Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 45 (4.11.1932)
- Date
- 1932-11-04
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Das Jüdische Echo •Nr. 45 das in Palästina an ihrer Verwirklichung mitarbeiten sollte, läßt sich eher das Gegenteil' sagen, so daß auch heute noch oftmals anstatt Förderung Gegnerschaft von ihr erwartet werden muß. Die Lehre," daß eine Deklaration noch nicht Wirklichkeit, sondern nur ein Stück Papier ist, an dem sich drehen und deuteln läßt, ist uns von dieser Seite unerbittlich und hart gegeben worden. Wir Juden haben diese Lehre beherzigt und überwunden. Es ist ein Verdienst Dr. Weizmanns, dem > schon das größte Verdienst um die Erlangung der Deklaration zuzuschreiben ist, uns auch derf Weg zui* Verwirklichung gezeigt zu haben, daß das. Jüdische Nationalheim nur auf eigene Leistung gegründet sein kann, wie aus der Möglichkeit, der Chance der Deklaration durch eigene Anstrengung die Fundamente des jüdischen Gemeinwesens -geschaffen werden können. In Palästina herrscht heute frohe, hoffnungsvolle Stimmung, man sieht freudig in die Zukunft. Das Jahr 1932 hat eine erhebliche jüdische Einwanderung gebracht, auf das Jahr 1933 setzt man noch größere Erwartungen. Die private Aufbautätigkeit hat in ihrem Umfange die als Kolonisationsinstitutionen der Zionistischen Organisation weit hinter sich gelassen — ein großer Teil des Erfolgs aber, den wir heute mit Genugtuung konstatieren, ist auf die zähe und unermüdliche Tätigkeit zurückzuführen, in der Weizmann und seine Mitarbeiter die Voraussetzungen für eine gedeihliche private Arbeit ohne Unterstützung der englischen Instanzen geschaffen haben. Die jüdische Bevölkerung Palästinas ist heute so stark, wirtschaftlich und geistig so sehr mit dem Lande verwachsen, daß Zweifel an der realen, gegenwärtigen Existenz des jüdischen Nationalheims ebensowenig möglich sind, wie daran, daß ihm noch eine große Entwicklung bevorstehe. Schwierigkeiten werden immer wieder auftauchen und stehen auch unmittelbar vor uns. Aber der Drang nach Palästina und das Bewußtsein von der Notwendigkeit Palästinas für das jüdische Volk sind unbeirrbar und immer stärker wächst der Strom der Rückkehrer. Fünfzehn Jahre nach der Balfour-Deklaration darf man feststellen, daß jüdische Leistung ein Werk von historischer Bedeutung in Palästina vollbracht hat — die Deklaration hat die Möglichkeit dazu eröffnet und damit steht sie am Beginn einer neuen Epoche jüdischen Daseins. Seit der Balfour- Deklaration hat das jüdische Volk die Gestaltung seines Schicksals wieder selbst übernommen, ist es nicht mehr nur Objekt sondern auch Subjekt seiner Geschichte; bisher ist es der Verantwortung, die darin liegt, gerecht geworden — in Zukunft wird es sich jeden Tag an dieser Aufgabe neu bewähren müssen. I. E. Palästina entwickelt sich selbständig Neuyork, 24. Oktober. (JTA.) Im Tempel Emanu-El zu Neuyork wurde in diesen Tagen die Jahresversammlung der Palestine Economic Corporation abgehalten. Die Corporation entstand bekanntlich 1926 durch Zusammenlegung der Palästina-Werte des Joint Distribution Committee und der Palestine Cooperative Company. Den Vorsitz auf der Jahresversammlung führte der Ehrenpräsident der Palestine Economic Corporation, Herr Felix M. Warburg, der u. a. ausführte: ln einer .Zeit, in der Industrie-Standard und Arbeitslage in fast allen Ländern sich verschlechtert diaberU ist Palästina/in der Lage, vorwärts und aufwärts'' zii‘ schreiten: Diese erstaunliche Tatsache kann nur auf die sorgfältige Auswahl der Menschen und die Wachheit unseres Volkes zurückgeführt werden. Und nicht allein durch dier Leistungen, sondern auch durch die Art, wie die Leistungen zustande kommen, durch den Standard, den wir aufgestellt haben, haben wir uns die Achtung der; Außenwelt und das Vertrauen jener, die Geld in Palästina investiert haben, errungen. Bernard Flexner, der Vorsitzende des Rates, auf dessen Initiative die Corporation gebildet wurde, führte ungefähr aus: Die Corporation hat die in ihrem. Prospekt vom Jahre 1926 gemachte Voraussage verwirklicht: Sie hat nicht allein ihr ursprüngliches Kapital intakt erhalten, sondern auch das später investierte Kapital ist erhalten geblieben, ja sogar ein Überschuß konnte erzielt werden. Die Geschichte unserer Tätigkeit in den ersten 6 Jahren unseres Bestehens wird in ihren Ergebnissen erst erzählt werden können, wenn mehrere unserer Investierungen in größeren Industrie-Projekten Palästinas, die noch nicht voll entwickelt sind, beginnen werden, Profit abzuwerfen. Ich verweise auf unsere Investierungen im King David Hotel, in der Palestine Potash Ltd. und im Bodenbesitz an der Haifa-Bucht. Das Kapital der Gesellschaft hat sich von 783 000 Dollar bei der Gründung auf fast 3 Millionen Dollar erhöht; der Überschuß beträgt 90 000 Dollar, die Gesamtreserve beläuft sich auf über 2 Millionen Dollar. Die Gesellschaft hat keine Schulden. Flexner wies als Beispiele des wirtschaftlichen Fortscnrirts in Palästina darauf hin, daß in der letzten Orangcn- Saison 3 452 000 Kisten Orangen im Werte von 1 639 000 Pfund (gegen 2 857 000 Kisten Orangen im Werte von 857 000 Pfund i. J. 1930) verschifft wurden. Die Palestine Potash Ltd. verfügt über ein Aktienkapital von 325 000 Pfund. Herr Julius Simon, der Präsident der Palestine Economic Corporation (der sich sofort nach der Tagung zu seinem alljährlichen Besuch nach Palästina begab), erklärte es als das Ziel der Corporation, „die wirtschaftlichen Grundlagen Jüdischer Siedlung in Palästina zu stärken“. Das wichtigste Unternehmen ist die Citrus-Industrie. Die Verpackungs- und Absatzmethoden wurden verbessert. Zusammen mit der PJCA wurde das Bewässerungssystem vervollkommnet. Nicht weniger wichtig ist die Ausbeute der wertvollen Mineralien des Toten Meeres. Die Corporation hat sich deswegen an der Palestine Potash Ltd. beteiligt. Im Hinblick darauf, daß Haifa als das zukünftige Industriezentrum Palästinas anzusprecnen ist, hat die Gesellschaft 5000 Dunam des wertvollsten Bodens an der Haifa-Bucht für industrielle Entwicklung in Reserve genommen. Der wirtschaftlich schwächere Teil der jüdischen Bevölkerung wird durch Kredite gestützt. Die Gesellschaft beteiligte sich an der Errichtung der Central Bank of Cooperative Institutions und an den Kredit-Oper uionen der Palestine Mortgage and Credit Bank Ltd. Wir haben uns mit dem Problem oeiaßt, wie der landwirtschaftliche Arbeiter zu einem Kleinpächter gemacht werden kann; wir haben such hierin Erfolg erzielt. Emanuel Mohl, früher Neuyork, jetzt gesclrattsführender Direktor der drei Tochter-Instiiunonen der Corporation, führte aus: Hauptziel der Corporation in ihrem Kreditsystem sei es, jenen Fmztl- . pejsonen zu helfen, die ihre im Aus.ande erwoibenen Kenntnisse und Erfahrungen in Klcimndu-