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Das jüdische Echo · 1932-08-26 · 35 (26.8.1932) · p. Seite 279

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
35 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 279 gemeinsamen jüdischen Forum die einzige Stelle finden würde, von wo aus ihre Stimme gehört werden könnte. Es sei mit der Möglichkeit zu rechnen, daß eines Tages auch die von deutsch-jüdischer Seite geführte Aufklärungskampagne unterdrückt werde. Wenn einmal die Nationalsozialisten in Deutschland zur Macht kämen, sei es fraglich, wessen Einfluß vorherrschend sein werde: ob der der judenfeindlichen Masse oder der gewisser nationalsozialistischer Intellektueller vom Typus des Grafen Keyserling, die sich der nationalsozialistischen Bewegung aus rein idealistischen Motiven angeschlossen haben. Die augenblicklich größte Gefahr für die deutsche Judenheit stelle der auf den Ausschluß der Juden aus dem Wirtschaftsleben gerichtete systematische Prozeß dar. Die vorwiegend dem Mittelstand angehörigen deutschen Juden seien schon heute wirtschaftlich vollkommen zugrunde gerichtet. Trotz allen Bemühungen, möglichst viele Existenzen durch Zusammenfassung der Juden in kooperativen Organisationen zu retten, könne der Redner keine Möglichkeit zu einer Lösung der jüdischen Wirtschaftsfrage in Deutschland in großem Maßstab erblicken. Zwischen der Deklassierung der russischen Juden nach der Revolution und dem wirtschaftlichen Niedergang der Juden in Deutschland bestehe große Ähnlichkeit. Es dürfe, was immer auch das künftige Schicksal der nationalsozialistischen Bewegung sein möge, mit einer wesentlichen Verbesserung der Lage der Juden in Deutschland nicht gerechnet werden, da das gesamte deutsche Leben mehr und mehr von Judenhaß durchtränkt wird und der Antisemitismus in der heranwachsenden Generation tief Wurzel geschlagen hat. Die möglichen Folgen dieses Zustandes würden erst in 10 bis 20 Jahren voll in Erscheinung treten. Der an Hand von graphischen Darstellungen erstattete Bericht Direktor Kareskis machte auf die Konferenz tiefen Eindruck. Die Lage der Juden in den osteuropäischen Ländern wurde in den Reden des Präsidenten des Jüdischen Parlamentsklubs in Rumänien Dr. Mayer Ebner und des polnischen Delegierten Dr. Schmorak beleuchtet. Es sprachen noch Dr. J. Tennenbaum (Neuyork) über die politische Lage in Deutschland, I. Jefroykin (Paris), Dr. Emil Margulies (Tschechoslowakei) und Ing. Robert Stricker (Wien), der erklärte, es wäre eine große Gefahr, den Gedanken eines jüdischen Weltkongresses, nachdem er einmal proklamiert worden sei, nicht zu verwirklichen. Genf, 16. August. (JTA.) In der dritten und vierten Sitzung der jüdischen Weltkonferenz nahm die Debatte über die Frage, ob Zionismus und Aufbau Palästinas mit zu den Aufgaben des geplanten jüdischen Weltkongresses gehören, oder ob dieses Tätigkeitsgebiet den bestehenden zionistischen Körperschaften Vorbehalten bleiben solle, einen breiten Raum ein. Auch über die Aufgaben des Kongresses hinsichtlich der Arbeiten in der Diaspora gingen die Ansichten auseinander. Während ein Teil der Redner die Abwehrarbeit gegen akute politische und wirtschaftliche Gefahren als die Hauptaufgabe des künftigen Kongresses bezeichnete, wollten andere den wesentlichen Nachdruck auf die Festigung des innerjüdischen Gefüges und die Hebung jüdischen Selbstbewußtseins gelegt sehen. Mehrfach wurde zum Ausdruck gebracht, daß eine Lösung der jüdischen Probleme in der Diaspora ohne gleichzeitige Berücksichtigung der zionistischen Fragen nicht möglich sei. Schluß der Konferenz Genf, 18. August. (JTA.) Die Genfer jüdische Weltkonferenz wurde am 17. August, 6 Uhr abends, nach Schlußansprachen von Dr. Stephen Wise, Leo Motzkin und Dr. Nahum Goldmann in gehobener Stimmung geschlossen. Ungeachtet mancher Differenzen zwischen den zionistischen und nichtzionistischen Teilnehmern der Konferenz, die insbesondere auch bei der Bildung des mit der Vorbereitung des Weltkongresses beauftragten Exekutivkomitees in Erscheinung traten, gaben die Konferenzteilnehmer aller Richtungen ihrer Entschlossenheit, das Zustandekommen des Kongresses nach Kräften zu fördern, Ausdruck. Die Resolution der Organisationskommission über die Einberufung des Kongresses wurde, nachdem sie von Dr. N. Goldmann namens der Kommission begründet worden war, nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Sie hat folgenden Wortlaut: 1. Die Genfer jüdische Weltkonferenz gibt ihrer tiefen Überzeugung Ausdruck, daß die kritische Lage des jüdischen Volkes, die Gefährdung seiner bürgerlichen und nationalen Rechte in vielen Ländern, die Verelendung der jüdischen Massen und die Notwendigkeit durchgreifender Besserungsmaßnahmen sowie die der heutigen jüdischen Generation obliegende Aufgabe des Aufbaus des Jüdischen Nationalheims in Palästina die Organisierung des jüdischen Volkes und die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses zur zwingenden Notwendigkeit macht. Dieser Weltkongreß, basierend auf dem Begriff des jüdischen Volkes als eines einheitlichen Volksorganismus, soll eine legitime Repräsentanz darstellen, berechtigt und verpflichtet, alle Fragen des jüdischen Lebens zu behandeln und das jüdische Volk im Kampfe für seine bürgerlichen und nationalen Rechte nach außen zu vertreten. 2. Die Delegierten des Weltkongresses sollen hervorgehen aus direkten, geheimen und proportionellen Wahlen, an denen jeder Jude und jede Jüdin teilzunehmen berechtigt ist. Das aktive Wahlrecht soll an das Alter von 18, das passive an das Alter von 24 Jahren geknüpft sein. 3. Das Datum der Einberufung des Weltkongresses sowie die Zeitpunkte der Abhaltung der Wahlen in den einzelnen Ländern sollen vom Initiativkomitee bestimmt werden. Doch muß der Weltkongreß spätestens im Sommer 1934 zusammentreten. Zur Leitung der eigentlichen Vorbereitungsarbeiten für den Kongreß wurde ein Exekutivkomitee gewählt. Außer dem Exekutivkomitee ist ein aus 50 bis 60 Mitgliedern, die die einzelnen Länder und Gruppen repräsentieren sollen, bestehender Rat vorgesehen. Das Exekutivkomitee erhält das Recht, den Rat nach Fühlungnahme mit den einzelnen Ländern und Gruppen zu nominieren. Im Sommer 1933 soll dieser Rat zu einer Vorkonferenz zusammentreten. Die Resolution der politischen Kommission Als Berichterstatter der politischen Kommission legte Dr. Emil Margulies der Konferenz eine Resolution vor, die einstimmig angenommen wurde. Der Schluß dieser Resolution lautet: Die in Genf versammelten Vertreter des jüdischen Volkes, eines der ältesten Kulturvölker der Erde, das Jahrhunderte furchtbarster Verfolgung und Vergewaltigung erlebt hat, das trotzdem weder seine Mitarbeit am Fortschritt der Menschheit

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