Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 46 (11.11.1932)
- Date
- 1932-11-11
- Page
- Seite 367 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103089-9181557--12564-9084634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
Nr. 46 Das Jüdische Echo 367 und durch positive Arbeit am Aufbau der eigenen Gemeinschaft und an der Stärkung des eigenen Selbstbewußtseins kann das deutsche Judentum aus seiner demütigenden Lage wieder herausgeführt werden. Das Wesentliche, das wir zu tun haben, bleibt von den Schwankungen der Politik unberührt. Aus der jüdischen Welt Friedhofschändung in Mühlheim a. d. Ruhr \ Berlin, 3. November. (JTA.) Auf dem jüdischen Friedhof in Mühlheim a. d. Ruhr wurden in der Nacht zum 29. Oktober sieben Grabsteine zertrümmert. Die Täter sind unbekannt. Lassalles Grab geschändet Breslau, 3. November. (JTA.) Hakenkreuzler haben in der Nacht zum Mittwoch das Grab Ferdinand Lassalles auf dem Breslauer jüdischen Friedhof in der Lohestraße besudelt. Die nach der Straße zu gelegene Rückseite des Grabmals, an der sich eine kleine Gedenktafel befindet, ist mit einem großen Hakenkreuz in roter Farbe beschmiert worden. Das Sprengstoffattentat gegen das Kaufhaus Abraham in Allenstein vor Gericht Königsberg, 2. November. (JTA.) Sechzehn Nationalsozialisten haben sich vor dem Sondergericht in Allenstein wegen des am 8. August auf das Kaufhaus Abraham in Allenstein verübten Handgranaten-Anschlags, der im Kaufhaus beträchtlichen Schaden angerichtet hatte, zu verantworten. Während einige Angeklagte bei Beginn der Verhandlung die Aussage verweigerten, bekundet ein Angeklagter, daß der Sturmführer Weiß gesagt hätte, man müsse Abraham umlegen. Daraufhin hatten sich Freiwillige angeboten, das Attentat auszuführen. Sie, die Angeklagten, hätten aber das Wort „umlegen“ nicht als eine Aufforderung zum Mord, sondern nur als die Verabreichung eines „kleinen Denkzettels“ aufgefaßt. Die Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes Genf, 6. November. (JTA.) Am 3. November vormittags wurde die XII. Session der Mandatskommission des Völkerbundes eröffnet. Die Behandlung des Palästina-Mandats ist für den 10. November vorgesehen, auch der Vormittag des 11. November ist für diesen Gegenstand1 reserviert für den Fall, daß die Diskussion sich ausdehnen sollte. Die britische Regierung wird bei den Verhandlungen durch den High Commissioner Sir Arthur Wauchope, durch H. F. Downie vom Colonial Office und S. Moody vom Palästina-Sekretariat vertreten sein. Auf der Tagesordnung der jetzigen Session figuriert auch eine größere Anzahl von Petitionen, die sich auf die Lage in Palästina beziehen. Es sind dies die folgenden: 1. Memorandum der Jewish Agency vom 12. September 1932, das, ähnlich den in den früheren Jahren der Kommission vorgelegten Memoranden, einen Überblick über die Entwicklung Palästinas im Jahre 1931 gibt. 2. Eine Petition des Waad Leumi, datiert Juni 1931, gegen den Simpson-Bericht. 3. Drei Petitionen der Zentrale der Agüdas Jisrael. Der BalfourTag in Palästina Jerusalem 3. November. (JTA.) Die palästinensische Presse ist sich darin einig, daß der von der Arabischen Exekutive für den 2. November, den Jahrestag der Balfour-Deklaration, proklamierte Streik ein Fehlschlag wie noch nie bisher war. In Jerusalem war keine Spur von einem Streik zu merken, auch in Jaffa und in Haifa waren die arabischen Läden den ganzen Tag geöffnet. Nur in Nablus und in Jenin waren die Läden geschlossen. Dort und in einigen anderen Städten wurden Versammlungen abgehalten und Resolutionen angenommen, in denen die Schaffung einer palästinensischen Verfassung, vollständige Einstellung der jüdischen Einwanderung und ein Verbot des Bodenverkaufs an Juden gefordert werden. Die Resolutionen sollen dem High Commissioner übermittelt werden. Die jüdische Bevölkerung in Jerusalem und in Tel-Awiw feierte den Balfour-Tag du:ch Beflaggen der Häuser mit englischen und zionistischen Fahnen. In Tel-Awiw wurde zur Erinnerung an die Verkündung der Balfour-Deklaration eine Massenkundgebung abgehalten, in der Bürgermeister Mayer Dizengoff und das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Emanuel Neuman Ansprachen hielten. Verleumderische Behauptung des palästinensischen Kronanwalts Elliot gegen Juden Jerusalem, 31. Oktober. (JTA.) Der palästinensische Kronanwalt E. F. Elliot, der die Klage gegen einen georgischen Juden namens Thurshvill wegen Brandstiftung vor Gericht vertrat, führte zur Erhärtung der Klage aus, in London sei es bekannt, daß Juden ihre Läden und Warenbestände versichern und sie dann in Brand stecken, um die Versicherungssumme einzustecken. Bei diesen Ausführungen Elliots unterbrach Richter Frumkin die Verhandlung und fällte kein Urteil. Jerusalem, 3. November. (JTA.) Die Vereinigung jüdischer Anwälte Palästinas befaßte sich in einer Sondertagung mit den anti-jüdischen Äußerungen des palästinensischen Kronanwaltes L. F. Elliot vor Gericht. Die Vereinigung nahm einstimmig eine Resolution des Inhalts an, daß diese Äußerung des Kronanwalts eine Beschimpfung der Juden darstellt und daß L. F. Elliot nicht die Eignung besitze, die Position eines Kronanwalts in Palästina einzunehmen. Diese Resolution wurde der Palästina-Regierung mit der Forderung zugestellt, Elliot von seinem Posten zu entfernen. Der Verband der Allgemeinen Zionisten Palästinas hat ebenfalls eine Resolution angenommen, in der die Erwartung der palästinensischen Judenheit ausgesprochen wird, daß die Regierung Herrn Eliiot sofort aus Palästina zurückziehen wird. Die gesamte hebräische Presse Palästinas ist einmütig in der Forderung nach Entfernung Elliots. * * * Nunmehr hat sich Elliot wegen dieser Äußerung, die er als eine momentane Entgleisung bezeichnet, entschuldigt. Diese Entschuldigung vollzog sich in einer feierlichen Zeremonie. Der palästinensische Oberrichter Sir William McDonnel lud die jüdischen Anwälte Jerusalems für den 4. November morgens in das Oberste Gericht. Kronanwalt L. F. Elliot gab vor den versammelten jüdischen Anwälten die folgende Erklärung ab: ich bedauere es sehr, daß gewisse von mir gemachte Äußerungen von der jüdischen Gemein-