auf dem Siedlungsgut in Groß-Gaglow gemachten Erfahrungen berechtigten zu den besten Hoffnungen. Das von der Jüdischen Gemeinde Berlin gegebene Darlehen von 125.000 RM. habe eine gute Grundlage für die Ansprüche an die staatlichen Stellen abgegeben. Einstimmig wird auf Vorschlag des Gemeindevorstandes der Etat des Wohlfahrtsamtes für das laufende Jahr um 200.000 RM. erhöht. Hierbei stellt der Finanzdezernent Graetz auf Anfrage des Landgerichtsrats Rau fest, daß auf der Einnahmeseite im laufenden Jahr sich gegenüber dem Voranschlag ein Fehlbetrag von 1000 000 RM. ergeben werde. Einstimmige Annahme findet eine weitgehende Vorlage des Gemeindevorstandes über die Beschäftigung jüdischer Erwerbsloser für jüdische soziale Zwecke. Beschäftigt werden sollen etwa 80 Arbeiter und Arbeiterinnen, bewilligt werden hiefür zunächst 3000 RM. Für Subventionen an ostjüdische, insbesondere chassidische, Synagogenvereine werden 4000 RM. bewilligt. Am Schluß der Sitzung teilt der Vorsitzende R.-A. Stern mit, daß der Repräsentant Grünbauni (V.P.) nach Palästina übergesiedelt sei, und richtet im Anschluß hieran an die Repräsentantin Frau Lina Wagner-Tauber, die ebenfalls nach Palästina übersiedelt, herzliche Abschiedsworte. 113 Palästina-Zertifikate für deutsche Zionisten. Berlin, 13. November. (JTA.) Das Berliner Palästina-Amt hat soeben von dem Immigrations-Departement der Jewish Agency die Mitteilung erhalten, daß für die Zeit Oktober 1932 bis März 1933 113 Einreise-Zertifikate für Palästina zur Verfügung gestellt werden. Davon sind: 65 für Chaluzim, 25 für Chaluzoth und 23 für Handwerker und Besitzer industrieller Kleinbetriebe.