Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 43 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- Seite 344 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Eutin 1× ep/1044530
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344 Nr. 43 Das Jüdische Echo sozialistischer Kreisleiter jüdischer Abstammung ist. Hierzu ist folgendes festzustellen: Da sich nach, Prüfung der Unterlagen herausgestellt hat, daß Dr. Saalfeldt, Eutin, tatsächlich jüdischer Abstammung ist, ist sein Ausschluß aus der Partei durch den Vorsitzenden des Untersuchungs¬ und Schlichtungsausschusses der Reichsleitung erfolgt. Ein solcher Ausschluß ist satzungsgemäß selbstverständlich; es entfallen also alle Verdächtigungen der Gegner, die behaupten, daß die NSDAP Judenstämmlinge in ihren Reihen dulden würde... In der Reichsleitung werden Maßnahmen erwogen, die eine noch schärfere Prüfung ihrer Amtsträger möglich machen.“ Keine jüdischen Gemeindewahlen in Breslau — Das Kompromiss um ein Jahr verlängert Breslau. Die Zusammensetzung der jetzigen Gemeindevertretung in Breslau beruht auf der Einheitsliste, die im Jahre 1930 auf Grund einer Verständigung, zwischen Liberalen, Konservativen, Volkspartei, Wirtschaftspartei, Mittelpartei und Ostjuden eingereicht worden ist. Die so gewählte Gemeindevertretung hat nach den gesetzlichen Bestimmungen bis Ende des Jahres 1935 zu amtieren. Es wurde aber vereinbart, daß sämtliche Gemeindevertreter nach einem Jahr ihr Amt niederlegen sollten, damit bei Rückkehr einigermaßen normaler politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse die Wähler alsbald wieder zu Worte kommen sollten. 1931 waren diese Voraussetzungen nicht gegeben; das Kompromiss wurde daher ohne sachliche Änderungen auf ein Jahr verlängert. Von vorneherein bestand die stillschweigende Voraussetzung, daß sich die Verlängerung des Kompromisses im Jahre 1932 um ein weiteres Jahr vollziehen werde. Aber nun trat zu den Parteien, die 1930 das Wahlabkommen geschlossen haben, eine weitere hinzu: die jüdische Arbeiterpartei. Sie umfaßt Männer und Frauen vor allem auch aus denjenigen Kreisen, die durch die Wirtschaftskrise aus ihrem Beruf als Kaufleute, Handwerker, Angestellte, Hand- und Kopfarbeiter herausgeschleudert oder in ihnen brotlos geworden sind. Die Partei tritt vor allem mit wirtschaftlichen Forderungen an die Gemeinde heran und wünscht auch eine Vertretung in den Gemeindekörperschaften Wie nun gemeldet wird, kamen die Fraktionen nach längerer Erörterung auf folgender Grundlage •überein: Das Wahlkompromiss wurde unverändert um ein weiteres Jahr verlängert; jedoch schon in diesem Jahr soll der Arbeiterpartei Gelegenheit gegeben werden in den Gemeindeausschüssen ihre Interessen wahrzunehmen. Es wurde ein kleiner Ausschuß eingesetzt, der mit der Leitung der neuen Partei verhandeln soll. Vor Ablauf des neuen Kompromisses werde Klarheit darüber geschaffen werden, ob man in der Lage sein wird, eine neue Einheitsliste unter Einbeziehung der Arbeiterpartei zu präsentieren oder ob das Votum der Wähler eingeholt werden soll. Der Allensteiner SA-Führer Hellwig als Anstifter des Attentates gegen das Kaufhaus Abraham verhaftet Königsberg, 7. Oktober. (JTA.) Nachdem bereits am Donnerstag vier SA-Leute unter der Beschuldigung, das Handgranatenattentat auf das jüdische Kaufhaus Abraham mit verübt zu haben, verhaftet worden waren, ist jetzt auch der Sturmführer des Allensteiner SA, Hellwig, unter dem Verdacht der Anstiftung und Mittäterschaft an dem Attentat verhaftet worden. Nazi-Kundgebungen in Wien am Vorabend des Jom Kippur Wien, 11. Oktober. (JTA.) Am Vorabend des Jom Kippur, Sonntag, den 9. Oktober, zogen mehr als 100 000 Nationalsozialisten über den Heldenplatz und die Ringstraße, um für den Anschluß an Deutschland zu demonstrieren. Die Redner waren nationalsozialistische Führer aus Wien, Sudetenland, Südtirol und Ostpreußen. Hauptgedanke der meisten Ansprachen war, daß die Juden an allem schuld seien. Ein Massenaufgebot von Polizei sorgte für die Aufrechterhaltung der Ruhe. Die Synagogen waren von starken Gruppen der Haganah (Selbstwehr) und des jüdischen Frontsoldatenbundes, insgesamt von mehr als 3000 Organisierten, bewacht. Die jüdischen Andächtigen, die sich in die Gebethäuser begaben, mußten sehr aufpassen, um nicht in eine judenfeindliche Demonstration hineinzugeraten. Die Stimmung in den überfüllten Bethäusern war denn auch eine sehr gedrückte. Der zunehmende wirtschaftliche Ruin, der sämtliche jüdischen Erwerbsstände umfaßt, und die immer gefährlicher werdende politische Spannung als Folge des starken Aufstiegs der nationalsozialistischen Bewegung lasten schwer auf allen Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung. Jom Kippur in Moskau Moskau, 11. Oktober. (JTA.) Am Jom Kippur waren die wenigen Synagogen in Moskau derart überfüllt, daß ungeheuere Mengen Andächtiger wegen Mangels an Raum auf den Plätzen und Straßen vor den Synagogen an den Gottesdiensten teilnahmen. Die jüdischen Kommunisten veranstalteten am Jom Kippur in Fabriken und in anderen Betrieben, die eine große Zahl Juden als Arbeiter beschäftigen, zehn antireligiöse Massenversammlungen. Feuilleton Simctaat Tbora in Swislowitz Von S h m a r y a Levin (Entnommen aus seinem Buche Kindheit im Exil) Die Halbheiligkeil der fünf Zwischentage des Laubhüttenfestes war für uns Kinder nicht ohne Reiz. Die Synagoge war während dieser Woche so festlich beleuchtet wie nie während eines anderen Feiertages. Das Laubhüttenfest ist ein fröhliches Fest. Die Erwachsenen waren sorgloser, fröhlicher als sonst, und kein Abend verging, ohne daß nach dem Gottesdienst Zuckerwerk und Kuchen unter die Kinder verteilt wurden. Ihren Gipfel erreichte die Fröhlichkeit natürlich zu Simchat Thora, dem Tage der Gesetzesfreude. An diesem Tage ist der letzte Abschnitt des Pentateuchs zu Ende gelesen und der Beginn der neuen Kunde für das Jahr gemacht worden. Sollten wir uns da nicht freuen? An diesem. Tage pflegte Juda, der Sohn des Predigers und Vorstehers der Synagoge, von einem Heer von Kindern begleitet, von Haus zu Haus zu laufen. Er trug einen mit der Futterseite nach außen gekehrten Überrock und ( inen bis zur Unkenntlichkeit verbeulten und zerknitterten Zylinderhut. Auf dem Rücken trug er einen Sack, und' jede Hausfrau mußte ihr Scherflein —