Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 34 (19.8.1932)
- Date
- 1932-08-19
- Page
- Seite 270 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Das Jüdische Echo Nr. 34 vorzüglich nach Amerika. Aber sind damit alle Möglichkeiten erschöpft? So wird nur das immerhin auch einem Nazi peinliche Odium der Barbarei vertrieben; gleichzeitig aber die Möglichkeit offen gelassen, den unzweifelhaft antijüdischen Gefühlen ungestört unterirdisch durch tausenderlei Kanäle freien Lauf zu lassen. Die Ernte der antisemitischen Saat Hitlers ist noch lange nicht eingebracht. Was bleibt zu tun? Selbstbesinnung auf die eigene Art, um die seelische Kraft zum Durchhalten zu erlangen! Stärkste Bindung an den Klal, die jüdische Gesamtheit! Denn soviel und wofern geholfen werden kann, dann nur durch das Medium des Klal in Verbindung mit jenen Elementen in Deutschland und in der Welt, denen Barbarei in jeder Form verhaßt ist. Ausbreitung des Nationalsozialistischen Guerillakrieges in Deutschland. Berlin, 9. August. (JTA.) Der nationalsozialistische Kleinkrieg gegen politische Gegner und jüdische Geschäfte wird mit unverminderter Schärfe fortgesetzt. Täglich, ja stündlich, laufen Nachrichten über neue Bombenanschläge und Schaufensterstürme aus verschiedenen Teilen Deutschlands ein. Die Terrorwelle hat nunmehr auch auf die bisher von derartigen antisemitischen Exzessen der Nationalsozialisten verschont gebliebene Reichshauptstadt übergegriffen. Im Berliner Stadtteil Neukölln wurden am 8. August, kurz nach 9 Uhr abends, fünf große Schaufensterscheiben der Filiale der Schuhfirma Leiser an der Ecke der Berg- und Prinz-Handjery-Straße mit faustdicken Pflastersteinen emgeworfen. Nach den polizeilichen Feststellungen war der Überfall planmäßig vorbereitet. Die Täter wurden durch eine größere Menschenmenge, die sich offenbar auf Verabredung angesammelt hatte, vor der polizeilichen Feststellung geschützt. Gl ei witz, 10. August. (JTA.) In der Nacht vom 7. zum 8. August wurde auf die Wohnung des Kaufmanns Arthur Gotthelf ein Handgranatenattentat verübt. Personen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, jedoch wurde erheblicher Sachschaden verursacht. Hindenburg (O.-Schl.), 10. August (JTA.) In Hindenburg (O.-Schl.) wurde in der Nacht vom 8. zum 9. August ein Sprengkörperattentat gegen die Filiale des Warenhauses Oskar Herzberg verübt. Schaufensterauslagen gerieten in Brand. Der Sachschaden ist erheblich. Münsterberg (Schl.), 10. August. (JTA.) ln der Nacht vom 8. zum 9. August wurden in das Geschäftslokal des Kaufmanns Hirsch in Münsterberg drei Pistolenschüsse abgegeben. Während ein Pistolenschuß die Fensterscheibe zertrümmerte, blieben die beiden anderen im Mauerwerk stecken Landsberg (O.-Pr.), 10. August. (JTA.) In den drei jüdischen Geschäften von Guth, Saul und Zwilski wurden sämtliche Schaufenster durch Steinwürfe zertrümmert. Ein Nationalsozialist, der dringend verdächtig ist, die Tat begangen zu haben, wurde verhaftet. Die mutmaßlichen Urheber des Anschlages auf die Kieler Synagoge verhaftet Hamburg, 9. August. (JTA.) In einem amtlichen Bericht wird mitgeteilt, daß im Zusammenhang mit den Handgranatenanschlägen in Schleswig-Holstein und mit den Attentaten auf die Kieler Synagoge am 3. und das Karstadt-Gebäude am 6. August sieben Verhaftungen vorgenommen wurden. Die Festgenommenen sind Nationalsozialisten und gehören überwiegend der SS. an. In der Angelegenheit des Sprengstoffanschlages auf die Kieler Synagoge sind, wie die Polizei mitteilt, bisher vier Personen festgenommen worden. Während drei von ihnen nach erfolgter Vernehmung wieder entlassen werden konnten, ist gegen die vierte Person richterlicher Haftbefehl erlassen worden. In der Wohnung dieses Angeschuldigten wurde eine mit Sprengstoff gefüllte Stielhandgranate und eine Pistole mit 10 scharfen Patronen gefunden. Neue Angriffe auf jüdische Geschäfte B e r 1 i n , 10. August. (JTA.) In Osterode (Ostpreußen) wurde vor den Laden der jüdischen Firma eine Bombe gelegt, die jedoch nicht explodierte. In Drengfurt (Ostpreußen) wurden die Schaufensterscheiben der jüdischen Firma Weinberg mit Feldsteinen eingeworfen. In Strehlen (Schlesien) wurden die Schaufenster der jüdischen Firmen Schnell und Levy auf dem Ringplatze zertrümmert. In keinem der drei Fälle konnten die Täter bisher ergriffen werden. Tränengasbomben gegen Kaufhäuser Krefeld, 14. August. (JTA.) Am 12. August nachmittags wurden fast gleichzeitig in die Einheitspreisgeschäfte der Firmen Woolworth und Epa sowie in das Warenhaus Leonhard Tietz Tränengasbomben geworfen. Die Wirkung des Tränengases war außerordentlich stark. Das Publikum mußte fluchtartig die Verkaufsräume verlassen und auch das Verkaufspersonal selbst mußte die Häuser räumen. Die Feuerwehr wurde hinzugezogen, um mit Hilfe von Schutzbrillen und Gasmasken die notwendige Hilfe zu leisten. Die beiden Einheitspreisgeschäfte mußten geschlossen werden. Bei Tietz war der Verkauf in beschränktem Umfange wieder möglich. Die Täter sind unerkannt entkommen. Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, doch war ein amtlicher Bericht bisher noch nicht zu erhalten. Im Hinblick darauf, daß tags zuvor der nationalsozialistische Ministerpräsident von Oldenburg, Rover, in Hannover eine wilde Hetzrede gegen die Warenhäuser gehalten hat, wird vermutet, daß die Anschläge von Nationalsozialisten verübt wurden. Synagogensprengung als politisches Einschüchterungsmittel Berlin, 14. August. (JTA.) In der vorigen Woche war in Reichenbach in Schlesien ein Attentat, anscheinend auf den Redakteur des dortigen sozialdemokratischen Blattes, Peschke, von dem Nationalsozialisten Jenke beabsichtigt worden. Als Jenke eine Handgranate schleudern wollte, krepierte diese vorzeitig in seiner Hand und zerriß den Attentäter. Bei der Verfolgung der Straftat wurde auch der Nationalsozialist Wagner als der Mittäterschaft verdächtig verhaftet. Wagner hat nun am 13. August ein Geständnis abgelegt und u. a. erklärt, das Handgranatenattentat habe nicht dem Redakteur Peschke gegolten, sondern man habe die Absicht gehabt, die Handgranate vor die Synagoge zu legen, um einen Einsturz des Gotteshauses herbeizuführen. Durch dieses Attentat auf die Synagoge habe man eine Einschüchterung der Gegner der Nationalsozialisten erreichen wollen.