Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 45 (4.11.1932)
- Date
- 1932-11-04
- Page
- Seite 360 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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360 Das Jüdische Echo Nr. 45 Kriegsernährungsamt. Weit bekannt sind seine Schriften: „Die deutsche Währungsfrage“, „Der moderne Handel“, „Das amerikanische Wirtschaftswunder“. Zu den jüdischen Fragen hat Prof. Julius Hirsch mehrfach in Aufsätzen und in Vorträgen Stellung genommen. Seit 1930 ist er Mitglied des Verbandstages des Preußischen Landesverbandes, in dessen sozialen Ausschüssen er eine rege Tätigkeit entfaltet. Empfangsabend zu Ehren von Lady Erleigh in Berlin Berlin, 28. Oktober. (JTA.) Die deutschen Mitglieder der Jewish Agency und das Präsidium des Deutschen Keren Hajessod veranstalten am Donnerstag, den 10. November, abends %9 Uhr ,im Marmorsaal des Zoologischen Gartens, Budapester Straße, einen Empfangsabend zu Ehren von Lady Erleigh. Den Vorsitz wird Herr Direktor Oscar Wassermann führen. Professor Einstein hat seine Teilnahme zugesagt. Ansprachen werden halten Rabbiner Dr. Leo Baeck, Frau Jenny Blumenfeld, Dr. Arthur Hantke, Dr. Bernhard Kahn, Hermann Leiewer, Rabbiner Dr. Joachim Prinz und Lady Erleigh. Ministerialdirektor Dr. Badt verbleibt im Amte Berlin, 26. Oktober. (JTA.) Eine Folge des am Dienstag, dem 24. Oktober, vom Reichsgerichtspräsidenten Bumke in Leipzig verkündeten Urteils in der Klage der durch Notverordnung außer Funktion gesetzten Preußischen Regierung Braun-Severing gegen die Reichsregierung ist die, daß der vom stellvertretenden Reichskommiissar, Herrn Brecht, abgesetzte Herr Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt in seinem Amte verbleibt. Dr. Badt ist bekanntlich einer der drei Vertreter Preußens im Reichsrat. Wie aus dem Urteil hervorgeht, war die Absetzung Dr. Badts rechtswidrig, weil sie nicht im Einklang mit der Verfassung stand. Der thüringische Ministerpräsident Sauckel hält die Annahme eines Schächtverbots für sicher Berlin, 1. November. (JTA.) Ein Mitarbeiter des „Angriff“ fragte den thüringischen Ministerpräsidenten, den nationalsozialistischen Gauleiter Sauckel, über die Politik der thüringischen Regierung aus. Auf die Frage, wie es sich mit dem geplanten Schächtgesetz verhalte, das die Regierung dem Landtag unterbreitet hat, erwiderte Ministerpräsident Sauckel: „Dieses Gesetz wird jegliche Schächtung — bis herunter zum Kleingeflügel — aufs Strengste verbieten. Die Nachricht von dem geplanten Gesetz hat weit über Thüringens Grenzen hinaus bei Tierschutzverbänden und anderen Organisationen lebhafte Genugtuung erweckt. Seine Annahme im thüringischen Landtag ist so gut wie sicher.“ Protest gegen den Antisemiten Havemann in Frankfurt am Main F r a n k f u r t a. M„ 26. Oktober. (JTA.) Im zweiten Montagskonzert des Frankfurter Orchester- Vereins kam es anläßlich des Auftretens des Geigers Gustav Havemann zu erheblichen Störungen. Schon vor dem Beginn des Konzerts wurden auf der Straße vor dem Großen Saalbau weiße und rote Handzettel verteilt, die auf die Mitwirkung Havemanns bei Konzerten der Nationalsozialisten und des antisemitischen „Kampfbundes für deutsche Kultur“ hinwiesen, den antisemitischen Charakter dieser Veranstaltung betonten und zum Protest gegen Havemann sowie überhaupt gegen die vom Südwestdeutschen Rundfunk mit verantworteten Montagskonzerte aufriefen. Es wurde darauf hingewiesen, daß Havemann, der es sich zugestandenermaßen zur Aufgabe gemacht hat, die Berliner Hochschule für Musik, in deren Meisterklasse er wirkt, judenrein zu machen, in Frankfurt das Violinkonzert des geborenen Juden Mendelsohn spielt. Als Havemann dann persönlich auf dem Podium erschien, wurde er in dem ziemlich schwach besetzten Saal von einem Teil des Publikums mit Pfeifen und Protestrufen empfangen, ein anderer Teil des Publikums spendete ihm Beifall. Schließlich konnte er das Konzertstück ungehindert zu Ende spielen. — Die Frankfurter Presse mißbilligt die Störung des Konzertes des Berliner Gastes und hebt dabei einmütg hervor, daß die Darbietungen Havemanns künstlerisch sehr mäßig waren. Universitätswache in Wien Wien, 31. Oktober. (JTA.) Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wurden in einer Konferenz des Unterrichtsministers mit dem Polizeipräsidenten die Zustände an den Wiener Hochschulen und die zu treffenden Maßnahmen zur Verhinderung von Exzessen in den Universitätsräumen behandelt. Als Ergebnis dieser Besprechung soll eine spezielle Polizeiwache von 40 Mann (zivil gekleidet, aber mit polizeilichen Dienstkennzeichen versehen) in der Universität Dienst leisten und dem Rektor zur Feststellung von Schuldigen und deren Verhaftung an Ort und Stelle unterstellt werden. Diese Spezialwache wird auch direkte Verbindung mit dem Polizeipräsidium unterhalten und jederzeit Verstärkungen in die Gefahrenzone herbeirufen können. Die vielen Protestnoten auswärtiger Mächte bei der österreichischen Regierung, so wird erklärt, machten es dem österreichischen Unterrichtsminister zur Pflicht, weitere Ausschreitungen an den Hochschulen unter allen Umständen zu verhindern. Sollte diese „zivile“ Wache nicht ausreichen zur Erhaltung von Ruhe und Ordnung, so wird die Regierung gezwungen sein, die sogenannte Autonomie an den Hochschulen aufzuheben und mindestens vorübergehend die Polizei mit der Überwachung von Ordnung und Ruhe in den Hochschulen zu betrauen. — Die antisemitische Presse erklärt, die Universitätswache werde eine „Judenschutztruppe“ auf Kosten des österreichischen Steuerzahlers sein. Ausschreitungen der Studenten auch in Warschau Warschau, 20. Oktober. (JTA.) Bei Eröffnung der Warschauer Universität kam es zu anti jüdischen Unruhen seitens der nationaldemokratischen Studentenschaft. Unter Hinweis auf diese Unruhen verfügte der Dekan der Rechtsfakultät, daß die christlichen Studenten die rechten, die jüdischen Studenten die linken Bänke in den Vorlesungssälen einnehmen sollen. Warschau, 28. Oktober (JTA.) Nationaldemokratische Studenten begingen wiederum schwere antisemitische Ausschreitungen an der Warschauer Universität. Nach einer in der Aula trotz Verbots seitens des Rektorats abgehaltenen Versammlung stürzten sich nationaldemokratische Trupps auf einzelne jüdische Studenten und mißhandelten sie schwer. Maßnahmen für den Balfour-Tag Jerusalem, 31. Oktober. (JTA.) Um Zwischenfällen am 2. November, dem 14. Jahrestag der Balfour-Deklaration, vorzubeugen, hat die Regierung die Polizei angewiesen, jede polizeilich nicht genehmigte Ansammlung zu zerstreuen und gegen