Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 43 (21.10.1932)
- Date
- 1932-10-21
- Page
- Seite 342 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Das Jüdische Echo Nr. 43 Wenn das „8 Uhr-Abendblatt“ und andere Blätter dem albernen Gerede dieses Mannes glauben, so muß man sich trösten mit dem Spruch: „Es ist nichts so dumm, es findet doch sein Publikum.“ Zu diesem Publikum aber werden unsere jüdischen Mitbürger, die das Zentrum besser kennen, keinesfalls gehören.“ Soweit die JTA-Meldung vom 12. Oktober. Die Ausführungen des Herrn Lauscher sind sicher gut gemeint; sie können aber doch nicht verstekken, daß in der Tat das Zentrum eine „Judenzählung“ bei den preußischen Theatern zugestimmt hat. Und das ist das Entscheidende. Denn von einer „Bevorzugung“ jüdischer Künstler kann wohl keine Rede sein, höchstens von der Pflege einer bestimmten Kunstrichtung, von Übereinstimmung künstlerischer Prinzipien und Auffassung. Diese aber nach politischen oder sonstigen nicht kunstmäßigen Kategorien beurteilen zu wollen ist vollständig abwegig; wenn es mit rechten Dingen zuginge, hätte darüber allein der Erfolg zu entscheiden, der ja letzten Endes doch nur dem echten Künstler beschieden ist. Wenn auch bekannt ist, daß gerade das Zentrum immer wieder versucht hat und versucht andere Maßstäbe und Kriterien durchzusetzen, so berührt es doch peinlich, daß man dabei so enge Tuchfühlung mit den Nationalsozialisten genommen hat. Das Problem selbst, der Betätigung zahlreicher jüdischer Künstler auf deutschen Bühnen, ist ja leider in einer Zeit, in der ein so großer Teil des deutschen Publikums, namentlich auch des sogenannt gebildeten Publikums eindeutig antisemitisch eingestellt ist, für alle Teile nicht leicht. Aber wenigstens die Politiker sollten sich in diese Dinge nicht hineinmischen und sie noch komplizieren; sie können damit nur erreichen, daß die ernsthaften, echten jüdischen Künstler nicht mehr arbeiten dürfen, während auf der anderen Seite sich täglich schmachvolle Fälle ereignen, wie hier in München, wo eine jüdische Kapellmeisterin die sich für eine Engländerin ausgab, (Jella Roonfeld) im Cafe Reichsadler vor einem Publikum von Braunhemden bei ihren Darbietungen und dem Horst Wessel-Lied größten Beifall entgegen nehmen durfte. I. E. Neue Einwanderer für Palästina Die Palästina-Regierung hat 4500 Zertifikate für jüdische Einwanderer bewilligt — eine Botschaft, die in der ganzen zionistischen Welt freudige Genugtuung hervorruft, ln einer Zeit, da man allüberall arbeitswillige Menschen entläßt und Unternehmen sperrt, ist die wirtschaftliche Lage in Palästina eine so günstige, daß die englische Verwaltung, die mit Zertifikaten alles eher als freigiebig verfährt, tausende neue Arbeitskräfte ins Land ruft. Dies ist wohl der beste Beweis für den Aufschwung der jüdischen Wirtschaft in Palästina. Jeder Brief, jeder Bericht von dort klingt heute in den stereotypen Satz aus: „Ihr im Galuth habt keine Ahnung von dem Aufschwünge hier. Es geht mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts.“ Nun wird diese Nachricht, die im Galuth stets noch mit einiger Skepsis aufgenommen wurde, von der englischen Administrative bestätigt. Jedes Schiff, das in den letzten Monaten in Palästina anlegte, brachte Menschen ins Land, die schon mit der festen Absicht, sich in Palästina niederzulassen, die Reise angetreten hatten. Der privatwirtschaftliche Sektor wächst zusehend, alte Unternehmungen erweitern ihre Betriebe, neue tauchen allerorts auf, die jüdische Plantagenwirtschaft verdoppelt ihren Umfang und verlangt nach neuen Arbeitskräften — die Arbeitsvermittlungsstelle der Arbeiterorganisation ist bereits nicht mehr imstande, allen Anforderungen nach Zuteilung jüdischer Arbeiter zu entsprechen — eine neue großzügige Baubewegung hat eingesetzt. Auch die nationale Wirtschaft hat die Stagnation überwunden, die Zahl der konsolidierten Wirtschaften ist gestiegen, im Emek geht man bereits zur intensiven Wirtschaft über, es wird Platz frei für neue Siedler. Und doch, trotz aller Freude über den gewaltigen Fortschritt unserer Arbeit, trotz der Genugtuung, daß nun Palästina das einzige Land der Welt ist, das für jüdische Einwanderung die Tore öffnet — dürfen wir nicht an die nüchternen Folgerungen veigessen, die auch aus dieser neuen Einv/anderimgswelle abgeleitet werden müssen. 4500 Zert'fikate, das bedeutet eine neue Einwandererschar von 6000 bis 7000 Menschen, dazu noch Hunderte von kapitalskräftigen Einwanderern, die sich ohne Zertifikat im Lande niederlassen dürfen. Das bedeutet auch Sorge für die Zukunft dieser Menschen, für Zeiten ohne Konjunktur. Ein großer Teil von ihnen muß in den kommenden Jahren augesiedelt, mit dem Boden verbunden werden. Das heißt: Schaffung einer Bodenreserve, Bereitstellung der kolonisatorischen Mittel — neue große Arbeit unserer beiden nationalen Fonds. Die in der Stadt bleiben werden, brauchen billige und gesunde Wohnungen, Kredite und Hilfe bei ihrer Etablierung, wiederuni Aufgaben, die von den nationalen Kolonisatior.sinstanzen gelöst werden müssen. Jede weitere Einwandererwelle wird davon abhängen, in welchem Maße es in den kommenden Monaten gelingt, der jetzt einsetzenden Einwanderung beizustehen, sie im Lande plan- und zweckmäßig einzuordnen. Für die Zionisten im Galuth bedeutet das mehr als bloßes freudiges Zusehen. Die Alij ahhilfe, für die man sich seit Jahren bereiterklärt hat, ist in ein akutes Stadium getreten und muß weitere Kreise als die Wizo, die sich dazu in vorbildlicher Weise zur Verfügung gestellt hat, erfassen. Wir erinnern an einen Beschluß des vorletzten Zionistentages, der jeder Ortsgruppe die Pflicht auferlegt, mindestens für einen Palästinaauswanderer Sorge zu tragen. Aber auch die beiden nationalen Fonds, der Keren Hajessod und Keren Kajemeth, rüsten zu neuer, verstärkter Arbeit, um ihren neuen Pflichten nachkommen zu können. Arbeit und wiederum Arbeit, — aber Arbeit, die ihren großen Sinn hat und den Aufbauprozeß in Palästina um ein sichtbares Stück weitertreibt. h. Neues aus Palästina Sturm über der palästinensischen Küste J e r u s a 1 e m , 6. Oktober. (JTA.) Die palästinensische Küste ist am (>. Oktober von einem schweren Sturm heimgesuehl worden, der in Tel-Awiw und auch im Landesinnern vielfach schwere Schäden verursacht hat. Das Zeltlager des Hasehomer Ilazair in Rischon le Zion wurde vom Sturm vollkommen zerstört, sämtliche 27 Zelte wurden fortgelragen, 70 jüdische Arbeiter mußten eine ganze Nacht im schweren Sturm ohne Dach über dem Kopfe verbringen, so daß mehrere von ihnen erkrankt sind. Die Zionistische Exekutive hat sofort den Lagerinsassen Hilfe gebracht und für ihre Unterkunft gesorgt. Besonders heftig wütete der Sturm in Tel-Awiw. Elektrische Maste wurden umgeworfen, das Licht-