Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 37 (9.9.1932)
- Date
- 1932-09-09
- Page
- Seite 295 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 295 Der Weltkongreß der Zionisten-Revisionisten Die Hauptaussprache Wien. 30. August. (JTA.) In der Sitzung der fünften Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten von Montag nachmittag begann die Hauptaussprache. Dr. Wolfgang von Weisel und Dr. Hoffmann-Riga übten Kritik an der Tätigkeit der Exekutive der Union und forderten eine verstärkte Aktivität, um dem Revisionismus neue jüdische Massen zuzuführen, sowie eine schärfer akzentuierte Sprache gegen England. Dr Schechtmann-Paris befaßte sich eingehend mit dem Projekt der Durchführung der „Petition“ unter den jüdischen Massen der ganzen Welt gegen die Verletzung des Palästinamandats durch England. In der Sitzung vom Montag abend wurde die Frage erörtert, wie man Amerika und die anderen Staaten der Welt gegen Englands antijüdische Politik in Palästina mobilisieren könne, um diese Politik endlich zu durchstoßen. In der Sitzung vom Dienstag, den 30. August, vormittags, wurde zum erstenmal auch Kritik an Jabotinskys Führung geübt. Palästinensische Redner erhoben gegen Jabotinsky den Vorwurf, daß er den von ihm selbst gewählten Weg verlasse, seiner eigenen Vergangenheit untreu wurde und sich sogar zu Inkonsequenzen hinreißen lasse. — Allen diesen Rednern trat Robert Stricker in einer mit größter Spannung angehörten Rede außerordentlich scharf entgegen. Stricker lehnte entschieden die Methoden der von Achi-Meir geführten Gruppe ab und sprach sieb für den weiteren Bestand einerseits des demokratischen Revisionismus und der selbständigen politischen Arbeit der Union, andererseits für die Tätigkeit des revisionistischen Sonderverbandes im Rahmen der zionistischen Weltorganisation aus. Die Führerfrage Mehrere Redner befaßten sich mit dem Führerproblem und stellten fest, zwischen Jabotinsky und Meer Großmann bestünde absolute Harmonie, nur in Einzelheiten der Taktik gingen sie auseinander. Haller-Wien forderte einen revolutionären Revisionismus, da für das im Elend untergehende jüdische Volk Demokratie kein Heilmittel sei. In der Nachtsitzung zum 31. August kam es bei Verlesung eines Briefes Lichtheims an die Konferenz zu einem schweren Tumult, der eine Stunde lang andauerte und erst durch das Eingreifen der Polizei beendelt wurde. Lichtheim ersucht die Konferenz, die Beschlüsse von Calais nicht zu rativizieren, und fordert Jabotinsky auf, in die zionistische Organisation zurückzukehren, da für die revisionistischen Schekelzahler dadurch eine untragbare Lage entsteht, daß sie der Disziplin zweier Organisationen geichzeitig unterworfen sind. Lichtheim äußert seine Bewunderung für Jabotinskys Fiihrertum, kündigt aber dennoch seinen entschiedensten Widerstand an, falls die Konferenz die B eschliisse von Calais ratifiziert. Während und nach Verlesung des Briefes kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Großmann und den Mitgliedern der Palästina-Delegation, in die Delegierte anderer Länder eingriffen. Die Polizei erzwang gegen 3 Uhr morgens Ende der Sitzung, weil durch die lauten Verhandlungen die Bewohner der dem Konferenzsaal benachbarten Häuser in ihrer Nachtruhe gestört würden. Zweite große Rede Jabotinskys Wien. 1. September. (JTA.) Nach Beendigung der Hauptaussprache hielt Wladimir Jabotinsky seine zweite große Rede auf dieser Konferenz, die zweieinhalb Stunden dauerte und Delegierte wie Gäste wiederholt zu Ausbrüchen der Begeisterung hinriß. Der Revisionismus schließt alle Schattierungen innerhalb des jüdischen Volkes in sich ein, schließt niemanden aus. Allerdings müssen alle, die der Union der Zionisten-Revisionisten beilreten, einzig und allein der Disziplin der Union unterliegen. Die Konferenz müsse einen diesbezüglichen Entschluß fassen und ferner beschließen., daß die Union auf allen Gebieten eine selbständige Arbeit führen soll. Dies stehe keineswegs in Widerspruch zu der Synthese der Beschlüsse von Calais und hindert nicht die Gruppe der Schekelzahler unter den Revisionisten in ihrem Bestreben, die zionistische Organisation, die eine Firma der Jewish Agency geworden ist, zu erobern. Ich, rief Jabotinsky mit Emphase aus, habe meine Kongreßlegitimation zerrissen, aber nicht den Schekel, der schwarzumflort auf dem Tisch meines Arbeitszimmers liegt. Vielleicht kommt noch die Zeit, da ich selbst einen Schekel wieder kaufe Jabotinsky wandte sich energisch gegen die Diktaturbestrebungen gewisser Gruppen des Revisionismus. Jabotinsky wandte sich nun der Legions-Idee zu und erklärte, der die Legion betreffende Programmpunkt der Union sei ein inlregrierender Bestandteil des Revisionismus. Ich hin auch ein Gegner jedes egoistischen und agressiven Nationalismus oder Mililarismus, unsere Maßnahmen dienen bloß der heiligen Abwehr, für den Falll, daß wir angegriffen werden. Jabotinsky besprach die Politik bezüglich Englands, wies auf die praktischen Widerstandsmöglichkeiten gegen das antijüdische politische System Großbritaniens in Palästina wie in London hin und unterstrich mehrmals die absolute Legalität des Revisionismus, der allen etwa vorkommenden illegalen Handlungen sei es von Gruppen oder von Einzelpersonen fernsteht, obwohl er die gerechte nationale Empörung gegen die Vergewaltigung der jüdischen sl aal liehen Rechte versteht und schätzt. Der Schluß von Jabotinskys Rede wurde mit stürmischem langdauerndem Applaus auch seitens der palästinensischen Delegation aufgenommen, die Konferenz stimmte „Hattikwah“ an. Unter den Delegierten herrscht die Meinung vor, daß Jabotinsky durch diese seine Rede die Lage der Konferenz hinsiehlich ihrer verschiedenen Gruppierungen geklärt habe. Ende der Konferenz Wien. 5. September. (JTA.) Die fünfte Weltkonferenz der Zionisten-Revisionisten ging am Sonntag, den 4. September, nachts, nach neuntägiger Dauer zu Ende. Es wurde eine fünfgliedrige Exekutive gewählt, die sich aus Wladimir Jabotinsky, Meer Großmann, Dr. Soskin, Robert Stricker und Machower zusammensetzt. Sitz der Exekutive wird Genf sein. Jabotinsky und Großmann werden wahrscheinlich ihren ständigen Wohnsitz in Genf nehmen. Es wurde beschlossen, die „Petition“ auf Grund der in der Kommission ausgearbeiteten Richtlinien auf internationalem Boden gegen England durchzuführen. Es wurde eine Kommission zur Ausarbeitung der Richtlinien für eine politische Autonomie der palästinensischen Revisionisten eingesetzt. Die Beschlüsse von Calais wurden bestätigt. Demgemäß steht es Mitgliedern der revisionistischen Union frei, der zionistischen Organisation anzugehören oder nicht. Die Schlußworte hielten Großmann und Jabotinsky. Meer Großmann legte ein Bekenntnis zur zionistischen Organisation ah. Jabotinsky wies in seinem Schlußwort auf die politische Bedeutung der Verlegung der