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Das jüdische Echo · 1932-09-09 · 37 (9.9.1932) · p. Seite 294

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
37 (9.9.1932)
Date
1932-09-09
Page
Seite 294 (sequence 2)
Language
German
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294 Das Jüdische Echo Nr 37 ebenso zu einer alltäglichen Erscheinung geworden sind, wie die blutigen Raufereien zwischen den Angehörigen verschiedener Parteien und Nationen. Gemessen daran, ist Palästina geradezu unvorstellbar ruhig. Niemand kann und darf von Palätina die 100 prozentige Sicherheit verlangen, die es vielleicht einmal vor dem Kriege in den höchstzivilisierten Ländern gab, die aber in der ganzen Welt zu einer Legende geworden ist. Palästina ist ruhig, viel ruhiger als Deutschland oder Österreich oder Amerika und man lebt dort mindestens so sicher, wie in der Tschechoslovakai oder in Polen. Aber das bedeutet natürlich nicht, daß wir nicht auf der Hut sein müssen. Das Land hat seine Gefahren so wie jedes Land, wo zwei Nationen noch gegeneinander stehen, besonders wenn sie im Bildungsstand so weltenverschieden sind wie Juden und Araber. Aber eben darum, weil wir nicht allzu vertrauensselig sein wollen, ist es sinnlos, aus den Kleinigkeiten des täglichen Lebens Sensationen zu machen. Nichts wäre gefährlicher, als die Aufmerksamkeit der Welt, der jüdischen und der nichtjüdischen, dadurch abzustumpfen, daß wir tagtäglich ,,Räuber“ schreien. Sondern bleiben wir ruhig und gefaßt und beobachtend und werden wir nicht nervös, wenn einmal das oder jenes passiert, das für die davon Betroffenen manchmal bitter oder gar tragisch sein kann, das wir aber am allernotwendigsten dadurch aus der Welt schaffen, daß wir es zu einem Gegenstand der Übertreibung machen. Und gehen wir nach Palästina! Vertauschen wir das Galuth der europäischen Unsicherheit mit der Heimstätte der palästinensischen Sicherheit. Nur wer Palästina geschmeckt hat, weiß überhaupt, was jüdische Sicherheit bedeutet. j. b. Auftakt zum Frankfurter Delegiertentag der Z.V. f.D. Berlin, 4. September. Kurt Blumenfeld, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, ruft im Leitartikel der „Jüdischen Rundschau“ den deutschen Zionisten die Tragweite und Bedeutung des bevorstehenden zionistischen Delegiertentags, der am 11. und 12. September in Frankfurt a. M. stattfindet, ins Bewußtsein. Wir hatten, schreibt er, in der Geschichte des deutschen Zionismus noch keine Tagung, die unter so eigenartigen Umständen zusammengetreten wäre und so unmittelbare Verantwortungen zu tragen hat. Der Gegenstand, der als erster Punkt auf der Tagesordnung des Delegiertentags steht, ist von brennender Aktualität. Wir haben als deutsche Juden unsere Beziehungen zu unserer Umwelt zu klären, uns über die veränderten äußeren Bedingungen unseres Lebens in Staat und Gesellschaft Rechenschaft zu geben. Wir wissen, daß dies mit innerer Konsequenz und Wahrscheinlichkeit nur im zionistischen Geist geschehen kann. Obwohl die zionistische Bewegung nur einen Teil des deutschen Judentums darstellt, ist ihre Haltung doch von größter Bedeutung. Sie ist dem ganzen jüdischen Volk eindeutig verbunden, sie allein tritt mit dem Anspruch auf, die jüdische Lösung der Judenfrage herbeizuführen. Der größere Teil der nichtjüdischen Welt hat heute die Überzeugung gewonnen, daß die Judenfrage nicht mehr allein durch jüdische Gruppen behandelt werden könne, die bei einer ganz anderen politischen Konstellation entstanden sind und deren Vorstellungswelt im Grunde mit der Idee eines nur privaten Judentums verknüpft ist, das im öffentlichen Leben weder eine...Rolle zu spielen habe, noch spielen dürfe. Nicht nur die programmatisch antisemitischen Nationalsozialisten fragen heute nach der durch Abstammung und Schicksal bestimmten Sonderart des Menschen, auch in ganz anderen Kreisen wird die Judenfrage neu gestellt. Die zionistische Auffassung findet bei manchen Verständnis, aber auch viel Mißverständnis. Wir haben unsere Grundhaltung zu überprüfen und in ihren praktisch-politischen Konsequenzen zu bestimmen. Das ist eine Aufgabe, die in die Lebenssphäre des ganzen deutschen Judentums hineinreicht. Wir verlangen, fährt Blumenfeld fort, von den Nichtzionisten eine Neuorientierung, aber wir können nur hoffen, daß diese neue Orientierung in unserem Sinne erfolgt, wenn wir selbst überzeugend zu zeigen vermögen, wie es um die Juden in Deutschland und in der Welt bestellt ist. Wir Zionisten wissen, daß der Ruf „Nieder mit den Juden!“, der Herzl zum Zionisten machte, auf andere Juden die entgegengesetzte Reaktion erzeugte; heute können wir sehen, daß Juden ihr Schicksal nicht nur mit dem Aufstieg sozialrevolutionärer Bewegungen zu verbinden suchen, genau so wie sie einmal ihr Heim, die Lösung der Judenfrage, vom Liberalismus erwarteten. Es gibt auch, vielen Zionisten unbekannt, in ziemlich beträchtlichen jüdischen Kreisen jene verstärkte, primitive Assimilationstendenz, die uns seit jeher vertraut war. Durch Isolierung und Trennung von der eigenen Gemeinschaft hofft man, sich selbst ein besseres Sonderschicksal zu bereiten. Aber auch in der Menge derer, die nicht gewohnt sind, ihr Judentum zu verstecken, weiß man nicht genau, was gesagt und was gefordert werden soll. Bei allem, was wir erkennen und beschließen werden, steht eins für uns fest; Es gibt keine befriedigende Antwort für unser jüdisches Leben im Galuth, weder in den guten noch in den schlechten Zeiten. Der Zionismus strebt nach Palästina. Es gibt keine Überlegung in aktuellen Fragen, die parallel zu unserem Palästina-Streben einherläuft. Neben der großen Antwort Erez Israel sind alle anderen Entscheidungen bedingt und wandelbar. Die überzeugende Wirkung unserer Idee ist mit der realen Entwicklung Palästinas eng verbunden. Daher ist die zweite größere Hälfte des Delegiertentages ausschließlich der Palästina-Sache gewidmet. Ich bin überzeugt, daß wir der Palästina-Entwicklung im Augenblick eine sehr günstige Prognose stellen können und daß es darauf ankommt, mit aller in uns liegenden Energie die Einwanderung zu fördern, die Fonds zu stärken, den Bemittelten den Weg zu weisen und zu erleichtern. Vom XXIV. Delegiertentag soll ein Auftrieb ausgehen. Nach den Referaten unserer palästinensischen Freunde wollen wir die Arbeit neu organisieren und uns zu einer neuen Anstrengung entschließen. Auf und nach diesem Delegiertentag wollen wir wiederum versuchen, alle arbeitswilligen Kräfte, die sich dem einheitlichen Willen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland einfügen wollen, zusammenzufassen und mit Hilfe verbesserter Einrichtungen der Zentrale, mit Unterstützung neugegründeter Arbeitsgruppen in den einzelnen Orten die Erweiterung unseres Kreises versuchen. Unseren Jugendorganisationen wollen wir beistehen in der Gewinnung und Erziehung von Pionieren für unser Land und die erwachsenen Zionisten und die deutschen Juden wollen wir unablässig an die Möglichkeiten der eigenen Alijah erinnern.

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