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Das jüdische Echo · 1932-10-21 · 43 (21.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
43 (21.10.1932)
Date
1932-10-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bemerkungen — Neues aus Palästina — Aus der jüdischen Welt — Feuilleton — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis München, 21. Oktober 1932 19. Jahrgang Anzeigen: Die vlergeipaltene Millimeter-Zelle 30 Rpf. / Famlllen- Anzelgen Ermäßigung /Anzeigen- »chen Echot. München. Pllnganserstraße 64 / Telephon 73664/68 Postscheck - Konto: München 3987 Erscheinungszelt: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 3.—. Einzelnummer 20 Rpf. / Verlag, Auslieferung des ..Jüdischen Echos": München. Pllnganserstraße Nr. 64. Bemerkungen Physische Vernichtung Aus einer Veröffentlichung des Stahlhelm, die wir in einer der letzten Nummern wiedergegeben haben, ist bekannt geworden, daß Hitler am 13. August vom Reichspräsidenten verlangte, es sollte seiner SA drei Tage die Straße freigegeben und zu diesem Zwecke die Polizei und Reichswehrmannschaften zurückgezogen werden. Bisher ist diese Meldung unwidersprochen geblieben; sie hat aiso eine negative Bestätigung erhalten. Naive Seelen konnten allerdings immer noch annehmen, daß es Herrn Hitler im wesentlichen darauf ankam zu paradieren und die Machtübernahme möglichst pomphaft zu gestalten. Daß es aber in Wirklichkeit auf ein Blutbad abgesehen war, wird neuerdings bekannt Die „Basler Nationalzeitung“ hat zu der oben ausgeführten Meldung ergänzend wörtlich berichtet, Hitler habe zum Reichspräsidenten selbst gesagt; „Gut regieren heißt erbarmungslos regieren. Mussolini habe in der Zeit der Übernahme der Macht 5000 politische Gegner um die Ecke bringen lassen; kein Hahn hätte damals gekräht. Mit Deutschland werde es nicht anders sein. Er verlange eine Blankovollmacht dafür, um mit seinen Gegnern umzuspringen wie es ihm beliebe. Politischen Gegnern könne man mit Argumenten nicht beikommen. Man müsse sie physisch vernichten.“ Nach diesen Worten soll Hindenburg Herrn Hitler die Türe gewiesen haben. (Zitiert nach der Weltbühne.) Auch, diese Behauptung ist bisher von keiner Seite dementiert worden. Es ist überflüssig sich auszumalen, was geschehen hätte können, wenn es nach Herrn Hitler gegangen wäre, auch ist die überstandene Gefahr wohl doch nicht so groß gewesen, wie es den Anschein haben könnte, da Herr Hitler, wenn er so verhandelt hat, wie es hier dargestellt wird, offensichtlich persönlich nicht gerade ein Held ist. Da die große deutsche Presse schweigt, — die des Auslandes selbstverständlich nicht — ist es immerhin notwendig, die Gedankenmassaker des Herrn Hitler gerade im Hinblick auf die kommenden Wahlen möglichst weit bekannt zu machen; schon damit niemand glauben kann, er dürfe sich das Wählen ersparen, weil die Parole keiner der kandidierenden Parteien ihm Zusage „gegen Hitler“ ist. Programm genug; jede wirtschaftspolitische oder sonstwie geartete Differenz hat hinter ihr zurückzustehen. Um jüdische Künstler Berlin, 12. Oktober. Von den unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindenden Verhandlungen des Hauptausschusses und des Unterrichtsausschusses des Preußischen Landtages sind — zum Teil durch die Jüdische Telegraphen-Agentur — Mitteilungen an die Öffentlichkeit gegeben worden, die ein gewisses Aufsehen erregt haben. Nach diesen Mitteilungen ist ein Antrag der Nationalsozialisten, der auf eine Feststellung der in den preußischen Staatsbetrieben beschäftigtem Künstler (mit der Frage, ob sie Ausländer, ob nach 1918 eingestellt, ob jüdisch seien) hinzielt, mit den Stimmen des Zentrums angenommen worden. Ebenso hat im .Unterrichtsausschuß der bekannte Zentrumsabgeordnete Professor Dr. Lauscher Erklärungen abgegeben, die einen nationalsozialistischen Redner veranlaßten, festzustellen, daß diese Erklärungen zum ersten Male richtunggebenden nationalsozialistischen Auffassungen über die Judenfrage entgegemkommen („jüdische Rasse“ usw.). An eine Persönlichkeit, die ihn um Auskunft hierüber ersucht hat, hat der Zentrumsführer Prof. Dr. Lauscher ein Schreiben gerichtet, das u. a. lautet: „ ... Ein stenographischer Bericht über Ausschußverhandlungen wird nicht ausgegeben. Im wesentlichen habe ich zu dem Anträge der Nationalsozialisten betr. Entfernung der artfremden und der ausländischen Kräfte aus dem Rundfunk und ausschließliche Einstellung deutschstämmiger inländischer Kräfte folgendes ausgeführt: Die ganze Geschichte des Zentrums beweist zur Genüge, daß es jede antisemitische Einstellung grundsätzlich ablehnt. Das hindert uns natürlich nicht, auch unsererseits darauf zu bestehen, daß ebensowenig wie eine Zurücksetzung des jüdischen Elements eine Bevorzugung im Rahmen der staatlichen Kunstpflege hier und da, namentlich auch bei den Staatstheatern, tatsächlich vorliegt. Wir glauben nicht, daß das künstlerische, zumal das musikalische Talent, so stark überwiegend bei den Juden vorliegt, daß eine solche Bevorzugung sich rechtfertigen ließe. (Es folgen einige Sätze über die Heranziehung ausländischer Künstler.) Von irgendeiner Zustimmung zu der nationalsozialistischen Rassentheorie oder von Gehässigkeit oder von Feindseligkeit gegen das Judentum war in meinen Ausführungen keine Spur zu entdecken. Wenn der Vertreter der Nationalsozialisten, deren Antrag wir ablehnten, eine solche Zustimmung aus meinen Ausführungen herausgehört haben wollte, so zeigten schon seine gleichzeitig gegen das Zentrum geschleuderten Schmähungen, wie wenig überzeugt er war, in ihm einen Bundesgenossen für seinen Antisemitismus gefunden zu haben.

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