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Das jüdische Echo · 1932-10-07 · 41 (7.10.1932) · p. Seite 327

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
41 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
Seite 327 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 327 runden, vor allem an die Gemeinden und die zur Erfüllung dieser Aufgaben erforderlichen und möglichen Maßnahmen. Sodann erörterte er die besonders gefährdete Lage der erwerbslosen jüdischen Jugend und die auf diesem Gebiet geschaffenen und noch notwendigen Einrichtungen. Schließlich wurde die Frage verstärkter Mittelbeschaffung behandelt, auf die neue aussichtsvolle Form der sogenannten „Blocksammlungen (intensivste ehrenamtliche Sammlung regelmäßiger, auch kleinster Beiträge in Häuserblocks oder bestimmten kleinen Bezirken) nachdrücklich hingewiesen und der Gedanke eines allgemeinen Jüdischen Gemeinschaftswerkes dargestellt, das eine überall während der Notzeit durchzuführende Solidaritätsaktion aller Erwerbenden für die Erwerbslosen darstellen soll. Dr. Max Kreutzberger sprach sodann über „Produktive Erwerbslosenfürsorge“. Nach einer Schilderung der allgemeinen und der jüdischen Wirtschaftssituation in Deutschland mit besonderer Berücksichtigung des Umfangs und der Struktur der jüdischen Erwerblosigkeit verlangte er eine Konzentration des jüdischen sozialen Aufwandes und eine sinnvolle und planmäßige jüdische Berufspolitik. Im einzelnen wies er auf die entscheidende Bedeutung der Beschaffung von Krediten auf wirtschaftlicher Grundlage hin, schilderte die Lage der Jugend ohne Beruf und Arbeit und legte die Möglichkeiten einer gesamtjüdischen Berufspolitik dar. Nach einem Hinweis auf die Siedlungsbestrebungen und auf die besonders schwierige Lage der Jung-Akademiker legte er eingehend die zur Verstärkung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens notwendigen Maßnahmen dar. Zum Schluß verlangte auch er eine der Erhaltung der Wirtschafts- und Lebenskraft der jüdischen Gemeinschaft dienende Neuordnung der jüdischen sozialpolitischen Arbeit, zu der auch eine Rangordnung der Gemeindearbeit gehören müßte. Der Referent schloß mit einem Hinweis auf die internationalen Zusammenhänge und appellierte an die neuen und großen Verpflichtungen der jüdischen Gemeinschaft. Beide Referenten hoben die besondere Lage der Ausländer hervor und wiesen eindringlich auf die dadurch gegebenen Notwendigkeiten hin. Als Hauptergebnisse einer eingehenden Aussprache konnten die folgenden festgestellt werden: Es besteht Einigkeit über die Notwendigkeit neuer Wege zur verstärkten Mittelbeschaffung. Die Blocksammlungen wurden allseitig gebJligt und dringend empfohlen. Es bestand auch Zustimmung dazu, daß der Weg zu einem umfassenden Jüdischen Gemeinschaftswerk der Erwerbenden für die Erwerbslosen entschieden weitergegangen werden soll. Die Bedeutung der Darlehenskassen, grade auch zur Beschaffung kleinerer Darlehen, die Notwendigkeit der alsbaldigen Begründung von Bezirksdarlehenskassen wurden nachdrücklich betont und gebilligt, ebenso die volle Auswertung aller durch die gesetzlichen Bestimmungen für die jüdische Arbeit gegebenen Möglichkeiten. Die besondere Bedeutung aller gemeindlichen und freiwilligen Arbeit auf dem Gebiet der Erwerbslosenhilfe, besonders der produktiven Maßnahmen, wurde aufs stärkste betont; es soll für dieses Gebiet eine besondere Korrespondenz zur Information der Gemeinden herausgegeben werden. Die am Nachmittag stattfindende Sitzung der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise hatte folgendes Ergebnis: Die hohe Bedeutung des Landwerks Neuendorf wurde allseitig anerkannt, dem Ausbau des jüdischen Arbeitsnachweiswesens, unter anderem durch einen Werbemonat für diesen Zweck, allseitig zugestimmt. Die Aufrechterhaltung der Wanderfürsorgeorganisation und der von ihr durchgeführten internationalen Zusammenarbeit wurde gefordert. Am nächsten Vormittag fand unter zahlreicher Beteiligung auch der auswärtigen Teilnehmer eine Besichtigung des Landwerks Neuendorf bei Fiirstenwalde statt, auf dem 35 junge Leute tätig sind, und das in seinen Einrichtungen die volle Zustimmung und Anerkennung der Besucher fand. IIII III uni ii um ii 1 Feuilleton | || IIHIII» Hl II 1II II lllill Das versäumte Kol-Nidre Nacherzählt von Sigma Der berühmte Rabbi Israel Salant (gest. in Königsberg 1885) begab sich an einem Erew-Jom- Kippur-Abend, angetan mit dem Tallith und dem Kittel von seinem Hause nach der Synagoge zu Kol Nidre. Er schritt durch die schmalen Gäßchen, die von miedrigen Häusern mit kleinen, geflickten Fenstern eingerahmt waren, wo das ärmste Volk wohnte, denn er war ein Freund der Armen und Enterbten. In den schmalen Gassen herrschte große Ruhe, denn das ganze Volk, groß und klein, hatte sich schon in die Synagoge begeben. Das ganze Viertel war wie ausgestorben. Plötzlich vernahm er das verzweifelte Wimmern eines Kindes. Er blieb stehen und sah sich um, konnte aber auf der Straße nichts entdecken. Er schritt weiter, aber das Wimmern hörte nicht auf. Als er spähend aufhorchte, gewahrte er, daß die Stimme aus einem kleinen, verfallenen Häuschen kam, welches ziemlich abseits stand. Er trat näher, schaute durch das halb geblendete und halb zerbrochene Fenster und da gewahrte er ein Kind, das in der Wiege lag. das Kind war offenbar eben aus dem Schlaf erwacht und rief nach seiner Mutter, aber diese war in die Synagoge gegangen und der Säugling, vielleicht von Hunger gepeinigt, jammerte und schrie sich heiser, doch keiner kam ihm zu Hilfe. Rabbi Israel Salant überlegte nicht lange, trat in das Häuschen, dessen Türe, wie gewöhnlich in jenen Gegenden, nicht verschlossen war. Da die Dämmerung schon stark hinabgesunken war, machte er entschlossen Licht, um nicht vom Jom Kippur überrascht zu werden. Dann sah er nach dem Kinde. Der arme Wurm befand sich in einer schlimmen Lage. Der Rabbi zog rasch das seidene Obergewand und den Kittel aus, holte das Kind aus der Wiege, wusch und trocknete es, dann nahm er es auf den Arm, sang ihm ein Liedchen, suchte auf dem Herd herum und fand richtig etwas Milch, die träufelte er dem Kinde ein, bis es gesättigt war, dann bettete er das Kind in die Wiege, schaukelte sie und versuchte das Kind einzulullen. Mittlerweile war es schon Nacht geworden. In der großen Synagoge war die ganze Gemeinde schon längst versammelt. Malkuth war schon vorüber, das „Lautere Gebet“, welches jeder für sich leise murmelt, war schon vorüber. Alle warteten auf Rabbi Israel Salant, um das Kol Nidre anzustimmen. Denn es war seit jeher Brauch, mit dem Kol Nidre nicht eher zu beginnen, als bis Rabbi

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