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Das jüdische Echo · 1932-09-02 · 36 (2.9.1932) · p. Seite 289

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
36 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
Seite 289 (sequence 5)
Language
German
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289 Nr. 36 Das Jüdische* Echo" und schwer verprügelt. Ein Lynchakt an ihm wurde durch das Dazukommen der Polizei verhindert. Die Schutzpolizei, die in großer Stärke in Beuthen zusammengezogen war, trieb die nationalsozialistischen Demonstranten wiederholt auseinander und stellte die Ruhe wieder her. Die von Breslau eingetroffenen SA-Formationen sind nach dem Eingreifen der Polizei wieder abtransportiert worden. Neue antisemitische Ausschreitungen in Beuthen Breslau, 24. August. (JTA.) In Beuthen kam es am Mittwoch, den 24. August, abends abermals zu Kundgebungen der Nationalsozialisten, die zum Teil einen antisemitischen Charakter trugen. Die aus Breslau eingetroffenen SA-Leute zogen in geschlossenem Trupp auf dem Bürgersteig durch die Hauptverkehrsstraßen, sangen nationalsozialistische Lieder und pöbelten jüdisch aussehende Passanten an. In der Bahnhofstraße versuchten Arbeitslose, ein jüdisches Abzahlungsgeschäft zu plündern, sie wurden von der Polizei daran gehindert. Gegen Mitternacht war die Ruhe wiederhergestellt. In einer mißlichen Lage sind mehrere jüdische Einwohner eines Hauses in der Bahnhofstraße, in dessen Untergeschoß sich ein SA-Lokal befindet. Die jüdischen Hausinsassen sind zuweilen peinlichen Belästigungen ausgesetzt. Einer jüdischen Hausbewohnerin wurde von SA-Leuten gesagt, sie dürfe wohl das Haus verlassen, aber nicht in dasselbe zurückkehren. Einem christlichen Hausbewohner wurde vom SA-Leiter ein Passierschein ausgestellt. Strafe für Selbstschutz Breslau, 23. August. (JTA.) Wie die in Breslau erscheinende „Volkswacht für Schlesien“ mitteilt, ist der jüdische Geschäftsmann G. aus Schweidnitz von Nazis nach wiederholter Bedrohung vor einiger Zeit niedergeschlagen und so schwer verletzt worden, daß er noch heute an einem schweren Nierenleiden krank liegt. Nach der bestialischen Tat wurde G. weiterhin bedroht, was ihn veranlaßte, sich einen Dolch und Schlagring zu seiner persönlichen Sicherheit anzuschaffen. Dieserhalb wurde er dieser Tage in Schweidnitz zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt, während die namentlich festgestellten Nationalsozialisten, die die Drohungen ausgestoßen hatten, frei ausgingen. Polnisches Rechtsbüro Dr. Samuel F e n i g e r, der frühere polnische Konsul in Berlin, welcher seit Beginn dieses Jahres von seinem Amte zurückgetreten ist, errichtete am 1. Juli 1932 ein polnisches Rechtsbüro in Berlin, Genthiner Straße 16. Die polnische Kolonie in Berlin, bei der Dr. Feniger, der seit 12 Jahren sein Amt als Konsul bekleidete, außerordentlich beliebt ist, begrüßt dieses Institut aufs wärmste. Dr. Feniger gilt übrigens auch in juristischen wie in Regierungskreisen als einer der besten Kenner des polnischen Rechtes. Anschlag auf das Tietz-Warenhaus in Remscheid Remscheid, 25. August. (JTA.) In den Verkaufsräumen des Warenhauses Tietz wurde gestern ein tränengasähnliches Gemisch in Papier eingewickelt weggeworfen. Drei Frauen, die als Täter in Frage kommen, sind der Polizei vorgeführt worden. Das Laridesarbeitsamt Bayern genehmigt die Neuerrichtung einer Stellenvermittlung für sabbathhaltende Stellensuchende Münch e il, 23. August. Der Verwaltungsausschuß des Landesarbeitsamtes Bayern genehmigte die Neuerrichtung einer nicht gewerbsmäßigen Stellenvermittlung und Berufsberatung für den Bezirk des Landesarbeitsamtes Bayern durch den Verein Schomre Schabbos in Fürth in Bayern, soweit sie sich lediglich auf sonnabendfreie Beschäftigung und auf solche jüdische Personen erstreckt, die aus religiösen Gründen am Sonnabend nicht arbeiten wollen. Naziterror gegen einen jüdischen Rechtsanwalt im Gerichtssaal Eberswalde, 25. August. (JTA.) Voi der Großen Strafkammer in Eberswalde begann heute die Verhandlung wegen der Unruhen, die sich am Wahltage in Finow ereigneten. Rechtsanwalt Joachim, der Verteidiger der mitangeklagten Reichsbannerleute, wurde an der Tür des Gerichtssaales von uniformierten SA-Leuten unter Führung des wegen Betruges vielfach vorbestraften SA-Führers Krätzer mit dem Rufe begrüßt:' ^Schmeißt' ihn hinaus, den Judenlümmel, schlagt ihn tot!“ Der Zusammenschluß der zionistischen Arbeiterverbände Poale Zion und Hitachduth vollzogen Danzig, 22. August. (JTA.) In den letzten drei Tagen haben in Danzig die beiden zionistischen Arbeiterverbände Poale Zion und Zeire Zion-Hitachduth, jede für sich, Beratungen' abgehalten, die dem Zusammenschluß dieser beiden Verbände zu einem einzigen zionistischen Arbeiterverband gegolten haben. Am Montag, den 22. August, nachmittags, traten die Führer der beiden Verbände zu einer gemeinsamen Konferenz zusammen, in der die Formulierungen betreffend den Zusammenschluß beschlossen worden sind. Nazi-Sturm gegen den Präsidenten der Wiener Advokatenkammer Dr. Kantor Wien, 29. August. (JTA.) Eine große Gruppe Nazis drang in den Wiener Justizpalast ein und bedrohte den Präsidenten der Advokatenkammer Dr. Kantor, der Jude ist. Dr. Kantor konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die eingedrungenen Nazis zertrümmerten unter großem Gejohle die Einrichtung des Kammerbüros, beschmierten die Wände mit Hakenkreuzen und Inschriften wie „Juda verrecke!“ und „Hängt den jüdischen Präsidenten!“ Als die herbeigerufene Polizei an Ort und Stelle erschien, waren die Huligans bereits entkommen. Man schätzt den von ihnen angerichteten Schaden auf 5000 Schillinge. Der Ausschuß der Advokatenkammer beschloß, eine strengere Kontrolle der Besucher des Hauses einzuführen. Man bringt diesen Überfall der Nazis in Zusammenhang mit der Hetze der Nazi-Presse gegen Dr. Kantor. Diese Presse fordert auch die nationalsozialistischen Anwälte auf, die „verjudete“ Advokatenkammer zu. verlassen und eine eigene arische Anwälte-Organisation zu bilden. 15 Monate Gefängnis für einen Thora-Dieb Budapest, 28. August. (JTA.)v Am 28. Juli wurde dem Vorsteher des Tempels in der Rombach-ucca, Julius Weisz, eine wertvolle Thorarolle gestohlen. Dem Dieb, Josef Bagyanik, begegneten, als er sich mit seiner Beute entfernte, zwei Gläubige, denen es auffiel, daß er eine Thora, in

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