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Das jüdische Echo · 1932-09-16 · 38 (16.9.1932) · p. Seite 303

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
38 (16.9.1932)
Date
1932-09-16
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 3° 3 schäftsführenden Ausschuß sollen in Berlin gelegentlich Beratungen der führenden Zionisten über die laufende Arbeit slattfinden. Der neue Geschäftsführende- Ausschuß, der einstimmig gewählt wurde, setzt sich aus Alex. Adler, Lazarus Barth, Dr. Oskar Wolfsberg, Alfred Berger, Dr. Georg Lubinski, Dr. Georg Landauer, Isaak Feuei ing, Dr. Martin Rosenhlüth, Dr. Siegfried Moses und Dr. E. Straus zusammen. Dem Landesvorstand gehören entsprechend ihrer Fraktionsstärke auf dem Delegierienlag Vertreter der Allgemeinen Zionisten, der sozialistischen Linken, des Misraehi und der zionistischen Frauen an. Auch diese Wahl erfolgte einstimmig. Äuflösung jfum Ende dieser Woche hatte man allgemein die Reichstagsauflösung erwartet; die Tatsache seihst konnte also nicht unvorbereitet kommen. Die Umstände aber, unter denen sie vollzogen wurde, werfen ein eigenartiges Licht auf die gesellschaftlichen und politischen Zustände Deutschlands. Wenn man nämlich nicht schon vergessen hat — man vergißt sehr rasch hierzulande — wie die Regierung Papen- Schleicher ans Ruder kam, mit welchen Mitteln sie ihre Vorgängerin aus dem Amte gedrängt hatte, wie sie von den Nationalsozialisten begrüßt wurde, dann muß man sich sagen, daß all die großen Wort- und Briefkämpfe die unlösbar erscheinenden Konflikte, vielleicht doch nicht mehr als Spiegelfechterei und manchmal höchst unwürdige Komödie sind. Höchstens könnte man noch annehmen, daß die Herren Politiker, die da heute einander umarmen, um sich morgen heftigst zu befehden, die an einem Tage einander vor der ganzen Nation schärfsten Kampf ansagen, um am nächsten gesellschaftlich miteinander zu tafeln, töricht wie kleine Kinder sind und gehässig wie große und alle miteinander nicht wissen, was sie wollen. (Daß sie es darauf angelegt hätten, sich gegenseitig zu betrügen, kann man nämlich deshalb nicht vermuten, weil sie das doch viel zu plump angefangen hätten.) Und so bleibt denn der bestimmende Eindruck: Die Vordergrundsereignisse können nicht die entscheidenden sein, sie besagen wenig oder nichts über den wahren Kampf, der sich in der deutschen Rechten abspiel l und lassen nicht einmal ahnen, wer die eigentlichen Akteure sind, wo die eigentlichen Bündnisse und Pakte geschlossen sind und wohin sie zielen. Dieses Rätsel hat die Auflösung des Reichstags nicht gelöst. Auch in dem neuen Wahlkampf, den wir nun zu überstellen haben werden, dürfte die Lösung kaum sichtbar werden: die landläufigen Parolen haben sich noch immer nicht abgebraucht und die Well will offensichtlich betrogen sein. So wird denn Hitler wieder als der von, Gott berufene Streiter gegen uns Juden in den Kampf ziehen, glorreicher noch und schöner als bisher, als Sieger und in der Aura des Märtyrers, den das wellbeherrschende Judentum in Deutschland nicht an die Macht hat kommen lassen — wie der Völkische Beobachter jammernd und gei-• fernd seinen Lesern eröffnele. So wird1 denn der unerreichte Propagandachef des Jahrhunderts, Herr Goebbels, seine Pogromaufforderungen von neuem gegen uns loslassen. Und' die Strenge der Autoritätsjegierung mit dem nationalsozialistischen Rundfunkdiklator wird über Gerechte und Ungerechte einen Burgfrieden anordnen, der die einen nicht hindert zu reden und die anderen nicht hindert zu schweigen. Auch dieser Wahlkampf wäre zu ertragen, dürfte man wenigstens hoffen, daß er eine Entscheidung zum Besseren bringen könnte. Das aber scheint unmöglich. Die Zusammensetzung des neuen Reichstags wird wohl kaum wesentlich anders sein, als die des allen; es mag nur sein, daß die Nationalsozialisten, nachdem sie sich durch Zuckerbrot nicht kirre machen ließen, vielleicht doch von der Peitsche der Herren Papen und Schleicher zu zähmen sind. Ein Gelingen der Kur in diesem Sinn würde gewiß nur die latente Liehe der Reichsregierung zum nationalsozialistischen Gedanken, zu der sich der Reichskanzler sogar in seiner Rede nach der Auflösung noch bekannte, verstärken. Und allerhand Pläne von Verfassungsänderungen, Umhau an allen möglichen Stellen liegen wie eine Gewitterwolke über dem Land, das hoffnungslos und dumpf in dieses Dunkel hineinwählt. Die deutschen Juden werden ihre ganze Zähigkeit und ihren letzten Lebenswillen brauchen, um sich in den bevorstehenden Stürmen zu behaupten; sie sollten immerhin tun, was sich tun läßt, um ihre Reihen fester zu schließen, und wenigstens sollten sie sich beeilen, eine gute und arbeitsfähige Reichsorganisation unter Dach zu bringen, ehe sie vielleicht der dazu notwendigen Bewegungsfreiheit beraubt werden. I. E. Vor Rosch Haschanah 5693 Ein Aufruf der Jugend Wir zehntausend Jugendliche, die in zionistischen Bünden Deutschlands organisiert sind, wenden uns zu Beginn des neuen Jahres an die jüdische Öffentlichkeit mit folgendem Aufruf: Wir sind Schüler und Studenten, Angestellte, Handwerksgehilfen und junge Arbeiter. Die Werktätigen unter uns sind zur guten Hälfte erwerbslos, die Aussichten der Übrigen sind traurig. Die Schüler und Hochschüler unter uns mühen sich zum großen Teil durch harte Jahre, die Berufsaussichten nach dem Studienabschluß sind trostlos. Unser Weg durch die Schulen ist voller Demütigungen, unser ökonomisches Ringen ist schwerer als das der anderen Arbeitsuchenden, weil wir Juden sind. In dem neuen Kampf um die Gleichberechtigung in Deutschland wollen wir uns nicht abseits halten. Aber als die Lebensaufgabe, welche die entschlossenste Anstrengung verlangt, sehen wir den Zionismus an. Wir wollen uns unsere Existenz aufbauen im Sinne jüdischer und konstruktiver Ideen. Für uns bedeutet Palästina, der Inbegriff unserer nationalen, unserer sozialen und Traditions-Ideale, noch in ganz anderem Maße als für die Vätergeneration eine Hoffnung, es ist unsere einzige Hoffnung. Und es ist ein reales Ziel. Wir glauben daran, daß Palästina in unserer Generation Hunderttausende aufnehmen kann — und wir wollen dazu gehören! Sechshundert von uns sind bereits Mitglieder der Chaluz-Verbände und in landwirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildungsstellen. Zweihundertachtzig haben seit 1929 den Weg ins Land gefunden und die großen Siedlungen Giwath Brenner und Naaneh und die gesetzestreue Kwuzali Rodges mit aufgebaut. Schafft uns die Möglichkeit, daß nicht knapp einhundert, sondern einige Hundert im Jahr hinübergehen! Schafft Arbeitsplätze in Palästina für jüdische arbeitslose Jugend Deutschlands! Wir wissen, wie sehr Tempo und Umfang der nationalen Kolonisation unter den Mindereinnahmen der Fonds in diesen Jahren der Wirtschaftskrise zu leiden haben. Wir kennen die Schwierigkeiten der Spender, zu denen auch unsere Eltern

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