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Das jüdische Echo · 1932-10-28 · 44 (28.10.1932) · p. Seite 351

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
44 (28.10.1932)
Date
1932-10-28
Page
Seite 351 (sequence 3)
Language
German
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Nr 44 Das Jüdische Echo 351 treten. Im Gegensatz zu ihnen bestelle die Gemeinde in ihrer Mehrheit zur Zeit noch aus denen, die sich in gleicher Weise zur jüdischen Religion und zum Deutschtum bekennen. Gegen eine derartige Argumentation ernstlich Zionisten oder Ostjuden zu verteidigen, kann uns nicht zugemutet werden; sie richtet sich von selbst und uns genügt es, diesem verleumderischen und denunziatorischen Dokument eines jüdischen Gemeindevorstandes ein Schandmal errichten zu müssen. Wir dürfen aber nicht unterlassen, in aller Öffentlichkeit die Frage aufzuwerfen, was gegen solche Erscheinungen im jüdischen Leben unternommen werden soll, die leider keineswegs vereinzelt sind. Von der Gründung eines Vereins zur Abwehr des jüdischen Antisemitismus können wir uns allerdings nicht viel versprechen, obwohl die Notwendigkeit einer solchen Abwehr nur zu offensichtlich ist. I. E. Aus der jüdischen Welt Die Austritts-Bewegung in Berlin Berlin, Oktober 1932. Nach den soeben bekanntgegebenen statistischen Erhebungen betrug die Zahl der bei den Berliner Amtsgerichten im Jahre 1931 abgegebenen Kirchenaustrittserklärungen 79 274 gegen 66 635 im Jahre 1930. Das entspricht einer Zunahme von 19 v. H. Die stärksten Verluste hatte die evangelische Kirche. Geringer sind die Verluste der Katholiken. Die jüdische Austrittsziffer war in den letzten Jahren ungefähr konstant gewesen: 1927: 559, 1928: 556, 1929: 579, 1930: 586. Sie sprang im vergangenen Jahre auf 722, ist also um 23 v. H. höher als die Ziffer von 1930, und der Zuwachs übersteigt den protestantischen. Einsteins Berufung nach Amerika Berlin, 17. Oktober. (JTA.) Professor Albert Einstein hat von der amerikanischen Louis-Bamberger-Stiftung den Ruf erhalten, die Leitung ihres neuen Instituts für Mathematik und theoretische Physik in Princeton (New Jersey) zu übernehmen. Professor Einstein hat die Berufung angenommen. Er wird alljährlich etwa fünf Monate an diesem Institut wirken. Der von einer amerikanischen Presseagentur verbreiteten Meldung, daß Professor Einstein sich nun ganz dem Institut in Princeton widmen und seine Tätigkeit in Deutschland auf geben wird, wird von amtlicher preußischer Seite entgegengetreten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, beabsichtigt die Preußische Akademie der Wissenschaften, deren hauptamtliches Mitglied Einstein ist, ihn in jedem Jahr für einige Zeit zu beurlauben, um ihm die Möglichkeit zu geben, an dem amerikanischen Forschungsinstitut zu arbeiten. Einstein wird also in Zukunft, wie übrigens schon in den letzten Jahren, einige Zeit in Amerika, die übrige Zeit in Deutschland verbringen. Sehächtverbotsantrag auch in Mecklenburg Rostock, 18. Oktober. (JTA.) Die nationalsozialistische Landtagsfraktion hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der ein Schäclitverbot für Mecklenburg-Schwerin vorsieht. Zuwiderhandlungen sollen mit Gefängnisstrafen bis zu sechs Monaten oder mit entsprechender Geldbuße geahndet werden. _• Der Frankfurter Dajan Gerson Posen Söjährig verstorben Fra n k f u r t, 17. Oktober. (JTA.) Ganz plötzlich ist in der Nacht zum 14. Oktober der Frankfurter Dajan Gerson Posen an Herzschlag verschieden. Der Verstorbene, der 80 Jähe alt war, hat viele Jahrzehnte als Dajan an der Israelitischen Religionsgesellschaft amtiert. Das Mannheimer Nationaltheater lehnt das Verlangen der NSDAP, nach Ausschaltung jüdischer Künstler ab Mannheim, 17. Oktober. (JTA.) Die Nationalsozialisten der Pfalz hatten in Ludwigshafen eine „Deutsche Bühnengemeinde“ gegründet und wollten für diese Neugründung auch geschlossene Vorstellungen des Mannheimer Nationaltheaters abnehmen. Die Intendanz hat sich grundsätzlich, wie sie mitteilt, bereit erklärt, mit dieser Neugründung ebenso wie mit anderen Bühnengenieinden Abmachungen zu treffen. Die Vertreter der NSDAP, haben jedoch verlangt, daß nur „deutschbliitige Künstler (Nichtjuden)“ als Darsteller auftreten. Sie stellten auch bereits die Bedingung, daß für das inszenierte Schauspiel „Die endlose Straße“ die Umbesetzung von zwei Rollen, die bisher von jüdischen Schauspielern gespielt wurden, erfolgen solle. Sie verlangten ferner, daß Generalmusikdirektor Rosenstock die Opernvorstellungen, die diese Deutsche Bühnengemeinde abnehmen würde, nicht dirigieren dürfe. Intendant Maisch hat nun den Nationalsozialisten erklärt, daß er diese Bedingungen unter keinen Umständen annehmen würde. Antisemitische Ausschreitungen in Wien^ Wien, 16. Oktober. (JTA.) Die Nationalsozialisten hatten am gestrigen Sonntag einen Werbe-Umzug durch den Wiener Arbeiterbezirk Simmering veranstaltet, wobei es zu schweren Zusammenstößen der Nationalsozialisten mit sozialdemokratisch gesinnten Arbeitern vor dem sozialdemokratischen Parteiheini kam. Im Anschluß an diese Vorgänge kam es heute vormittag an der Technischen Hochschule Wiens zu blutigen Ausschreitungen der reaktionären Studentenschaft gegen jüdische und sozialistische Studenten. Mit dem Rufe „Rache für Simmering!“ stürzten sich die Nationalsozialisten auf die Juden und Sozialisten und hieben mit allerlei Schlagwaffen auf sie ein. Zwölf Schwerverletzte waren das Ergebnis dieses Überfalls. Der Rektor ordnete die Schließung der Technischen Hochschule an. Wien, 17. Oktober. (JTA.) Die Nationalsozialisten veranstalteten außer an der Technischen Hochschule auch an der Wiener Universität blutige antisemitische Exzesse. An der Technik wurden 12 Schwerverletzte, an der Universität 8 Verletzte gezählt. In verschiedenen Wohnvierteln Wiens wurden jüdische Passanten von Nationlsozialisten unter den Rufen „Rache für Simmering“ verprügelt. Wien, 24. Oktober. An der Wiener Universität kam es am Freitag und am Sonnabend, nach Wiedereröffnung der Hochschulen, zu neuen antisemitischen Exzessen. Die nationalsozialistischen Studenten schlugen zahlreiche jüdische Studenten blutig. Zunächst wurden sozialistische jüdische Studenten, dann aber auch jüdischnationale, zionistische und jüdisch aussehende Studenten überhaupt angefgyep. Et>va 15 jüdi-

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