Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 33 (12.8.1932)
- Date
- 1932-08-12
- Page
- Seite 262 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Das Jüdische Echo Nr. 33 letzten Ausschreitungen in Ostpreußen die Angriffe der nationalsozialistischen Sturmtrupps geleitet wurden, eine ostpreußische Nummer besaß. Es waren durchweg aus anderen Teilen des Reiches stammende Wagen. Eines dieser Autos wurde nach seiner Nummer als das des nationalsozialistischen Abgeordnetem Lietzmann, des Sohnes des Generals Lietzmann, festgestellt. ' Schlesien Breslau, 6. August. (JTA.) In der Nacht nach 1 Uhr wurde in Breslau auf die Wohnung des Rechtsanwalts Dr. Eckstein ein Handgranaten- Attentat verübt. Dr. Eckstein, der Führer der Sozialistischen Arbeiterpartei, hatte sich gerade zu Bett begeben, als eine Eierhandgranate durch das Fenster in das Schlafzimmer geworfen wurde. Die Einrichtung wurde zerstört. Wie durch ein Wunder blieb der Rechtsanwalt unverletzt. Die Täter entkamen unerkannt in einem Auto. ln der Nacht vom 31. Juli zum 1. August wurden in Kreuzburg (Oberschlesien) in den Schankraum des jüdischen Gastwirts Tauber und in das Wohnzimmer des jüdischen Kaufmanns Ebstein von bisher nicht ermittelten Tätern Eierhandgranaten geworfen. Es entstand erheblicher Sachschaden. ln dem, einem jüdischen Eigentümer gehörenden Hotel Baginsky in Rosenberg (Oberschlesien) wurde ein Handgranatenanschlag verübt. Unbekannte Täter hatten eine Handgranate an eine Türklinke angebunden. Bei der Explosion wurde erheblicher Schaden angerichtet. Breslau, 8. August, ln der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag gegen 11 Uhr 20 wurde gegen das jüdische Warenhaus Ehmann in Konstadt (Oberschlesien) zum zweiten Male ein Handgranatenattentat verübt. Die Eierhandgranate prallte an dem Rolladen ab und explodierte auf der Straße. Eine große Anzahl Fensterscheiben wurde zertrümmert. Das erste Attentat war in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch verübt worden. Wenige Stunden darauf, gegen 2 Uhr. wurde eine Handgranate in die Wohnung eines iüdischen Kaufmanns in der benachbarten Stadt Pitschen geworfen. Schleswig-Holstein Der Bombenanschlag gegen die Synagoge in Kiel Kiel, 3. August. (JTA.) Auf eine telegraphische Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur teilt der Kieler Gemeinderabbiner Dr. Posner mit, daß bei dem am 3. August um 2.15 Uhr morgens verübten Sprengstoffanschlag auf die Kieler Synagoge erheblicher Gebäudeschadeti entstand. Die Polizei, welche sofort nach dem Anschlag auf dem Tatort eintraf, konnte bisher keine Spuren der Täter entdecken.' Außer einer Zündschnur war nichts auf dem Platz zurückgeblieben, was auf die Art, wie die Tat verübt wurde, schließen lasse oder Anhaltspunkte dafür bieten könnte, wer die Täter waren. Die polizeilichen Ermittlungen gehen weiter. Der Regierungspräsident von Schleswig hat eine hohe Belohnung für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Der Sprengstoff war in ein kleines Fenster der Synagoge gelegt worden und hatte bei der Explosion einen großen Trichter in die Wand gerissen. Im Innern des ..Gebäudes sind die Heizung und der .... Flur schwer beschädigt. Der Synagogenraum selbst ‘ .ist nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Unbe- Fannie häb.en nach dem Anschlag an die Wand der Synagoge die Worte geschrieben: ..So sorgt Hitler für Arbeit und Brot.“ Die Aufschrift wurde von der Polizei entfernt. Bewohner der der Svnagoge benachbarten Häuser wollen in der Nacht vor dem Attentat zwei junge Burschen beobachtet haben, die sich in der Umgebung der Synagoge umhertrieben und durch ihr scheues Wesen auffielen. Kiel, 6. August. (JTA.) Auf das Warenhaus Karstadt wurde zwischen zwei und drei Uhr morgens ein Spengstoffanschlag verübt. Das Scherengitter des Eingangs wurde zerrissen und mehrere Spiegelscheiben des Warenhauses zertrümmert. Auch an den dem Warenhaus gegenüberliegenden Häusern wurde erheblicher Sachschaden angerichtet. Sachsen L e i z i p , 3. August. (JTA.) Im Nordviertel von Leipzig verübten Nationalsozialisten in einigen fast ausschließlich von Juden bewohnten Straßen Exzesse und drangen schließlich in ein Kaffeehaus ein, in das mehrere Juden vor den sie verfolgenden Nationalsozialisten ^geflüchtet waren. Eine Gruppe von Arbeitern kam den Bedrängten zu Hilfe und verjagte die Angreifer. Einige Arbeiter wurden von der bald darauf eingetroffenen Polizei verhaftet, jedoch nach Aufklärung des Sachverhaltes wieder freigelassen. Im Kaffeehause war ein lüde von den Nationalsozialisten schwer mißhandelt worden, ernstere Verletzungen hat jedoch niemand erlitten. P 1 a u e n , 4. August. (JTA.) In der Stadt Plauen im Vogtland wurden in einer der letzten Nächte alle jüdischen Häuser mit roter Farbe bezeichnet. Zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung ist es bisher nicht gekommen. Plauen ist bekanntlich eine Hochburg des Nationalsozialismus Uiid Hauptsitz der nationalsozialistischen Jugend. Die antisemitische Agitation ist dort bereits seit drei Jahren so stark, daß die Eltern der iüdischen Schüler des dortigen Gymnasiums genötigt waren, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen, da diese den unaufhörlichen Anfeindungen seitens ihrer Mitschüler nicht mehr gewachsen waren. Attentatsversuch aut eine Kölner Synagoge Köln, 9. August. Ein Attentat wurde, wie erst jetzt bekannt wird, in der vergangenen Woche auf die Synagoge in der Roonstraße versucht. Hinter dem Gitter, das den Haupteingang von dem Vorraum trennt, wurde eine 7,5 Zentimeter Feldgeschützgranate, die den Stempel des Jahres 1915 trug und aus dem Weltkrieg stammte, gefunden. Die Granate ist nicht explodiert. Eine Explosion hätte großes Unheil anrichten können, da die Synagoge zwischen bewohnten Häusern liegt. Das Geschoß wurde von der Polizei beschlagnahmt und unschädlich gemacht. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit ist bis jetzt ergebnislos verlaufen. Und die Reichsregierung? Berlin, 5. August. (JTA.) Der Reichsminister des Innern Freiherr von Gayl empfing am Mittwoch, dem 3. August, den Vorsitzenden des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Justizrat Dr. Julius Brodnitz und den Syndikus Dr. Alfred Wiener. Die Vertreter des Central-Vereins unterbreiteten umfangreiches Material über Angriffe auf jüdisches Leben und Eigentum in Ostpreußen, Oberschlesien und in anderen Teilen des Reiches. Sie wiesen darauf hin, daß solche Anschläge in den letzten Tagen sich häufen. Möglicherweise seien diese terroristischen Vorgänge auf die verstärkte iudenfeindliche Agitation der letzten Zeit zurückzuführen; diese Propaganda sei vor der Verleumdung nicht zurückgeschreckt, die Juden ständen in Beziehungen zu