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Das jüdische Echo · 1932-09-30 · 40 (30.9.1932) · p. Seite 320

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
40 (30.9.1932)
Date
1932-09-30
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 Das Jüdische Echo Nr. 40 geht die städtische, nämlich die industrielle und handelswirtschaftliche, vor sich. Im letzten Jahrzehnt sind 120 000 bis 130 000 Juden in Palästina eingewandert. Wären die Grenzen offen, es würden zwei Millionen Juden aus Polen, Rumänien und anderen Staaten zur Einwanderung bereit stehen. Meine Überzeugung ist, daß man ein Land nur schrittweise aufbauen kann; wir dürfen uns nicht eine Chance, die uns in 2000 Jahren einmal gegeben wird, verscherzen. Im vergangenen Winter besuchte ich Südafrika, das so groß ist, daß Palästina in seiner Westentasche verschwinden könnte. Allein Rhodesien ist 75mal so groß wie Palästina. Dort hat man in 50 Jahren im ganzen 60 000 Weiße angesiedelt, dies trotz der hinter dem Siedlungswerk stehenden organisierten Macht Englands, wobei der Führer des Siedlungswerkes, der nicht etwa ein Wiener Journalist oder ein bescheidener Chemiker war, sondern Cecil Rhodes hieß, keinen Keren Hajessod brauchte, sondern über die Goldminen Transvaals verfügte und ein wasser- und waldreiches Land vor sich hatte. Uns hat man in Palästina nicht mit offenen Armen empfangen.. Auch kann man nicht behaupten, daß sich die englische Regierung unsertwegen ein Bein ausgerissen hat — um nicht mehr zu sagen. Nichtsdestoweniger haben wir in Palästina in zehn Jahren doppelt so viel Menschen angesiedelt, als Rhodesien in 50 Jahren. Gegen die Annahme der klugen Experten, die von einer Überfüllung des Landes sprechen, ergeben sich bei der Intensivierung der jüdischen Einwanderung nach Palästina immer neue Möglichkeiten für weitere Einwanderung. In den nächsten Monaten wird der Hafen von Haifa eröffnet, in spätestens zwei Jahren wird die Pipe Line Mosul-Haifa in Tätigkeit gesetzt. Es ist nicht unmöglich, daß Haifa in 5 bis 10 Jahren sich zu einer Hafenstadt entwickelt, die Alexandrien die Priorität streitig macht. Haifa ist der Ausgangspunkt für ein weites, heute noch unentwickeltes Gebiet, das sich aber entwikkeln wird. Und Haifa hat als Hintergrund den Emek, das Hauptzentrum unserer kolonisatorischen Tätigkeit. In 5 bis 6 Jahren wird Haifa eine Großstadt sein, eine Großstadt mit einem von einem jüdischen Bauernvolk bewohnten Hinterland. Heute schon reist man von Tiberias bis Haifa auf jüdischem Boden, mitten durch jüdische Dörfer. Weizmann gab einen Überblick über die kulturelle jüdische Entwicklung in Palästina und kam dann auf das Verhältnis zu den Arabern zu sprechen. Eine Spannung sei vorhanden; im Interesse der Arbeit und des guten jüdischen Namens müsse man darauf hinarbeiten, daß diese Spannung verringert werde. Gute Ansätze hierzu sind in der Wirtschaft zu bemerken. Wenn es uns in der gleichen Weise wie bisher gelingt, diese Linie langsam und mit Festigkeit weiterzuführen, muß der Antagonismus schwinden, zumal wenn sich die politische Situation verbessert und eine Regierung in London sitzt, die keinen Passfield zum Kolonienminister hat, und eine Administration in Palästina vorhanden ist, der kein Chancellor als High Commissioner vorsteht, also bei einer Politik, die Verständnis für unsere Aufbauarbeit zeigt, wenn sie uns auch nicht gleich um den Hals fällt. Wenn sich die Situation nicht verschlechtert, könnten wir in den nächsten vier Jahren mit einer Einwanderung von jährlich 10 000 Menschen rechnen. Ich glaube, daß, wenn wir noch 40 000 bis 50 000 Menschen ins Land bringen, wir, unter Berücksichtigung des natürlichen Zuwachses, vor Überfällen gesichert sein werden. Die Sicherheit darf aber nicht in jüdischer Polizei oder englischen Bajonetten bestehen, sondern in unserer eigenen unerschütterlichen Festigkeit. Der Tag, an dem die britische Armee Palästina wird verlassen können, wird für mich der Tag sein, von dem angefangen unsere Heimstätte auf sicherer Grundlage steht. Weizmann sprach eingehend über die finanzielle Situation Palästinas und riet denjenigen, die ihr Geld noch nicht an den Börsen von London und New York verloren haben, es in Palästina anzulegen. Auf der palästinensischen Börse — die nicht existiert — herrscht Hausse. Aber wir brauchen nicht mit der Konjunktur des Tages, wir bauen langsam und geduldig, setzen einen Ziegel auf den anderen, bauen ein Dorf nach dem anderen. Allmählich und stetig wächst das Jüdische Nationalheim. Weizmann sprach auch von der Position der Juden in verschiedenen Ländern, wo die jüdische Leistung, weil sie in der allgemeinen Leistung aufgeht, nicht anerkannt wird. Palästina aber bedeutet jüdische Leistung von der Wurzel bis zum Wipfel. Deshalb interessiert die Welt das Schicksal der 200 000 Juden in Palästina mehr als das der 2 Millionen Juden in New York. Weizmann gab der Meinung Ausdruck, daß das Mandat noch lange gelten wird, vielleicht noch 10 oder 20 Jahre, und schloß mit dem Ausdruck des Glaubens, daß die kommende jüdische Generation es leichter haben wird als die heutige. Aus der Jüdischen Welt Der neunte Band der Encyclopaedia Judaica erschienen Berlin, 18. September. (JTA.) Trotz Wirtschaftskrise ist es dem Verlag „Eschkol“, Berlin, gelungen, das großangelegte Werk der „Encyclopaedia Judaica“, das unter der Chefredaktion von Dr. Jakob Klatzkin und Prof. Ismar Elbogen erscheint, fortzusetzen. Dieser Tage gelangte der neunte Band, der die Artikel von „Jerusalem“ bis „Kimchi“ enthält, zur Ausgabe. Von den großangelegten Monographien dieses Bandes sind insbesondere zu nennen: Jeschiba, Jesaja, Jesus, Jiddische Sprache und Literatur, Josephus, Kabbala, Kalender, Kanäer, Katakomben, Ketubba. Wie die früheren Bände ist auch dieser Band mit zahlreichen Illustrationen, darunter auch farbigen, sowie Noten, ausgestattet. Der neue Wiener Erzbischof und die Juden Wien, 21. September. (JTA.) Wiens neuer Erzbischof, Universitätsprofessor Dr. Theodor Innitzer, gilt als der am judenfreundlichsten gestimmte katholische Politiker Österreichs. Als Universitätsrektor hat er energisch jeden Versuch zu antisemitischen Ausschreitungen unterdrückt und die Gleichberechtigung der jüdischen Studentenschaft gewahrt. Ebenso wahrte er die jüdische Gleichberechtigung als Unterrichtsminister, wenngleich manche seiner Versprechungen nach dieser Richtung infolge des Widerstandes seiner Kollegen im 0 CAFE KONDITOREI CITY DER VORNEHME AUFENTHALT IM TSGLgeöffnet VON 8 UHR VORM. STADTZENTRUM WEINSTRASSE 4 bis i uhr nachts

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