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Das jüdische Echo · 1932-08-26 · 35 (26.8.1932) · p. Seite 278

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
35 (26.8.1932)
Date
1932-08-26
Page
Seite 278 (sequence 2)
Language
German
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278 Das Jüdische Echo Nr. 35 auch nicht erreichen können. Unser Glaube an die Gerechtigkeit und liberalen Kräfte in der nichtjüdischen Welt ist unerschütterlich. Wir haben schon bei der Washingtoner Konferenz des American Jewish Congreß diesem Glauben Ausdruck gegeben; wir sagten dort: „Professor Cuza und Rumänien sind nicht identisch. Der Geist Cuzas ist nicht der Geist Rumäniens; auch glauben wir nicht, daß das Hitlertum, wenn auch gegenwärtig im Vormarsch, das letzte Wort des deutschen Volkes sei. Wir glauben, daß Schiller und Lessing die Seele Deutschlands besser ausdrücken als Hitler und Goebbels. Welche politischen und parteimäßigen Änderungen auch zeitweise den inneren Frieden Deutschlands bedrohen mögen, die mehr als eine halbe Million Juden, von denen die meisten die Nachkommen von jüdischen Einwohnern und Mitaufbauern von Deutschland seit mehr als 1000 Jalnen sind, werden nicht vertrieben werden aus dem Deutschland der Heine und Börne, der Wassermann und Ehrlich, der Lasker und Bamberger und der Rathenau und Einstein, noch werden sie zu der geistigen Tragödie verurteilt werden, ihres vollen Rechtes auf Anteilnahme an dem Leben Deutschlands beraubt zu werden. Ein wichtiges Problem, mit dem diese Konferenz sich zu beschäftigen haben wird, ist die Frage, ob der jüdische Weltkongreß, falls er einberufen wird, in seinem Rahmen auch das Programm des Aufbaus des jüdisch-nationalen Heims einschließen soll. Manche von uns glauben, daß der Zionistische Weltkongreß und die Jewish Agency bereits den jüdischen Weltkongreß für Palästina darstellen und der einzuberufende Weltkongreß sich nur auf die Probleme der Galuth beschränken solle. Ich will keine definitive Stellung zu dieser Frage nehmen, die der Konferenz zur Entscheidung überlassen bleibt. Es mag sein, daß Jahre vergehen werden, bis der Weltkongreß zusammentreten wird, aber zusammentrten wird er und muß er. Mit einem Volke, welches nicht wagt, gemeinsam und öffentlich seine eigenen Probleme zu besprechen, wird niemand rechnen. Selbst wenn nicht das Schreckgespenst des Antisemitismus vorhanden wäre, bestünde die Notwendigkeit eines jüdischen Weltkongresses zur Erörterung der inner-jüdischen Fragen. Israel ist mehr als ein Ball in den Händen der anderen Völker, es ist ein historisches Volk mit großen Traditionen und einem heroischen Schicksal, dessen Bestimmung letzten Endes in seinen eigenen Händen liegt. Diese Konferenz ist keine zionistische Zusammenkunft. Der Zionismus hat seine eigenen Institutionen und Gremien. Trotzdem glaube ich, daß es angebracht ist, in diesem Moment das Bild Herzls in Erinnerung zu bringen. Er war mehr als der Schöpfer der modernen zionistischen Bewegung, er war die Verkörperung des besten Geistes des jüdischen Volkes; ohne ihn wäre diese Konferenz unmöglich gewesen. Er glaubte an sein Volk und an die anderen Völker und appellierte nicht vergeblich an das Weltgewissen. Im Glauben an uns selbst und entschlossen, für unsere Rechte zu kämpfen, im Vertrauen darauf, daß das Gewissen der Völker nicht stumm bleiben wird gegenüber dem Schrei des jüdischen Volkes nach Gerechtigkeit, eröffnen wir diese Konferenz zum Wohle des jüdischen Volkes vor den Augen der gesamten Welt. Dr. Goldmann über die Vorarbeiten zur Konferenz Dem Referat Dr. Wises ging ein von Dr. Nahum Goldmann erstatteter Bericht über die Vorarbeiten zur Organisierung der Konferenz voraus. Dr. Goldmann setzte sich mit der Opposition zur Konferenz in verschiedenen jüdischen Kreisen auseinander und wies die von den Gegnern vorgebiachten Bedenken und Argumente zurück. Nichts ist natürlicher, sagte er, als daß ein Volk von der Bedeutung des jüdischen und bedroht von so vielen Leiden und Gefahren seine maßgebenden Vertreter Zusammenkommen läßt, um sich über seine Lage klar zu werden und über Maßnahmen zu einer Verbesserung seiner Situation und zu einer Verte idigung seiner politischen, sozialen und ökonomischen Rechte zu beraten. Alle Angst vor der Einberufung dieser Konferenz ist das Resultat jenes alten Geistes der Furchtsamkeit und des Schielens auf die Angriffe der Gegner, der aus dem Ghetto geboren ist und den das regenerierte jüdische Volk unserer Zeit endgültig überwinden muß. Die weitaus stärkste Delegation haben die Vereinigten Staaten zur Konferenz entsandt. Aber auch die osteuropäischen Länder sind stark vertreten. Neben bekannten zionistischen Persönlichkeiten nehmen an der Konferenz zahlreiche führende Nichtzionisten, ja sogar Antizionisten teil. Insbesondere aus Polen ist eine ganze Anzahl von Delegierten aus nichtnationalem Lager eingetroffen, die von den Beratungen der Konferenz eine Lösungsmöglichkeif für die brennende wirtschaftliche Judenfrage in Polen erhoffen. Die allgemeine Aussprache wurde unmittelbar nach den Referaten Dr. Goldmanns und Dr. Wises eröffnet und auch am Montag, dem 15. August, fortgesetzt. Sonntag abends konstituierte sich eine politische und eine Organisations-Kommission. Am Dienstag, dem 16. August, erstattete Professor Guido Tedesci sein Referat über den Vorschlag einer internationalen Konvention gegen den Antisemitismus. Der Plan einer solchen Konvention wird in einer Denkschrift entwickelt, die allen Konferenzteilnehmern in italienischer, deutscher und englischer Sprache zugegangen ist. Im ersten Abschnitt dieser Schrift wird der internationale Charakter der Judenfrage betont, im zweiten die Möglichkeit gesetzlicher Unterdrückung des Antisemitismus als Ergänzung zum ethnischen und religiösen Minderheitenschutz untersucht, wobei ausdrücklich hervorgehoben wird, daß es sich nicht darum handle, ein Vorrecht für die Juden zu schaffen, sondern gegen eine Gefahr, die im Gegensatz zu anderen Bürgern nur sie bedroht, Stellung zu nehmen. Im dritten Abschnitt wird die Zweckmäßigkeit einer internationalen Konvention gegen den die Sicherheit der Staaten bedrohenden Antisemitismus dargelegt. Georg Kareski über die Lage der Juden in Deutschland In der am 15. August, abends, abgehaltenen Sitzung der jüdischen Weltkonferenz sprach der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin Direktor Georg Kareski über die Lage der Juden in Deutschland und die Möglichkeit von Komplikationen, die sich aus den augenblicklichen politischen Verhältnissen entwickeln könnten. Wenn auch ein jüdischer Weltkongreß in diesem Augenblick für die Verbesserung der Lage der Juden in den osteuropäischen Ländern von größerer Bedeutung wäre als für eine Lösung der Judenfrage in Deutschland, so könnte die Entwicklung doch einen solchen Gang nehmen, daß die deutsche Judenheit in absehbarer Zeit in einem

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