Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 45 (4.11.1932)
- Date
- 1932-11-04
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Das Jüdische Echo strien in Palästina verwerten. Von Anfang an waren gewöhnliche kommerzielle'Diskontkredite aus dem Operationsgebiet der Gesellscnart ausgeschlossen, Anleihen wurden nur gewählt, wo erhöhte Produktion und infolgedessen erhöhte Beschäftigung von Arbeitern erwartet werden konnten. Die Höhe der Darlehen bewegte sich zwischen 50 Pfund und 500 Pfund. Mohl berichtete au eh über Darlehen an landwirtschaftliche Arbeiter, Errichtung von Arbeiter-Vorstädten an der Haifa-Bucht u. a. m. Harry Viteles, früher Philadelphia, jetzt Generaldirektor der Central Bank of Co-operative Institutions in Palästina, berichtete über die Tätigkeit der von ihm verwalteten Institutionen. Die noch 1932 geäußerte Befürchtung, daß sich bei dem Absatz der Produkte der jüdischen Kolonisten Schwierigkeiten ergeben könnten, hat sich als grundlos erwiesen. Die Milchproduktion hat sich um 4 500 000 Quart (1 Quart 1,136 Liter) erhöht, die Einfuhr von Eiern nach Palästina hat sich von 20 Millionen auf weniger als 7 Millionen verringert. Man hofft, daß Palästina in diesem Herbst Eier nach Europa wird transportieren können. Der Grapefruit-Export hat sich von 5000 Kisten vor 6 Jahren auf 150 000 Kisten in der vergangenen Saison erhöht. Man hofft, daß die Jewish-Agency-Siedlungen im Nuris-Distrikt im Jordan-Tal in der Lage sein werden, ihre Grapefruit auf europäische Märkte einen Monat früher, als die Grapefruit aus anderen Ländern eintrifft, zu bringen. Mehr als 50 Prozent der von der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas konsumierten Gemüsemenge werden von den jüdischen Kolonisten im Lande produziert. Exportversuche in Kartoffeln und Tomaten nach England und Frankreich erwiesen sich als erfolgreich. Frisches Gemüse ist jetzt das ganze Jahr hindurch erhältlich. Erdbeeren gibt es während 5 Monaten im Jahre. Qualität und Größe der ins Ausland verschifften Bananen stehen hinter denen der Kanarischen Inseln und Westindiens nicht zurück. Die Central Bank gewährte Anleihen in Höhe von 900 000 Dollar im vergangenen Jahre an verschiedene kooperative Unternehmungen. Von den im letzten Jahrzehnt gewährten Darlehen in der Gesamthöhe von 6 Millionen Dollar gingen vier Millionen an die Landwirtschaft, 90 Prozent der im abgelaufenen Geschäftsjahr ausgegebenen Kredite wurden bar zurückgezahlt. Sämtliche Berichte lassen auch zahlenmäßig den Aufschwung der palästinensischen Wirtschaft erkennen und ermutigen zu weiterer intensiverer Arbeit. . Germanischer Dreh Als bekannt wurde, daß Duesterberg jüdisches Blut in seinen Adern habe, war die Verwirrung im nationalistischen Lager zuerst riesengroß. Doch da der Stahlhelm weiter zu seinem Führer hielt, vergatterte die Sensation sehr bald wieder — und wir würden sie hier nicht aufleben lassen, wenn nicht unser Freund Wilhelm Stapel, nachdem er sicherlich in schlaflosen Nächten lange über diesen peinlichen Zwischenfall nachgedacht hat, im zweiten Oktoberheft seines „Deutschen Volkstums“ zu einem Ergebnis gekommen wäre, das nicht verschwiegen werden darf. Da hat er sich nun jahrelang die Finger wund geschrieben und tausendmal betont, jede politische Betätigung von Juden gereiche Deutschland zum Schaden, und nun bewährt sich so ein Semitenstämmling „als ein vortrefflicher Offizier im 359 Kriege“, „arbeitet am Aufbau einer deutschen Wehrorganisation nach dem Kriege“ und wird gar „zum Führer dieser Organisation“. Was nun? Wenn der Verstand stillzustehen droht, weil ein Faktum seine Ausgeburten widerlegt hat, rettet man sich in die Arme des lieben Gottes,, Und weil Duesterberg sich nun einmal nicht wegzuleugnende Verdienste um den Nationalismus erworben hat, so ist er zwar „nicht völlig Blutsdeutscher“, „aber er ist völlig Schicksalsdeutscher“. „Gott entscheidet durch das Blut, er entscheidet auch durch das Schicksal“. Und das Schicksal wollte es eben so, daß Duesterberg „seinen Weg ohne Wissen gegangen“ ist. Diese angebliche Unkenntnis genügt Stapeln, den Mann durch jenes Loch rutschen zu lassen, das sich selbst bei den wütendsten Antisemiten findet, wenn ihnen einmal ein Jude begegnet, dessen ganzes Verhalten ihre Theorien über den Haufen zu werfen droht. Man riecht förmhch den Schweiß, den er Stapeln gekostet hat, bis er auf diese geradezu geniale Idee kam. Und da haben wir bisher immer geglaubt, der Dreh sei etwas spezifisch Jüdisches. Man soll wirklich nicht die Gehirnwindungen der Gegner unterschätzen, eines Tages überraschen sie doch mal mit einer Argumentation, die sie selber talmudistisch zu nennen belieben. Guter Rat an Assimilanten und solche, die es werden wollen. Verschweigt eure jüdische Abstammung, geht in eine nationalistische Organisation, arbeitet euch dort empor und vertraut im übrigen auf Gott. Der wird euch, wenn die Welt wirklich einmal euer jüdisches Blut entdecken sollte, bestimmt einen Wilhelm Stapel über den Weg schikken, der wie Herrn Schnucke Ceterums Gattin in Meyrinks „Löwen Alois“ jeden Zweifler beruhigt: „Schmucke, was willst de eigentlich, was hast de gegen Alois? Schau — er ist doch blond.“ Walther Karsch. (aus der Weltbühne.) Aus der jüdischen Welt Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. blickte am 2. November d. J. auf ein dreißigjähriges Bestehen zurück. Sie hat während der Zeit ihres Wirkens die Aufgabe, der Wissenschaft des Judentums zu dienen, durch Herausgabe von Schriften und durch Subventionierung jüdischwissenschaftlicher Arbeiten auf das glänzendste gelöst. Von dem „Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums“ sind bisher 13 Bände erschienen, von dem „Corpus Tannaiticum“ ist eben der dritte Band in den Druck gegeben. Die „Germania Judaica“ wird vollendet. Außerdem hat die Gesellschaft 37 „Schriften“ herausgegeben. Die subventionierten Werke erreichen mindestens dieselbe Ziffer. Auch die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“, das Organ der Gesellschaft, die jetzt im 76. Jahrgang erscheint, ist ein Beweis für ihre ungetrübte Schaffenskraft. Professor Dr. Julius Hirsch 50 Jahre Berlin, 27. Oktober. (JTA.) Der hervorragende Wirtschaftspolitiker und frühere Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, Professor Dr. Julius Hirsch beging am 30. Oktober seinen 50. Geburtstag. Prof. Hirsch wurde in Mandel bei Kreuznach geboren, lehrte an der Handelshochschule in Köln und Berlin und ist seit 1926 Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Berlin. Während des Weltkrieges war er Referent im