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Das jüdische Echo · 1932-10-14 · 42 (14.10.1932) · p. Seite 338

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
42 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
Seite 338 (sequence 6)
Language
German
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338 Das Jüdische Echo Nr. 42 von einer Aktion zu distanzieren, die endlich einmal zeigt, daß die Jugend nicht mehr mit dem jüdischen Kunstwissen und den jüdischen Empfindungen zufrieden ist, die ihr zwei armselige Religionsstunden pro Woche vermitteln können. 1. E. Vortrag Dr. Friedemann Eingeladen von einem neutralen Komitee sprach Dr. Adolf Friedemann (Amsterdam) vor einem größeren Kreis am Montag, 3. Oktober, im Spiegelsaal des Elotels Bayerischer Hof über „die Judenfrage und der deutsche Antisemitismus in der öffentlichen Meinung des Auslandes“. Das Münchener jüdische Publikum lernte in Herrn Dr. Friedemann, der dem deutschen Generalkonsulat in Amsterdam attackiert ist, einen mit allen Problemen des jüdischen Lebens der Gegenwart vertrauten Sachverständigen, einen seltenen Kenner der jüdischen Geschichte, einen vielfältig interessierten, belesenen und bereisten Mann, einen glühenden Herzens seiner Überzeugung dienenden jüdischen Politiker und nicht zuletzt einen fesselnden und anregenden, seiner Wirkung sicheren Redner kennen. Dr. Friedemann ging aus von einer historischen Betrachtung des antisemitischen Problems, zeigte dann die mannigfachen Erscheinungsformen des Antisemitismus in fast sämtlichen Ländern auf, die Unentrinnbarkeit des Phänomens und die Ausweglosigkeit aus der so geschaffenen Situation, in der, was die Juden auch tun, wie sie sich verhalten, Gegnerschaft und Haß hervorruft. Ob im Westen oder Osten, ob in Polen oder in den Vereinigten Staaten: in irgendeiner Form politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich gibt es in jedem Lande mit einer nennenswerten Anzahl jüdischer Bewohner Schwierigkeiten, die selbstverständlich auf die Juden zurückwirken müssen. Am Beispiel der Wirkung Rathenaus machte er die Besonderheiten des deutschen Antisemitsmus verständlich. Für die Juden bleibt nur die Möglichkeit sich selbst eine Kultur zu schaffen — hier dürften sie es nur, soweit sie sich nicht exponierten. Erst in diesem Zusammenhang sei die umfassende Bedeutung des Palästinaaufbaus verständlich. Dort fließe ein reicher Strom jüdischen Lebens; dort entstehe eine neue jüdische Bindung. F,ür das Gedeihen und Gelingen des Werkes sei aber auch das gesamte Judentum verantwortlich. Der Redner fand größten Beifall für seine eindrucksvollen Ausführungen. Am Donnerstag, 6. Oktober, sprach Herr Dr. Friedmann nochmals im Rahmen der zionistischen Ortsgruppe über seine Reisen mit Herzl und die Anfänge der zionistischen Bewegung. Das zum großen Teile jugendliche Publikum folgte gespannt den Ausführungen und dankte mit aufrichtigem Beifall. Hebräische Sprachkurse München Dienstag, den 18. d. M., um 9B Uhr findet in den hebräischen Sprachkursen, Herzog-Rudolf-Str. 1 Rückgeb., eine Besprechung der Arbeitsgemeinschaft über die neu hebräische Literatur statt. Die Interessenten werden ersucht, pünktlich zu kommen. Es ist geplant, zu der schon bestellenden Bibel- Arbeitsgemeinschaft noch eine parallele für Jugendliche zu gründen. Eine Besprechung findet Mittwoch, den 19. d. M., um 5 Uhr in der hebräischen Sprachschule statt. Jeden Mittwoch um 5.30 bis 6.30 Uhr wird eine hebräische Spielstunde für Jugendliche abgehalten, in der mehrere Jugendliche sich noch beteiligen können. Jüdischer Kindergarten Der jüd. Kindergarten hat rein privaten Charakter und beschäftigt sich ganz individuell mit den Kindern. Es sind jetzt anwesend 22 Kinder, angemeldet noch 3 weitere. Es ist uns noch möglich, 5 Kinder aufzunehmen. Da der monatliche Beitrag nur 5 RM. beträgt, so ist es sicher vielen jüdischen Eltern eine Erleichterung, die ihre Kinder gerne im jüdischen Kreis und mit jüdischen Dingen beschäftigt wissen wollen, sie dort unterzu bringen. Wir laden alle Interessenten ein, sich den Betrieb, der täglich vormittags von 9—12 Uhr geöffnet ist, anzusehen. Die Leiterin: H e n n y Reich, Herzog-Rudolf-Str. 1/1 Rgb. Jüdisches Jugendheim München Am Samstag, den 29. Oktober 1932, spricht im Lessingsaal um 20.15 Uhr Dr. Hans Kolin (Jerusalem) über „Aufklärung und Chassidismus“. Wir laden hierzu heute schon ein. Eintritt: 50 Pfennige, Jugendliche 20 Pfennige. Jüdisches Jugendheim, München Das Jüdische Jugendheim, München, bittet alle Kreise der Gemeinde um Beachtung folgenden Aufrufes : Unser Lesezimmer, ein Mittelpunkt unseres Heims, ist in seinem Bestand gefährdet. Da wir nicht mehr in der Lage sind, die Bestellgelder aller Zeitschriften zu zahlen, die für uns wichtig sind, müssen wir uns mit folgender Bitte an jeden einzelnen wenden: Gebt uns regelmäßig jene Zeitungen und Zeitschriften, die ihr nicht mehr benötigt! Wir sind für Zeitschriften aller Art dankbar: für jüdische und andere, für politische wie wissenschaftliche, für Kunst- und Literaturblätter wie auch wirtschaftliche. Wenn Sie Bezieher einer Zeitschrift sind und diese uns überlassen wollen, so schreiben Sie bitte bald eine kurze Nachricht an stud. iur. Hans Lamm, Bruderstraße 12 (Fernruf 23901) und bestimmen sie gleichzeitig auch einen Zeitpunkt zur Abholung. An dem von Ihnen festgesetzten Tag wird regelmäßig einer unserer Jungen bei Ihnen vorsprechen, um die Hefte abzuholen. Kammermusikabend Am Montag, dem 24. Oktober, veranstaltet das Jüdische Kammerorchester im Lessingsaal einen kammermusikalischen Vortragsabend, bei dem u. a. Dr. B. Flehinger, der ausgezeichnete Cellist, die Cellosonate von Samartini spielen wird. Näheres im nächsten Echo. Iwria-Darlehenskasse E. V., München Die Darlehenskasse ist nunmehr unter obigem Namen in das Vereinsregister eingetragen und hat damit Rechtspersönlichkeit erlangt. Der Zweck der unter Mitwirkung der Israelitischen Kultusgemeinde München errichteten Darlehenskasse ist, Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde München für wirtschaftliche Zwecke Darlehen innerhalb gewisser enggezogener Grenzen zu gewähren oder zu verschaffen. Richtlinien werden demnächst veröffentlich. Geschäftsstunden sind Dienstag und Freitag von 8 bis halb 10 Uhr morgens, Herzog-Max-Straße 3/1.

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