Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 36 (2.9.1932)
- Date
- 1932-09-02
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 287 7*' ■ .it S 9 (neustes von den jüdischen Stellen nicht zü erörtern sind. Der FAI). sei eine Gegebenheit, die man unbedingt auch für die jüdischen Interessen nutzbar machen müsse. Bei allen Bemühungen soll seitens der jüdischen Zentralstellen genaueslens darauf geachtet werden, daß das Prinzip der Züsätzlichkeil und der Freiwilligkeit der Arbeit streng befolgt wird. Reehbanwalt Harovitz-Frankfurt a. M. regte an, die zahlreichen verfallenen Friedhöfe nicht mehr bestehender jüdischer Gemeindendurch ‘den Landesverband selbst im FAI). wieder her richten, und einzäunen zu lassen. Auch sonst wurden in der Dcbätte zahlreiche wertvolle Anregungen gegeben, denen naehgegangen werden wird. Über den Ausbau der jüdischen A r b e i t s n a e h - weise und die Organisierung der Erwerbsbeschaffung erstattete Adler-Rudel den Bericht. Er gab von der bisherigen Tätigkeit der Vereinigten Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise« in Deutschland Kenntnis und schlug vor, im Herbst einen Werbemonat zu veranstalten, durch den die gesamte jüdische Öffentlichkeit — Arbeitgeber und Arbeitnehmer — auf die Bedeutung der jüdischen Arbeitsnachweise und die Möglichkeiten einer organisierten Erwerbsbeschaffung. hingewiesen werden sollen. Über die S e 1 b s t h i I fe bestrebungen von jüdischen Erwerbslosen durch Gründung von Selbsthilfewerkstätten wie in Berlin und durch kollektive Selbsthilfe von Erwerbslosen für Erwerbslose, sowie über die Einrichtung von Fortbildungskursen referierte Szanlo. Als Ergebnis der Aussprache konnte festgestellt werden, daß die Nachahmung des in Berlin geschaffenen kleinen Arbeitskollektivs, auf genossenschaftlicher Grundlage nie El überall zu empfehlen ist. Wieweit die Selbsthilfe von Erwerbslosen für Erwerbslose bei den beschränkten jüdischen Verhältnissen durchzuführen ist, steht gleichfalls dahin. Über die Möglichkeiten der Berufsausbildung durch Fortbildungskurse entspann sieh eine eingehende Aussprache, als deren Resultat auch hier festgestellt wurde, daß es im wesentlichen die Aufgabe der jüdischen Stellen sein muß, die Erwerbslosen auf die allgemeinen Einrichtungen und die Möglichkeiten der Beteiligung hinzuweisen, und daß von jüdischer Seile nur zusätzliche Kurse veranstaltet werden sollten. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurde das Problem des Boykotts jüdischer Angestellter und jüdischer Firmen behandelt. An ein sehr ausführliches Referat von Dr. Ludwig Holländer, der auf die bisherigen Wege der Boykottbekämpfung und auf die Problematik der ganzen Angelegenheit, besonders auch auf die Gefahren, die von jüdischer Seite selbst einer wirksamen Bekämpfung des Boykotts erwachsen, hinwies, schloß sieh eine lebhafte Aussprache an, in der zahlreiche Anregungen und Vorschläge' gemacht^ wurden. Durch systematische Verfolgung aller gebotenen Möglichkeiten soll gegen das Eindringen wirtschaftsfei redlicher Bestrebungen und Tendenzen in das Wirtschaftsleben, von denen der antisemitische Boykott nur eine Form darslelll, angegangen werden. Die jüdischen Arbeitgeber sollen mit allem Nachdruck auf ihre Verpflichtung, auch jüdische Angestellte zu beschäftigen, hingewiesen werden. Zum Schluß der umfangreichen Tagung erstatteten R.-A. Dr. Elkeles und Direktor Benario Bericht über die Siedlungsbestrebungen und ihre Bedeutung für die Berufsumschiehlung der' deutschen .Juden und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Es wurde mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß die den jüdischen Charakter von Groß-Gaglow stärker äls bisher zu wahren. Der Reichsbund für jüdische Siedlung soll als Patron von'Groß-Gaglow dieser Aufgabe seine besondere Aufmerksamkeit widmen. Am späteq Nachmittag schloß der Vorsitzende die arbeitsreiche Sitzung, die bei allen' Beteiligten die Überzeugung gestärkt hat, daß trotz der vielfach verzweifelten Lage der Juden in Deutschland alles geschieht, was auf wirtschaftlichem' Gebiet zur Linderung der Not überhaupt unternommen werden kann, und daß in vieler Hinsicht doch auch schon Erfolge erzielt werden, die berechtigten Anlaß zu weiteren Hoffnungen in dieser Richtung geben. Die Weltkonferenz der Revisionisten Eröffnungsreden Jabotinskys und Großmanns Wien, 29. August. . (JTA.) Am Sonntag, dem 2<S. August, abends, wurde im großen Saal des Zirkus Renz in Wien bei Anwesenheit von Delegierten aus fast allen Ländern Europas und aus .Palästina, sowie vielen hunderten von Gästen die fünfte Weltkonferenz der Union der Zionisten-Revisionisl.cn durch Wladimir'.Jabotinsky eröffnet, Jabotinsky, von der Konferenz stürmisch begrüßt, gab der Konferenz ihre politische Linie in einer großangelegten Rede, in der er die folgenden Gedanken entwickelte: Die heutige Läge'des Weltjudentums' bedeutet (len endgültigen Zusammenbruch aller erdenklichen Pläne, die Judenfrage außerhalb des Zionismus zü 'lösen. Es bleibt nur die eine Lösung übrig: der Jüdenstäal. Einige Millionen Juden müssen in absehbarer Zukunft die Hauptzonen des jüdischen Elends verlassen und in Palästina ein nationales Staatswesen "bilden. Mit dem Träume, das jüdische Leben im Ghetto zu normalisieren, haben auch die ghettohaften Mißdeutungen des Zionismus Bankrott gemacht, so z. B. die Ideen von einem „geistigen Zentrum“ oder ,,binalionalen Staat“. Gegenüber der tragischen Lüge der Galuth, wie sie beute vor uns entblößt’ dasteht, bleibt nur ein Hilfsmittel als reell und der Anstrengung wert: konzentrische Massenwanderung nach Palästina; Judenstaat auf beiden Seiten des Jordan. Zionismus ist wieder das geworden, was er in Herzls Tagen war: nicht nur nationale Renaissance, sondern auch humanitäre, beinahe messianische Reltungsidee für große Massen Juden. Das aktuellste Hindernis der Verwirklichung dieser Aufgabe ist heute die Politik der Mändatarmachl. Über die Tragweite dieser Tatsache herrschen noch in unserer Milte verschiedene Auffassungen, über eines aber herrscht bei uns volle Einigkeit: wir stellten fest, daß, solange die heutigen Zustände herrschen, das englische Mandat keine ethische Grundlage hat, rechtswidrig' ist und eine Gefahr für das Judentum, für Europa und für die gesäinle Zivilisation bildet. Diese Tatsache muß jetzt der gesamten Welt klar gemacht werden. Über die Methoden dieses Kampfes wird nicht so sehr diese Konferenz als das Leben selbst entscheiden. Es i'st aber klar, daß der Kampf sich jetzt sowohl in der Diaspora, als auch in Palästina selbst entwickeln wird. Eine der wichtigsten Ka,m.j)jfpnnen wird „Petition“ heißen. Eine Petition ist mein’ als in Text mit vielen tArtersebfiffefi: 0 hi äfis^JReiihVe‘f