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Das jüdische Echo · 1932-09-02 · 36 (2.9.1932) · p. Seite 286

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
36 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
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286 Das Jüdische Echo , *• % - , "V-'. - '*&"■ ■ V-- " spiel erkennen, welche gefährliche Waffe die Ju-< denhctze^darstellt.- Man meint Papeji,?abef man' hetzt gegeir die Juden? Man stellt HindeTibufg, Papen und Schleicher als „Judenschützer“ hin, bald wird man sie vielleicht als „Juden“ bezeichnen, gegen die gleichfalls -das „Strafgericht“ losbrechen müsse, so wie man die Richter von Beutlieii bereits zu „jüdischen Blutrichtern“ stempelt. Die Größe der Gefahr ist offenkundig. Die Geistigen des deutschen Volkes schweigen immer noch, viele' finden Entschuldigungen für die nationalsozialistische Bewegung. Die aber in dieser Situation schweigen, machen sich mitschuldig an der Ernte,-, die aus der blutigen Giftsaat aufgehen kann,“ - Neue Spannung Zwar hat Herr von Papen Jn seiner großen Rede vom Sonntag Hitler tüchtig abgekähzelt und wegen seiner „Zügellosigkeit“ gerüffelt, aber am Montag traf er sich auf gesellschaftlichem Boden mit ihm, um zu versuchen, ob sich nicht doch die gütliche Einigung finden ließe, die er also trotz seiner scharfen Worte sucht. Was an dieser Besprechung merkwürdiger war, ob Papen den „Zügellosen“ zum Partner gewinnen wollte oder ob Hitler sich mit dem „Judenschützler“ an einen Tisch setzte, ist ein Rätsel, dessen Lösung nur einem Seher gelingen könnte; die Tatsache selbst beweist zur Genüge, daß auf alles, was im Vordergrund der politischen Bühne geredet und gespielt wird, nicht das geringste Gewicht zu legen ist. So ist es auch höchst gleichgültig, daß sich die Nationalsozialisten bei der Reichstagseröffnung höchst wohlerzogen benommen haben und sich gerierten als ob sie mit dem Zentrum Freundschaft schließen wollten. Das wird sie nicht hindern, morgen wieder heftig auf das Zentrum los zu hacken, wenn dies in ihren Kram paßt. Die Annahme, daß es dem Zentrum bereits gelungen wäre, die Nationalsozialisten zu bändigen, ist optimistisch und jedenfalls verfrüht; die Zentrumsführer werden selbst die größten Zweifel hegen, ob' eine Zusammenarbeit mit einer Partei überhaupt möglich ist, deren Versprechungen sich bisher noch immer als unehrlich erwiesen haben. . Was also auch kommt, ob Herr von Papen den Reichstag,-auflöst und verfassungsmäßig Neuwahlen ansetzt, ob er zwar auflöst aber nicht an Neuwahlen denkt, ob sich eine Koalitionsregierung aus Zentrum und Nationalsozialisten bildet, die den Forderungen des Reichspräsidenten genügt oder ob sich das Wunder ereignet, daß es eine Regierung Papen-Nationalsozialisten gibt, die im Reichstag eine Mehrheit findet, nur zwei Dinge stehen fest. Herr von Schleicher wird immer bei der Partie sein und das Problem der deutschen Politik lautet nach , wie vor, wie bringt man die Nationalsozialisten an die Verantwortung, ohne ihnen die Staatsmacht voll und ganz auszuliefern. Die ,Lösung dieses Problems wird auf jeden Fall noch längere Zeit, in Anspruch nehmen und die Versuche in dieser Richtung werden täglich neue Spannungen mit sich bringen. Wir Juden werden dabei erleben, daß wir mehr noch als bisher die Prügelknabenc dieser Entwicklung sind, Schläge, die der Regierung zugedach.t sind, werden uns treffen und die-Regierung wird diese Schläge vermutlich vornehm übersehen. Je.mehr Fesseln sich die Nationalsozialisten .anderweit^;auflegen müssen, desto zügelloser werden;sie die Judenhetze betreiben? ohne , darin 'sonderliche Störungen befürchten züv müssen. Beweis; Der.,Angriff“ ist verboten . - ’ - ■ i, * ■■ '-H. wprden,. aber, beileibe nicht seiner Pogromhetze - wegen. Woraus mehr als ein/nationalsozialistischer Schreiber folgern wird, daß diese -erlaubt istr J Da werden weder Proteste helfen, noch wohlmeinende Zusicherungen auch hoher Stellen. , In den innenpolitischen Auseinandersetzungen wird letztlich keine Seite Rücksicht auf die Juden nehmen, die hierzulande eben nur eine für die große Öffentlichkeit gleichgültige und schließlich zu opfernde Gruppe sind, wenn es um die eigene Existenz geht, Objekte eines Schicksals, das selbst zu gestalten ihnen nur im Lande ihrer Väter gegeben ist. I. E. Tagung des Wirtschaftsausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Berlin, 2t). August (JTA.j. Der im April d. J. vom Verbandstag neu gewählte Wirtschaftsausschuß, des Preußischen Landesverbandes jüdischer de-, meinden trat am Sonntag, den 2$. August, unter dem Vorsitz von Dipl.-Ing. Bruno Woyda zu seiner ersten Sitzung zusammen, um das Arbeitsprogramm für das laufende Geschäftsjahr aufzustellen. Die Tagesordnung umfaßte alle Gebiete, auf denen konstruktive Maßnahmen zur Linderung der wirtschaftlichen Notlage der deutschen Juden getroffen werden. Zunächst wurde der Ausbau des jüdischen I) a r - 1 e h e n s k a s s e n w e s e n s behandelt. Allgemein wurden das Bedürfnis nach Ausgestaltung der bestehenden Kassen zu Bezirksdarlehenskassen und Gründung neuer Bezirksdarlehenskassen betont und Wege zur Überwindung der verschiedenen örtlichen Schwierigkeiten erörtert. — Was die Arbeit der Kassen selbst betrifft, so soll der wirlschafliche Chalakter der Einrichtung unbedingt beibehalten und die Darlehen keineswegs zu charitativen, sondern nur zu produktiven Zwecken gewährt werden. Innerhalb dieses Rahmens aber müßte mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate eine weitgehende Lockerung der bisherigen starren Bestimmungen über die Darlehensgewährung eintrelen. An die Stelle iormaler Sicherheiten müßte die eingehende Prüfung der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit des Darlehens treten. Im Verlaufe der Aussprache wurde auch die Frage der jüdischen Kreditgenossenschaften und Genossenschaftsbanken erörtert. Es wurde betont, daß diese Form, die nur in Großgemeinden in Betracht komme und einem wirklichen Bedürfnis einer breiten Masse von Genossen entspringen müsse, bei deren Gründung also äußerste Vorsicht geboten sei, streng von den jüdischen Darlehenskassen unterschieden werden müsse. Im weiteren Verlauf der Tagung gelangten die aktuellen Probleme der E r wT e r b s I o s c n h i 1 f e zur Behandlung: Freiwilliger Arbeitsdienst, Arbeitsnachweis und Arbeitsbeschaffung, Selbslhilfewerkslätten und Fortbildungskurs. Über die ausgezeichneten Erfahrungen, die mit der Beteiligung von Juden am Freiwilligen Arbeitsdienst auf dem Gute in Neuendorf gemacht worden sind, berichtete Berger. Das zuständige Arbeitsamt hat Neuendorf als Mustej-anslalt bezeichnet und von sich aus die Zuweisung weiterer Arbeitsdienstwilliger und die Ausgestaltung des Betriebes als FTihrersehule für den FAD. angeregt. Die Anstalt soll auch dem Reichskommissar Syrup gezeigt werden. — Die Diskussion, ergab Übereinstimmung darüber, daß die allgemeinen Probleme des Freiwilligen Arbeils-

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