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Das jüdische Echo · 1932-09-02 · 36 (2.9.1932) · p. Seite 288

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
36 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
Seite 288 (sequence 4)
Language
German
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288* Das Jüdische Echo Nr, 36 Nach Jabotinsky sprach Meir Großmann, der Vizepräsident der Union der Zionisten-Revisionisten und Leiter des politischen Büros der Union. Er führte u. a. aus: Es ist wichtig festzustellen, daß sich nicht allein die Taktik des Kampfes nach innen und außen, sondern unsere politische Einstellung gegenüber England und der Zionistischen Organisation geändert hat. In der Politik kann man diesen Übergang durch zwei Momente charakterisieren: siebentes Dominion und Organisierung des Widerstands. Nicht die Liebe zu England diktierte uns die Idee des siebenten Dominions und nicht Feindschaft gegen England führte uns auf den neuen Weg des Widerstandes gegen ein feindliches Regime. Unsere politische Aufgabe in den letzten zwei Jahren bestand darin, die wirkliche Lage in Palästina festzustellen, den wahren Sinn des englischen Regimes zu enthüllen und die internationale und jüdische Öffentlichkeit auf Konsequenzen vorzubereiten, die unvermeidlich folgen müssen. Aufgabe des Zionismus ist nun: Benützung neuer Faktoren in unserem Kampfe, wie z. B. die Kraft des Jischuw, Serie politischer Aktionen im Unterhaus, in Genf u. a. m. Zwei Jahre führten wir den politischen Kampf auf der neuen Linie und dieser Kampf brachte zweifellos einige Ergebnisse. Sowohl England als auch die jüdische Öffentlichkeit begriffen es schließlich, daß die Initiative wieder in jüdische Hände überging und daß der Rückzug des Zionismus zum Stillstand gebracht wurde. Im Rahmen der revisionistischen Weltkonferenz haben sich, nach ideologischen Gesichtspunkten, einige Gruppen konstituiert, die auch nach der Konferenz ihren Bestand aufrechterhalten dürften. Die markanteste Gruppe ist der vom palästinensischen Revisionisten Abba Aehi-Meir gebildete „Klub der Revisionisten--Maximalisten“, der sich als oppositioneller Sonderblock zionistischer Revolutionäre bezeichnet. Eine andere Gruppe, der „Vereinigte Aktivistische Revisionistische Block“, tritt mit bestimmten Reformvorschlägen für die Verselbständigung der revisionistischen Arbeit hervor. Nach der Wahl des Präsidiums erstattete Dr. Rosenblum den Tätigkeitsbericht der Exekutive der Union der Zionisten-Revisionisten. Er stellte fest, daß sich der Revisionismus überall in der Welt in einem Wachstum befindet, und unterstrich die Notwendigkeit, eine Abordnung nach Amerika zu entsenden, um dort die revisionistische Bewegung weiter zu bringen. Die Sitzung von Montag Vormittag wurde durch ein Referat Meer Großmanns über Organisation, das starken Eindruck machte, abgeschlossen. Großmann verweilte insbesondere bei der als Folge der Beschlüsse von Calais notwendig gewordenen Frage der Umformung der Organisation. Die Weltunion, sagte Großmann, ist seit der Sitzung in Calais stark gewachsen und hat eine Menge neuer Mitglieder aus verschiedenen zionistischen Lagern in sich aufgenommen. Großmann sprach die Hoffnung aus,, daß diese Weltkonferenz die Fortdauer des demokratischen, konstitutionellen und legalen Prinzips sichern wird. Großmann empfiehlt die Ratifizierung d#r Beschlüsse von Calais und unterstreicht die Forderung nach bedingungsloser Unterwerfung aller Teile der Union unter die Beschlüsse der Weltkonferenz. Großmann wandte sich den Aufgaben des revisionistischen Sonderverbandes innerhalb der zion. Weltorganisation zu und sagte, Aufgabe dieser revisionistischen Schekelzahler sei es, eine Machtposition in der zionistischen Weltorganisation, ja, die Weltorganisation selbst zu erobern. Dabei aber dürfe der Sonderverband keinen Schritt prinzipieller Art machen, der dazu angetan wäre, den Weg für eine selbständige Arbeit der revisionistischen Union zu versperren. Großmann appellierte an alle Teile des Revisionismus, insbesondere an die palästinensischen Revisionisten, Disziplin zu halten, obwohl! auch er für die heilige Unruhe der palästinensischen Revisionisten, die in vorderster Frontlinie kämpfen, Verständnis hat. Großmann schloß mit einem Appell zu Eintracht und Zusammenarbeit und kündigte an, daß Jabotinsky demnächst ein Schwarzbuch veröffentlichen werde, in welchem der Wortbruch Englands gegenüber dem jüdischen Volk festgestellt und das Weltgewissen aufgerüttelt werden wird. Aus der Jüdischen Welt Friedhofsschändung in Oschersleben Berlin, 25. August. (JTA.) Auf dem über 250 Jahre alten und seit langer Zeit unbenutzten jüdischen Friedhof in Oschersleben sind, wie dem Central-Verein mitgeteilt wird, von bisher unbekannten Tätern vier Grabsteine gewaltsam umgeworfen und ganz oder teilweise zertrümmert worden. Von einem der Grabsteine wurde die Hälfte abgehauen und dieses Stück wieder auf dem Grab aufgerichtet. Polizeiliche Ermittlungen sind im Gange. Preisaufgabe der Berliner Universität über ein Thema der althebräischen Philologie Berlin, 23. August. (JTA.) Soeben wurden die Themata der von der Berliner Universität für das Studienjahr 1932/33 gestellten Preisaufgaben veröffentlicht. Die theologische Fakultät hat u. a. folgendes Thema ausgeschrieben: „Läßt sich aus dem Stile Jeremias und Deuterojesajas auf Bekanntschaft dieser Propheten mit Psalmen schließen?“ Antisemitische Ausschreitungen in Beuthen nach Verkündung der fünf Todesurteile gegen Nationalsozialisten Berlin, 23. August. (JTA.) In dem Prozeß wegen der Tötung des Arbeiters Pietzuch in Potempa (Oberschlesien) hat das auf Grund der letzten Notverordnung gegen politischen Terror eingesetzte Sondergericht in Beuthen am Montag, den 22. August, nachmittags, fünf Todesurteile gegen die Nationalsozialisten Lachmann, Kottisch, Müller, Wolnitza und Gräupner gefällt. Das Urteil wurde von den im Saale anwesenden SA-Leuten und SA-Führern mit stürmischem Protest aufgenommen. Die Unruhen setzten sich dann auch auf den Straßen von Beuthen bis in die späten Abendstunden fort. Es kam zu nationalsozialistischen Massenversammlungen auf dem Kaiser-Franz- Joseph-Platz, der im Hauptgeschäftsviertel der Stadt, in unmittelbarer Nähe des Gerichts, liegt. Die Ausschreitungen nahmen zum Teil einen direkt antisemitischen Charakter an. Die jüdischen Geschäfte in der Stadt wurden darum sämtlich geschlossen, die Rolläden wurden herabgelassen. Dennoch konnte nicht verhindert werden, daß an einer Reihe von Läden, deren Inhaber Juden sind, sämtliche Schaufensterscheiben eingeschlagen und auch sonst Schäden angerichtet wurden. Unter anderem wurden die Schaufensterscheiben einer großen jüdischen Elektrizitätsfirma demoliert. Ein jüdischer Obsthändler wurde nackt ausgezogen

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