Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 42 (14.10.1932)
- Date
- 1932-10-14
- Page
- Seite 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Das Jüdische Echo Nr. 42 kommenden Winter wieder engagiert, ihnen aber dann mitgeteilt, daß er von einem endgültigen Vertragsabschluß Abstand nehmen müsse, da der Stadtrat in Gotha, in dem bekanntlieh die Nationalsozialisten die absolute Mehrheit haben, die Gewährung der bisherigen Subvention der Stadt von der Entlassung der beiden „rassefremden“ Schauspieler abhängig gemacht habe. Der eine von beiden ist Jude und geborener Balte und lebt seit 28 Jahren ständig in Deutschland. Das Bühnenschiedsgericht kam hinsichtlich der Klage des baltisch-jüdischen Schauspielers zu dem Urteil, daß zwischen den Parteien ein endgültiger Vertrag zustandegekommen sei, und verurteilte den Intendanten zur Zahlung der Gage von Oktober bis Ende März. Die Verhandlung über die Klage des zweiten Schauspielers, der nur zum Teil jüdisches Blut in den Adern hat, wurde vertagt. Der Numerus clausus in Polen. Lemberg, 28. September (J.T.A.). In Polen besteht kein gesetzlicher numerus clausus, aber in der Praxis wird das Prinzip des numerus clausus scharf ausgeübt. An der Lemberger medizinischen Fakultät wurden unter 120 Neuinscribierten bloß 12 Juden (genau 10%) aufgenommen. Auch an anderen Fakultäten hat sich die Zahl der jüdischen Zuhörer stark verringert. Die Palästina-Regierung bewilligt 4500 Einreisezertiiikate für das laufende Halbjahr Jerusalem, 9. Oktober. (JTA.) Die Palästina-Regierung hat der Jewish Agency für die laufenden sechs Monate (Oktober 1932 bis März 1933) 4500 Einreisezertifikate für Chaluzim und Chaluzoth, 3000 Zertifikate für Männer und 1500 Zertifikate für Frauen, zur Verfügung gestellt. IIJIII II1 111 11 »111 Feuilleton || | | i ii li 1 " llll 1 Das Laubhütteniest Von Helena Sokolow Dr. Helena Sokolow, Tochter und Mitarbeiterin Nahum Sokolows, läßt demnächst unter dem Titel „Biblische R a p s o d i e n“ ein Buch erscheinen, in welchem Dichtungen zu alttestamentarischen Festen und Würdigungen hervorragender Frauen des alten Testaments enthalten sind. Anläßlich des Laubhüttenfestes wird uns ein Kapitel aus diesem Buche zur Verfügung gestellt. Mächtig wie das Meer rauschen die Felder. Auf und nieder wogt die gewaltige Flut, und die vollen, schweren Ähren neigen ihre goldgelockten Köpfe wie zu einem frommen Gebet. Die Bäume beugen sich unter der Last der reifenden, duftenden Früchte. Ihre Blätter sind wie lauter Gold und Purpur. Leuchtend und strahlend steigt die Sonne auf und in der klaren, durchsichtigen Luft geht ein Klingen und Singen voller Jubel: Der Herbst, der goldene, purpurne Herbst ist eingezogen in das Land Kanaan! Und das Volk Israel feiert die erste Ernte auf der heimatlichen Erde. Und die Kinder fragen ihre Eltern: „Was für ein Fest feiert Ihr da?“ Und die Eltern geben ihnen zur Antwort: „Es ist das Fest der Ernte, der Einsammlung der Früchte, die wir gesät haben auf unserem Boden. Denn Gott, der Herr, hatte in der Wüste zu uns geredet und sprach: „Wenn Ihr in das Land kommt, das ich Euch geben werde, so sollt Ihr am fünfzehnten Tage des siebenten Monats, wenn Ihr die Früchte des Landes eingebracht habt, das Fest des Herrn halten. Gehet hinaus auf die Berge, holet Ölzweige, Balsamzweige, Myrtenzweige, Palmenzweige und Zweige von dichten Bäumen, bauet Hütten und wohnet darin sieben Tage lang. Und Ihr sollt Früchte nehmen von schönen Bäumen, keine Dienstzeit tun und fröhlich sein, daß Eure Nachkommen wissen, wie ich das Volk Israel habe in Hütten wohnen lassen, da ich sie aus Ägyptenlande führte.“ Und die Kinder Israels hielten die ganze Woche heilig, keiner tat seine Dienstzeit, sie aßen und tranken, waren froh und fröhlich und sangen Gott ein Loblied, daß er sie gesegnet hatte in allen ihren Werken. Und viele, viele Jahre lebten sie auf ihrem heimatlichen Boden, arbeiteten, pflanzten, säten und ernteten. Sie bauten Städte, Dörfer, Tempel, Paläste, Häuser und Hürden. Ihr Land war voll Silber und Gold und ihrer Schätze war kein Ende. Sie hatten ihre Propheten, Hohepriester und Priester, ihre Könige, Fürsten, Ratsherren, Hauptleute und ein starkes Heer und waren ein großes, reiches, gewaltiges, gefürchtetes Volk. Und hielten alljährlich das Laubhüttenfest, wie Gott es ihnen geboten hatte. Sie zogen hinaus, die Reichen und Vornehmen aus ihren Palästen, aus den geräumigen, bequemen Häusern, die Armen aus ihren dürftigen Wohnungen und bauten Hütten in den Gärten, auf den Dächern ihrer Häuser, im freien Felde, in der breiten Gasse am Wassertor, oder in den Höfen am Hause Gottes, lebten darin sieben Tage lang und feierten das Fest wie ihre Väter. Und dies währte so lange wie sie ihrem Gott treu blieben, seine Gebote achteten, sich vor ihm demütigten, seinen Propheten gehorchten und die heiligen Satzungen befolgten. Aber die Zeit ihres Unglücks war nahe. Denn da es ihnen gut ging, sind sie übermütig geworden, verließen ihren Gott und wandelten nicht mehr auf seinen Wegen. Ihre Augen wurden blind, ihre Ohren taub, ihr Verstand verblendet und ihre Herzen wurden stolz. Sie sahen nicht Gottes warnende Zeichen, sie hörten nicht sein mahnendes Rufen. Der Hochmut und der Leichtsinn bemächtigten sich ihrer. Die Männer wurden Helden im Saufen, Krieger in der Völlerei, Lügner, Diebe und Mörder, die Weiber aber eitel, putzsüchtig und leichtfertig. Sie töteten ihre Propheten, trieben Abgötterei und opferten und dienten Götzen, die das Werk ihrer Hände waren. Da ergrimmte Gott im gewaltigen Zorn, reckte seine Hand gegen sie, daß die Berge erbebten und warf sie zu Boden. Mächtig wie das Meer rauschen die Felder. Auf und nieder wogt die gewaltige Flut, und die vollen schweren Ähren neigen ihre goldgelockten Köpfe wie zu einem frommen Gebet. Die Bäume beugen sich unter der Last der reifen, duftenden Früchte. Ihre Blätter sind wie lauter Gold und Purpur. Leuchtend und strahlend steigt die Sonne auf, und in der klaren, durchsichtigen Luft geht ein Klingen und Singen voller Jubel: Der Herbst, der goldene, purpurne Herbst ist eingezogen.... Aber nicht in das Land Kanaan, nicht für die Kinder Israel. Heule, klage, schreie Du Volk Israel! Nicht für Dich, nicht für Dich ist diesmal der Herbst gekom-