Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 42 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- Seite 337 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103089-9181552--12530-9084600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 42 Das Jüdische Echo 337 men, mit seiner Fülle und Üppigkeit, mit seiner glänzenden Pracht und Herrlichkeit! Finster geht die Sonne für Dich auf, der Mond scheint dunkel und die Sterne sind nicht hell. Verwüstet, der Einöde gleich, ist dein Land. Vertilgt Jerusalem, die Tochter Zions, die Allerschönste, die Stadt, der sich alle erfreuten. Vernichtet die mächtigen Städte, die blühenden Dörfer, verschwunden der Reichtum deiner Felder, Gärten und Wälder. Die Steine deines Heiligtums liegen auf allen Gassen zerstreut. In deinen Schlössern und Palästen heulen wilde Hunde und Schakale, deine Häuser sind voll Eulen, und verklungen sind die Klänge deiner Lieder und Harfen. Denn Gott Israels ist geduldig und barmherzig, aber er ist ein strenger und eifriger Gott, der straft und züchtigt und die Missetaten der Väter heimsucht auf Kinder und Kindeskinder, um sie zu läutern. Nicht wie Silber — im Ofen des Elends sollen sie zum auserwählten Volke werden. Einsam und verödet liegt nun das Land Israel, und seine Kinder sind vertrieben und zerstreut in der ganzen Welt. Fremdlinge sind sie geworden unter anderen Völkern, verhaßt und verachtet, ihrer Willkür preisgegeben und gleichen einem verscheuchten Reh, einem Lamm in der Irre, einer Herde ohne Hirten. Aber schon hat die Stunde der Umkehr geschlagen! Umringt von Feinden, in Not und Leid, haben sie sich auf ihren Gott besonnen, ihre Sünden bereut, sich vor ihm gedemütigt und sie wandeln wieder auf seinen Wegen. Sie achteten wieder seine Gesetze, suchen Recht und Gerechtigkeit und feiern seine Feste. Jetzt, wie ehedem, verlassen sie am Laubhüttenfest ihre Wohnungen, Gemeinden- und Vereins-Echo Geschichte eines Fragebogens Die letzte Nummer der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung enthielt folgende Erklärung: „Vor kurzem ist ein „Fragebogen des Jüdischen Jugendheims“ verteilt worden. Es wird festgestellt, daß dieser Fragebogen weder vom Jugendheim, noch von irgendeiner sonstigen offiziellen Stelle veranlaßt worden ist. München, den 23. September 1932. Arbeitsausschuß des Jüdischen Jugendheim, Heim der Jüdischen Jugend, e. V. Diese Erklärung wird nur denjenigen Lesern etwas besagen können, die von der Sache selbst schon vorher gehört haben; sie erscheint daher zum mindesten erläuterungsbedürftig. Der Sachverhalt, auf den sie zurück- oder besser gesagt, um den sie herumgeht, ist der, daß vor einigen Wochen in mehreren jungen Menschen, die sich für die Arbeit innerhalb der jüdischen Jugend Münchens verantwortlich fühlen und zum größten Teile auch zu der von den Jugendbünden usw. aufgestellten Leitung des Jugendheims gehören, das Bedürfnis entstand, Maßnahmen gegen Ubelstände zu ergreifen, die man offenbar sehr deutlich empfand. An Hand eines Fragebogens, der an Schüler und Schülerinnen verteilt wurde, suchte man sich ein Bild von den vorliegenden jüdischen Interessen. und Kenntnissen zu verschaffen; die Ergebnisse der Untersuchung sollten bei der Aufstellung eines Programms für die weitere Arbeit verwendet werden. Der Fragebogen war sicherlich wenig glücklich gefaßt, aber er war dafür sehr gut gemeint. bauen Hütten im Freien und leben darin sieben Tage lang. Sie verrichten keine Arbeit und halten diese Zeit heilig. Aber sie sind nicht froh und fröhlich, wie Gott, der Herr, es ihnen geboten hatte — ihre Hütten sind nicht aus Ölzweigen, Palmenzweigen, Balsamzweigen und Myrtenzweigen. Sie stehen mitten unter den Feinden und sind die Zielscheibe des Hohns und des Spottes ... Ihre Blicke schweifen in die weite Ferne, sie schauen die verdorrte Erde, die verwelkten Weinberge, die Äcker voller Dornen und Hecken, sie lauschen dem längst verklungenen Rauschen ihrer Felder, sie fühlen den süßen Wohlgeruch der reifen Früchte, der verweht und verflogen ... Tief nagt der Schmerz an ihrer Seele und die nagende Frage: „Wie lange, wie lange noch, Allmächtiger, wird dein Arm gegen uns ausgestreckt bleiben?“ Und aus den gepeinigten Herzen erhebt sich ein Lied voll ungestillter Sehnsucht nach der verlorenen Heimat. Seine Töne verhallen nicht, sie dringen hinaus ins Freie, sie spinnen Fäden von Hütte zu Hütte, von Herzen zu Herzen und verschmelzen zu einem mächtigen Gesang, zu einem heißen, inbrünstigen Gebet: „Gott unser Vater, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, gedenke an deinen Bund mit uns, sei gnädig und barmherzig, wende uns dein Antlitz zu und laß uns im Schweiße unseres Angesichts auf unserer Erde wieder arbeiten, pflanzen, säen und ernten und unsere Feste feiern in Jerusalem!“ Und Gott neigt sein Ohr und lauscht dem Gebet. Denn seine Liebe ist größer denn sein Zorn. Zweifellos ist es schon ein Lichtblick, daß aus der Mitte der Jugend heraus ein solcher Versuch erfolgte, der von jedem unvoreingenommenen Betrachter nur als Ausfluß wirklicher jüdischer, bisher nicht oder nicht genügend befriedigter jüdischer Bedürfnisse betrachtet werden konnte. Es trat ein, was kommen mußte. Leicht verletzte Empfindlichkeit nahm an Fragen über den Religionsunterricht Anstoß. Aus der Enquete war auf einmal eine revolutionäre Staatsaktion geworden. Die gemeindlichen Instanzen wurden mobil gemacht: Der Fragebogen war ja ganz „offiziell“ aufgezogen, man hatte ihn — sicherlich zu Unrecht — Fragebogen des Jüdischen Jugendheims genannt, ohne daß doch das Jugendheim als gemeindliche Institution oder die von der Gemeinde mit der Betreuung des Jugendheims betrauten Personen mit der Sache irgend etwas zu tun gehabt hätten. Dieser offenbare Übergriff unreifer und unverantwortlicher Jugendlicher in fremde Kompetenzen konnte nicht ohne weiters hingenommen werden. Schon verlangten Gemüter, die besonders viel Verständnis für jugendliche Geisteshaltung besitzen, Schließung des Jugendheims. Es war nicht selbstverständlich, daß es nicht so weit kam und daß von den geforderten mehr als merkwürdigen Maßnahmen Abstand genommen wurde. Der moralische Erfolg der großen Aufregung liegt in der oben angeführten Erklärung vor: mindestens mußte doch abgerückt und der Anschein erweckt werden, als sei der Fragebogen eine fragwürdige und unrühmliche Angelegenheit. So richtig es ist, daß das Jugendheim als gemeindliche Institution nichts mit der ganzen Sache zu tun hatte und so wenig sie von irgendeiner sonstigen offiziellen Stelle veranlaßt wurde, so wenig bestand und besteht Anlaß, sich offiziell i