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Das jüdische Echo · 1932-09-23 · 39 (23.9.1932) · p. Seite 313

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
39 (23.9.1932)
Date
1932-09-23
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 313 Veranstaltung hebräischer Lager, Seminare, Feste (Chag Habikurim). Das Sprengstoffattentat in Groß-Gaglow Kottbus, 13. September. (JTA.) Die vom Berliner Kriminalkommissar Dittschlag geleitete Untersuehung in der Angelegenheit des SprengslofTattentals in der jüdischen Siedlung Groß-Gaglow am 17'. August, durch das ein neuerbautes Siedlerhaus in die Luft ging, hat zu einer vollen Aufklärung der Umstände des Attentats geführt. Die erste handgreifliche Spur, die zu den Attentätern führte, waren die Beobachtungen eines Dorfbewohners, der um die Atlentatszeit das Geräusch eines Motorrades von der Atlentatsstelle her gehört hat. Als Sprengstoff wurde ein Kilopäckchen Ruborid verwandt. Dieses wurde von den Tätern an einer zwei Meter langen Zündschnur in den Keller des Hauses geworfen. Die Täter haben nach Ausbrennen der Zündschnur noch drei Minuten Zeit gehabt, sich auf das Motorrad zu schwingen und davon zu fahren. Die Namen der fünf Verhafteten und bereits — zum Teil durch direktes Geständnis — überführten Attentäter sind: Das Apothekerehepaar Heinrich in Kotfbus, das das Material geliefert haben soll, und die drei nationalsozialistischen SS-Leute Hoffmann, Reinhardt und Steinbrück. Reinhardt ist Führer einer Motorradableilung der Nationalsozialisten. Schächtsverbotsantrag im Ausschuß des Hessischen Landtags abgelehnt D a r m s t a d I , 14. September. (JTA.) Der Ausschuß des Hessischen Landtags hat — wie der Reichszentrale für Schäehtangelegenheiten mitgeteilt wird — den von den Nationalsozialisten eingebrachten Antrag, in dem die Regierung aufgefordert wird, ein Verbot des Schäcbtens für das Land Thüringen zu erlassen, mit Stimmengleichheit abgelehnt. Mit dem ’^rag wird sich das Plenum des Landtags in etwa vierzehn Tagen befassen. Schächtverbot in Eger Prag, 15'. September. (JTA.) Der Stadtrat der deutschen Stadt Eger hat beschlossen: ,,Zur Vermeidung von Tierquälerei sind die Tiere bei Schlachtungen nach jüdischem Ritus vor der Blutentziehung nach Vorschrift zu betäuben.“ In der Begründung dieses Beschlusses wurde hinzugefügt: „Durch die modernen Betäubungsapparate usw., welche sogar mit den Religionsgesetzen der Juden nicht im Widerspruch stehen.“ „Selbstwehr“ weist noch darauf hin, daß Eger, die althistorische Stadt im Zentrum der westböhmischen Bäder, mit dem Fremdenverkehr und der Frequenz der Kurgäste rechnet. Die Kurfrequenz ist nahezu 75 Prozent jüdisch. Die nichtjüdischen Geschäftsleute in Eger führen spezifisch jüdische Andenkenartikel. Solange diese Kurgäste sich jüdisch-rituell verpflegen können, ist Eger für sie ein Anziehungspunkt, ist es aber nicht der Fall, meiden sie diese „feindliche Stadt“. Jugoslawische Zionisten wollen jährlich eine Million Dinar für Bodenkauf in Palästina aufbringen Belgrad, 18. September. (JTA.) Die Landeskommission des Keren Kajemeth für Jugoslawien hat die Verpflichtung übernommen, zwecks Ansiedlung von Chaluzim unter den Juden Jugoslawiens in den nächsten drei Jahren jährlich eine Million Dinar für den Keren Kajemeth Lejisrael aufzubringen. Die Kampagne wird unter der Devise „Boden für jugoslawische Chaluzim“ geführt. Der Boden, den das Direktorium des Keren Kajemeth auserwählt hat, befindet sich in der Orangen-Zone in unmittelbarer Nähe der Wadi Hawarith-Böden. Sportantisemitismus in Lettland — Antisemitische Ausschreitungen in Riga Riga 13. September. (JTA.) Anläßlich eines Fußballkampfes zwischen Hakoah in Riga und einem Team lettländischer Studenten, bei dem Hakoah 1:2 siegte und in eine höhere Klasse aufs lieg, kam es zu antisemitischen Demonstrationen lettländischer Studenten, die in Überfälle auf jüdische Sportzuschauer und Passanten ausarteten. Schon während des Spiels versuchten die Studenten, als sie sahen, daß Hakoah im Vorteil sei, Exzesse zu provozieren, um die Polizei zum Einschreiten bzw. zur Unterbrechung des Kampfes zu veranlassen. Dieses gelang ihnen nicht, und auch ein Versuch, nach Beendigung des Spiels Tumulte auf dem Spielplätze hervorzurufen, mißlang. Die Studenten blockierten sodann das Sportfeld unter Absingen antisemitischer Lieder und unter Rufen, Juden gehörten nicht in die Oberklasse, man werde an den jüdischen Abenteurern, die die Schiedsrichter bestochen haben, Rache nehmen usw. Die Hakoah- Mannschaft mußte sich vor der Übermacht in einen geschlossenen Raum zurückziehen, der durch Stacheldraht gesichert war. Die Polizei säuberte das Feld, wo dann die Demonstranten in der Zahl von mehreren hundert Studenten unter den Rufen „Schlagt die Juden! Lettland erwache!“ in die Stadt zogen und mehrere junge jüdische Sportzuschauer, die ebenfalls in die Stadt zurückkehrten, überfielen. Der Plan der Tausend-Familien-Siedlung in Palästina schreitet fort Jerusalem, 14. September. (JTA.) In Ausführung des Beschlusses der Jewis Agency, tausend jüdische Mittelstandsfamilien in Palästina auf dem Lande anzusiedeln, wurden bereits 1100 Dunam Boden in Wadi Hawarith mit Orangen bepflanzt. 286 Häuser für die Siedler befinden sich jetzt im Bau, der Bau weiterer Häuser wird demnächst in Angriff genommen. Die Errichtung von neun geschlossenen Siedlungen für die tausend Familien ist vorgesehen, von diesen werden fünf, und zwar für 425 Familien, auf Wadi Hawarith-Boden errichtet. Das Werk der Tausend-Familien-Siedlung steht unter der Leitung von Dr. Maurice B. Hexter, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency. Arabische Exekutive lädt Juden zur Ausstellung der arabischen Länder nicht ein J e r u s a 1 e m , 13. September. (JTA.) Die arabische Exekutive arrangiert als Gegenaktion gegen die erfolgreich verlaufene Palästina- und Levante- Ausstellung, die im Frühling dieses Jahres in Tel- Awiw stattgefunden hat, für das Jahr 1933 eine spezifisch arabische Ausstellung, in der die Erzeugnisse der Länder Irak, Syrien, Ägypten und Palästina gezeigt werden sollen und die auch eine europäische Abteilung haben wird. Erzeugnisse von Juden sollen auf dieser Ausstellung nicht zu sehen sein. Die arabische Exekutive lehnte den von der Palästinaregierung ihr gemachten Vorschlag, auch jüdische Produzenten zur Beteiligung an der Ausstellung einzuladen, ab. Gemeinden- und Vereins-Echo Zionistische Ortsgruppe München Am Donnerstag, dem 29. September, abends 8.15 Uhr, im Lessingsaal, Herzog-Rudolf-Straße 4, Bericht der Münchener Delegierten über den Frankfurter Delegiertentag.

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