Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 35 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugsnreis* Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rd1. I Verlag, Aaslieferung des „Jüdischen Echos": München, PlinganserstraBe Nr. 64. I N H ALT: Die Genfer jüdische Weltkonferenz — Nach der A.-C.-Sitzung — Jüdische Bevölkerungsvorgänge in München 1926—1931 — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Dia viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. I Familien- Anzelgen Ermäßigung /Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Pllnganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 2987 Nr. 35 München, 26. August 1932 19. Jahrgang Die Genfer jüdische Weltkonferenz Genf, 15. August. (JTA.) Im Mittelpunkt der ersten Sitzung der Genfer jüdischen Weltkonferenz stand das Referat des Ehrenpräsidenten des American Jewish Congreß Dr. Stephen Wise über Ziele und Aufgaben der jüdischen Weltkonferenz. Er betonte, daß auch in den Kreisen des American Jewish Congreß noch keine Einstimmigkeit hinsichtlich des geplanten Weltkongresses bestehe, daß es aber Aufgabe des Konferenz sei, die Frage seiner Einberufung vorurteilsfrei zu prüfen. Rabbi Wise führte aus: Die jüdische Weltkonferenz wurde auf Grund der Beschlüsse der 9. und 10. Tagung des American Jewish Congreß einberufen. Die Konferenz hat zwei Aufgaben: 1. die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern zu erörtern; 2. eine Entscheidung herbeizuführen bezüglich der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses. Die Konferenz wird kaum alle Details des Programms für den jüdischen Weltkongreß ausarbeiten können, aber ein Apparat muß geschaffen werden, der die Einberufung eines demokratisch organisierten und repräsentativen Weltkongresses ermöglichen soll. Vor einem Jahr fand in Basel eine Besprechung einer kleinen aber repräsentativen Gruppe führender jüdischer Persönlichkeiten statt, darunter Mitglieder des Comite des Delegations Juives und des American Jewish Congreß. Bei dieser Besprechung wurde beschlossen, die heutige Konferenz als Vorbereitung für den Weltkongreß einzuberufen. Diese Konferenz ist nicht der Weltkongreß; sie ist eine Vorkonferenz, um zu entscheiden, ob die Zeit zur Einberufung des Weltkongresses gekommen ist und, wenn sje gekommen ist, welcher Apparat zu seiner Organisierung geschaffen werden soll. Es besteht auch bei uns Vertretern des American Jewish Congreß keine absolute Einstimmigkeit hinsichtlich des Weltkongresses; manche glauben, er sollte sehr bald einberufen werden, manche meinen, das Datum sollte noch nicht festgelegt werden, aber wir wollen vorurteilsfrei an die Frage herangehen. Wir wollen die Tatsachen kennen lernen und erst darnach eine definitive Entscheidung treffen. Von einem bin ich überzeugt: wir sollen nicht auseinander gehen, bevor wir unser Recht Und unsere Pflicht proklamiert haben, unsere volle Aufmerksamkeit dem Ideal des jüdischen Weltkongresses zu geben. Diese Konferenz wie auch ein jüdischer Weltkongreß, fuhr Dr. Wise fort, bergen in sich keinerlei Gefahren für das jüdische Volk. Die Furcht vor solchen Gefahren ist die Ausgeburt einer ängstlichen Opposition zu dem Kongreßgedanken. Selbst wenn irgendwelche Gefahren damit verknüpft wären, so achten wir unser Volk zu sehr, um nicht zu wissen, daß Israel keine Garantien der Sicherheit sucht, sondern weiß, daß es als ein stolzes Volk den Weg des Mutes und der Voraussicht zu gehen hat. Weder diese Konferenz noch der jüdische Weltkongreß haben rein defensive Zwecke. Wir sind ein lebendes Volk und als ein solches müssen wir uns beraten und Ausdruck für unseren Willen finden. Es gab Zeiten, wo es undenkbar war, daß Juden aus verschiedenen Ländern sich versammeln, um ihr Programm zu besprechen. Diese Zeit ist endgültig vorbei. Es gibt kein Volk auf der Welt, das darauf verzichtet, in öffentlicher Zusammenkunft seine Politik zu bestimmen. Ein Zigeunervolk mag sich damit abfinden, nicht zusammenzukommen und seine Fragen zu besprechen. Das jüdische Volk hat nichts zu verbergen und scheut nicht die öffentliche Diskussion seiner Lebensfragen. Manche Juden sind geneigt, unsere Leiden zu verkleinern und zu verbergen, aber beides ist ein trauriger Weg für ein stolzes Volk. Eine unnatürliche Trennung hat in früheren Jahren Platz gegriffen zwischen der osteuropäischen und westeuropäischen Judenheit. Sofern Kontakte zwischen beiden hergestellt wurden, geschah es sehr häufig in der Form der Philanthropie, wobei das westeuropäische Judentum der Geber und das osteuropäische der Nehmer war. Diese Vorstellung hat sich in manchen Kreisen der westlichen, insbesondere der amerikanischen Judenheit so sehr verwurzelt, daß wir gewarnt wurden, diese Konferenz einzuberufen, wenn wir nicht große Geldsummen für Relief-Zwecke mitbringen. Diese Vorstellung ist in gleicher Weise beleidigend für das westliche wie für das östliche Judentum. Auf dieser Konferenz treffen sich nicht, wie gesagt wurde, „Bettler auf der Brücke von Konstantinopel, die ihre Wunden dem Publikum zeigen“, sondern Ankläger vor dem Tribunal der Weltöffentlichkeit, die ihren Protest proklamieren wollen gegen das Unrecht, das einem großen Volke durch andere Völker geschieht, die geistig und moralisch die Nutznießer der Kultur dieses Volkes sind. Auf der letzten Sitzung des American Jewish Congreß haben wir unser Bekenntnis zu den Idealen der Demokratie und des Selbstbestimmungsrechtes der Völker erneut proklamiert. Das jüdische Volk, eines der ältesten sich selbst bestimmenden Völker, sollte das letzte sein, um diese Ideale zu verraten; was Könige und Zaren nicht bewirken konnten, werden jüdische Autokraten