Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 36 (2.9.1932)
- Date
- 1932-09-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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•... Echo Erschelnungszelt: Jeden Frei tax. B e z u x : Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis* Jährlich: RM. 8.-. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf. / Verlag, Aislieferung des ,,Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H Ä LT: Der Schrei nach Blut — Tagung des Wirtschaftsausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden — Die Weltkonferenz der Revisionisten — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo Anzeigen: Die vlergespaltenr Millimeter-Zelle 80 Rpf. / Familien Anzeigen Ermäßigung / Aizeigen- Annahme: Verlag des J I d i sehen Echos. München. Plin ganserstraße 64 f Telephon 73664/6! Postscheck - Konto: München 2987 B«'.» Nr. 36 München, 2. September 1932 19. Jahrgang Et. Der Schrei nach Blut Den Nationalsozialisten ist in den letzten Wochen gewiß vieles fehlgegangen. In der Wirklichkeit entwickeln sich die Dinge nicht ganz so, wie sie es sich erträumt haben. Der Stoff für die Agitation war ausgegangen; man konnte doch die Regierung Papen-Schleicher, die den Nationalsozialisten so viel zu Gefallen getan hatte, nicht ebenso angreifen wie die frühere Regierung Brüning. Angreifen aber müßte man sie. In der Verlegenheit griff man auf das erprobte Mittel der Judenhetze zurück. Man stempelte die Regierung Papen zu einer Judenschutzregierung, wobei man einen schwindelhaften Bericht über die durchaus anständige Rede Kareskis auf der Genfer Weltkonferenz zugrunde legte (auf den übrigens auch die Frankfurter Zeitung hereinfiel, der man kaum mehr guten Glauben zubilligen kann). Und schließlich legte man die Todesurteile des Beuthener Sondergerichtes, ergangen auf Grund einer Notverordnung, die niemand so jubelnd begrüßt hat -wie die Nationalsozialisten, den Juden zur Last. Eine Pogromhetze, wie sie gedruckt die Welt noch nicht gesehen haben dürfte, brachte der „Angriff“ vom 24. August aus der Feder des Dr. Goebbels. Sie ist so unvorstellbar blutrünstig und gemein, daß man jeden Menschen davor bewahren möchte, sie zu lesen und doch ist es ein Dokument dieser Zeit, das man schaudernd zur Kenntnis nehmen muß. Unter Hinweis auf die Besprechung des Urteils im „Berliner Tageblatt“ und in anderen demokratischen Zeitungen schreibt Goebbels in einem Artikel, der die Überschrift trägt: „die Juden sind schuld!“, „die intellektuellen Juden in der Koch- und Jerusalemer Straße sind Zuhälter und Gesinnungsgenossen der roten Mordbrenner“. Goebbels fährt fort: „Hört es, SA-Kameraden! Vernehmt es, Parteigenossen! Denkt daran und vergeßt es nie, ihr vierzehn Millionen, die ihr für Hitler eure Stimme abgegeben habt: das ist die unmittelbare Folge dessen, daß ihr in diesem Deutschland der November-Schmach, in dem hergelaufene und landfremde Galizier das große Wort führen, eure Uniformen wieder tragen dürft und daß man die Attentäter, die feigen Bluthetzer, die Landfriedensbrecher und kaltblütigen Mörder (in Ohlau) mit geringen Gefängnis- und Zuchthausstrafen belegte, das nennt das „Berliner Tageblatt“ ein Fehlurteil.... Hört es, SA-Kameraden! Vernehmt es, Parteigenossen! Denkt daran und vergeßt es nie, nie, ihr vierzehn Millionen, die ihr für Hitler eure Stimme abgegeben habt: dessen dürfen sich vor unserem Angesicht heute noch in Deutschland die Juden erfrechen, dieselben Juden, die sicher und von Polizeikordons geschützt in ihren Redaktionen sitzen und deutsche Arbeiter gegen deutsche Arbeiter hetzen, dieselben Juden, aus deren Reihen die Sklarz und Barmats und Sklareks kamen, die den deutschen Arbeitern das Brot vom Munde Wegnahmen, dieselben Juden, die Deutschland vierzehn Jahre lang offen und anonym beherrscht haben, die unsere Volksmoral vergifteten ... und ihre feige Dreistigkeit soweit treiben, daß am Ende der Sanftmütigste zum reißenden Wolf wird.“ Unter der Sonderüberschrift „Das Strafgericht kommt!“ schließt Goebbels: „Noch sitzen die wahren Schuldigen sicher hinter den Kordonen der Polizei! Es wird die Stunde kommen, da die Staatsgewalt andere Aufgaben zu erfüllen hat, als die Verräter am Volk vor der Wut des Volkes zu beschützen. Vergeßt es nie, Kameraden! Sagt es euch hundertmal am Tage vor, so daß es euch bis in eure tiefsten Träume verfolgt: Die Juden sind schuld! Und sie werden dem Strafgericht, das sie verdienen, nicht entgehen.“ Der Mann, der dies geschrieben hat, gilt als der beste Propagandist der Nationalsozialisten, deren Propaganda die großartigsten Erfolge aufzuweisen hat. Das hat seine Bedeutsamkeit nach zwei Seiten hin. Einmal sind die Folgen einer solchen Hetze unabsehbar. Wer so nach Blut schreit wie Goebbels, der will es sehen. Zweifellos provoziert und erwartet er Judenpogrome und setzt sie als Faktor in seine politischen Berechnungen ein. Zum anderen bedeutet die Tatsache, daß der gerissenste und erfolgreichste Propagandist der Nationalsozialisten sich ausgerechnet von der Judenhetze neue große Erfolge erhofft, daß diese Karte von allen, die die Nationalsozialisten in Händen haben, noch immer am besten zu stechen scheint. Wenn man gar nicht mehr weiß, wie man die Regierung angreifen soll, sucht man-sie als „Judenregierung“ verächtlich und verhaßt zu machen und hat dabei wahrscheinlich nicht einmal falsch spekuliert; wenn man Aufregung und Krawall um jeden Preis braucht, schreit man nach dem Blut der Juden. Es ist schon so, wie die „Jüdische Rundschau“ sagt: „Wenn man die Drohungen von Goebbels liest und die Labilität der Lage in Deutschland bedenkt, muß man in der Tat zu der Ansicht kommen, daß Gefahr für die deutschen Juden besteht. Das deutsche Judentum darf diese Gefahren nicht leichtsinnig einschätzen. Die Regierung aber und alle Kreise, die nicht unmittelbar im nationalsozialistischen Lager stehen und kritiklos dessen Demagogie ausgeliefert sind, können an diesem Bei-