Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 39 (23.9.1932)
- Date
- 1932-09-23
- Page
- Seite 312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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312 Das Jüdische Echo Nr. 39 stenzfrage bringen will. Diese maximalistische Konzeption ist verwirklichbar, nicht heute und nicht morgen, und vielleicht nicht in unserer Generation, aber alles, was bisher in Palästina geschaffen wurde, bestätigt den Glauben an die Möglichkeit dieser Verwirklichung. Nur wenn wir diese zionistische Lösung, verbunden mit der bewußt distanzierten Haltung und dem Erlebnis unseres Sonderschicksals und unserer Sonderexistenz proklamieren, werden wir und wird das jüdische Volk die Kraft haben, die Leiden dieser Zeit zu überstehen. Leiden sind für ein Volk nicht immer ein Unglück. Ein Volk kann stark aus seinen Leiden hervorgehen, größer und gefestigter. Die Gefahr liegt nur im sinnlosen Leiden, wenn ein Volk nicht mehr weiß, wofür es blutet: und deswegen ist es unsere Aufgabe, durch die Proklamierung unserer seelischen Haltung, durch die Proklamierung einer großen zionistischen Idee als der Lösung der jüdischen Frage den Leiden dieser Epoche einen Sinn zu geben. Die jüdische Legende hat immer daran geglaubt, daß die Erlösung nur kommen wird nach einer Zeit furchtbarer Not. Wenn wir mit aller Energie an den Aufbau Palästinas gehen und dort die Fundamente legen für ein gesichertes und schöpferisches jüdisches Leben, dann werden wir den Leiden der Gegenwart ihren Sinn geben und sie zu einem Durchgangsstadium, — einem bitteren, aber vielleicht unvermeidlichen — für den Aufbau einer besseren und produktiveren jüdischen Zukunft werden lassen. Richard Lichtheim legt die Leitung des deutschen Revisionismus nieder Berlin. Herr Richard Lichtheim erklärt, daß er den Vorsitz im deutschen Landesverband der Zionisten-Revisionisten niederlege, weil er die von der Fünften Revisionistischen Weltkonferenz in Wien gefaßten Beschlüsse nicht billigt und' nicht vertreten kann. Herr Lichtheim erklärt dem ITA-Vertreter hierzu noch folgendes: „Ich habe schon vor einer Reihe von Wochen in einem vertraulichen Brief an das revisionistische Exekutiv-Komitee in London einige Forderungen aufgestellt, die für meine weitere Beziehung zur revisionistischen Union von Bedeutung sein würden. Dieser Brief ist ohne mein Wissen und Zutun veröffentlicht worden, was ich seinerzeit sehr bedauert habe. Andererseits vertrete ich selbstverständlich den Inhalt der Forderungen heute genau so, wie ich sie damals in dein Briefe niedergelegt habe. Ich halte es für notwendig, den Beschluß von Calais aufzuheben. Ferner verlange ich nach wie vor eine Klarstellung der politischen Beziehungen zu England und wende mich gegen leere Demonstrationspolitik, die ihrer Natur nach nur aus Worten bestehen kann, denen niemals Taten folgen werden — es sei denn, daß man Dumme-Jungen-Streiche in Palästina als Täten ausgibt. Schließlich habe ich verlangt, daß den jetzigen Zuständen in der revisionistischen Partei Palästinas ein Ende gemacht wird. Diese -Zustände sind unerträglich. Leider hat die Wiener Konferenz, an die ich diese Forderungen ebenfalls in einem langen Briefe gestellt habe, meinen Wünschen nicht entsprochen. Ich hätte mich allenfalls mit der Verlängerung des Calais-Provisoriums abgefunden, und zwar mit Rücksicht auf die besondere Stellung, die der Präsident der revisionistischen Union einnimmt, jedoch konnte ich mich nicht damit abfinden, daß die anderen von mir erwähnten Fragen in einem Sinne besprochen und behandelt wurden, der meinen Auffassungen widerspricht. Sehr überrascht bin ich durch die Tatsache, daß der Calais-Beschluß nicht nur bestätigt wurde, sondern daß darüber hinaus noch eine besondere Resolution gefaßt wurde, worin gesagt wird, daß die Revisionisten ausschließlich der Disziplin der revisionistischen Union unterstehen. Ich weiß nicht, wie dieser Beschluß mit den Erklärungen in Übereinstimmung gebracht werden kann, die wir kürzlich im Aktions-Comitee zur Frage der Disziplin gegenüber der Zionistischen Organisation abgegeben haben. Ich will aber diesen Gegenstand nicht weiter erörtern, solange mir der genaue Text nicht vorliegt. In jedem Falle kann ich nach den in Wien gefaßten Beschlüssen nicht mehr an führender Stelle im Revisionismus mitwirken. Ich werde abwarten, bis sich in der Partei eine bessere Erkenntnis durchsetzt.“ Richard Licht heim, geh. 1886' in Berlin, steht von je in der zionistischen Bewegung an wichtiger Stelle. 1911 bis 1913 redigierte er das zionistische Zentralorgan „Die Welt“, 1913 bis 1917 lebte er in Konstantinopel als diplomatischer Vertreter der Zionistischen Organisation und trat 1921 in die zionistische Exekutive in London ein, wo er das Organisationsd'epartemenl leitete. Nachdem der Karlsbader Zionistenkongreß 1'923 die von ihm bekämpfte Jewisli Agency- Politik Dr. Weizmanns gebilligt hatte, wurde Lichtheim ein Führer der zionistischen Opposition und trat später der Union der Zionisten-Revisionisten bei, in deren Exekutive er gewählt wurde. In der Union war er der Führer der gemäßigten Richtung, die für die Aufrechterhaltung des Zusammenhangs mit der Zionistischen Organisation einlritt. Aus der jüdischen Welt Mildes Urteil für einen der „einen Juden schachten“ wollte Berlin, 14. September. (JTA.) Das Schnellschöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den 24jährigen SA- Mann Kurt Kirchner wegen schweren Exzesses zu fünf Monaten Gefängnis. Kirchner hatte in der Nacht zum 2f>. August in der Nähe des Belle-Alliance-Platzes einen 15jährigen Friseurlehrling angegriffen, ihn einen „dreckigen Juden“ genannt und gedroht, ihn mit seinem Taschenmesser zu „Schächten“. Er schleppte den jungen Menschen durch mehrere Straßen. Den Polizeibeamten, die ihn stellten, erklärte er, daß er „als SA-Mann die Staatsgewalt für Hitler ausübe“. Vor Gericht entschuldigte er sich mit schwerer Trunkenheit. Erste hebräische Jugendtagung in Berlin Berlin, 19. September. (JTA.) Am 17L September wurde im Lehrervereinshaus zu Berlin die erste hebräische Jugendtagung mit einer Ansprache des Vorsitzenden des hebräischen Jugendrates, Nachuin Levin, eröffnet. Es nahmen an der Konferenz ©& Delegierte von zehn Jugendbünden aus 18 Städten teil. Die Hauptreferate wurden von Mosche Schapiro, Nachum Levin (beide Berlin-Palästina) und von Resnikow (Breslaq) gehalten. Es wurde u. a. beschlossen, daß die hebräische Bewegung unter der Jugend sich nur in organischer Verbindung mit dem schaffenden Palästina entwickeln kann. Nachum Levin führte ungefähr aus: Palästinas Erde, Chaluziuth und hebräische Sprache sind der höhere Sinn unserer Renaissance-Bewegung. Zionismus ohne Hebräisch und ohne Judentum ist: Biro-Bidschan. Hebräisch ohne Zionismus ist: Loschon Kaudesch. Es wurden praktische Beschlüsse gefaßt, die für die Entwicklung der hebräischen Bewegung unter der Jugend Deutschlands entscheidend sein sollen, so u. a. Beschlüsse betreffend