Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 33 (12.8.1932)
- Date
- 1932-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis* Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.— Einzelnummer 20Rpf. / Verlag, Aaslleferung des ..Jüdischen Echos“: München. Pllnganserstraße Nr. 64. I N H ALT: Bomben und Handgranaten — Die Judenfeindschaft in der Wirtsehaftsrntwicklung — Bemerkungen — Von der A.-C.-Sitzung - Die jüdische Weltkonferenz in Genf — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Di* viergespaltene Millimeter-Zelle 30 Rpf. I Famlllen- Anzeigen Ermäßigung /Anzeigen- Annahme: Verlag des Jldl sehen Echos. München. Pllnganserstraße 64 / Telephon 73664/68 Postscheck - Konto: München 3W Nr. 33 München, 12. August 1932 19. Jahrgang Bomben und Handgranaten Die antijüdischen Ausschreitungen Trotz großer Worte hat die Reichsregierung nicht verstanden Beruhigung zu schaffen, namentlich im Osten und Norden Deutschlands herrschen unter dem sogenannten Burgfrieden Zustände, wie sie in Deutschland seit dem 30jährigen Kriege nicht mehr vorgekommen sein dürften. Jedes Wort des Kommentars ist überflüssig: wir registrieren die Berichte über die antijüdischen Ausschreitungen, die uns bis zum Redaktionsschluß zugegangen sind und können nur hoffen, daß diese Liste des Schrekkens bis zu dem Tage, da sie unseren Lesern vorliegt, nicht noch ihre Fortsetzung findet. Ostpreußen Königsberg, 8. August. In der Nacht zum 1. August wurde auf den Syndikus des C.-V. Kurt Sabatzky ein planmäßiger, politischer Anschlag verübt. Drei unbekannte Männer versuchten zuerst, das Schloß der Wohnungstür zu erbrechen. Als ihnen dies nicht gelang, traten sie die Füllung der Wohnungstür ein. Sie stürzten in alle Zimmer und durchwühlten sogar die Betten, um ihren Racheakt zu vollführen. Dem Central-Verein war bekannt, daß gegen Sabatzky wiederholt ernst zu nehmende Drohungen von nationalsozialistischer Seite ausgesprochen worden sind. Im Laufe des Montags wurden dann auch in den Läden der drei großen jüdischen Firmen Lachmanski. Sommerfeld und Grünewald die Fensterscheiben eingeschossen. In der Nacht zum 2. August wurde ein Handgranatenattentat auf das Grundstück des jüdischen Kaufmanns Ehmann in Konstadt bei Kreuzberg (Oberschlesien) verübt. Es entstand Sachschaden. In Orteisburg (Ostpreußen) wurden in der Nacht vom 1. zum 2. August fünf große Schaufensterscheiben des Warenhauses Motulsci eingeschlagen, und zwar bei dem jüdischen Kaufmann Mendel vier und bei dem jüdischen Lederhändler Behr ein großes Fenster. In Neidenburg wurde der jüdische Kaufmann Baehr überfallen und blutig geschlagen ins Krankenhaus gebracht. 5. August. In Johannisburg wurde in der Nacht zum Freitag auf das Warenhaus Heimann ein Sprengstoffattentat verübt, durch das sämtliche Fensterscheiben zertrümmert wurden. 6. August. In die Privatwohnung des Gastwirts und Kaufmanns Littwack in Orteisburg wurde eine Bombe geworfen. Die Fensterscheiben wurden zertrümmert, die Fensterkreuze herausgedrückt. In der Nacht vom 5. zum 6. August wurde gegen ein Warenhaus in Allenstein ein Bombenanschlag verübt. Aus Neidenburg wird ein Anschlag auf eine Drogerie gemeldet; außerdem sind Bomben gegen zwei Kaufhäuser geschleudert worden, deren Inhaber Juden sind. In einem der Häuser brach ein Brand aus, der zum Glück bald gelöscht werden konnte.. In Bischofsburg wurden zwei jüdischen Kaufleuten die Fensterscheiben eingeworfen. in Lyck wurde eine große Schaufensterscheibe der Firma Simberg & Tikotzki durch einen Steinwurf und eine Fensterscheibe der Adlerapotheke durch eine Stielhandgranate zerstört, die von der Polizei beschlagnahmt wurde. In Rössel wurden zwei Schaufensterscheiben des Geschäftes von Israelski durch Steinwürfe zertrümmert. Was Augenzeugen berichten B e r 1 i n , 5. August. (JTA.) Die Lage in den kleinen Städten Ostpreußens wird von vertrauenswürdigen Personen, die diese Städte vor kurzem besucht haben, übereinstimmend in den düstersten Farben geschildert. In Orteisburg, wo die nationalsozialistische Bewegung prozentuell am stärksten ist — von 31 000 Wählern haben bei den letzten Wahlen 20 000 für die Nationalsozialisten gestimmt — ist das Straßenbild vollkommen von uniformierten SA-Leuten und Zivilisten mit nationalsozialistischen Abzeichen beherrscht. Gegen die jüdischen Kaufleute wird ganz offen die Beschuldigung ausgesprochen, sie hätten die kommunistische Bewegung mit Geld unterstützt. Jüdische Bürger erhalten fast jeden Tag Drohbriefe, so daß sich die jüdische Bevölkerung ihres Lebens nicht sicher fühlt. Es herrscht ausgesprochene Progromstimmung. Die Juden wagen es kaum mehr, die Straßen zu passieren. Wo sich ein Jude auf der Straße zeigt, wird er angegriffen und verfolgt. Radfahrer werden mit Steinen beworfen. Nach Einbruch der Dunkelheit betritt überhaupt kein Jude mehr die Straße. Man sitzt zusammengedrängt in den Wohnungen und wartet angstvoll die Ereignisse des kommenden Tages ab. Die Angriffe auf die Läden der jüdischen Firmen Neumann, Mendel und Motolsky haben einen niederschmetternden Eindruck hinterlassen. Dabei wird das Gerücht ausgesorengt, die Juden hätten diese Ausschreitungen selbst angezettelt, um die Polizei zu einem Eingreifen gegen die Nationalsozialisten zu veranlassen. Sogar ernste Blätter, wie die „Ostpreußische Zeitung“ geben solche Meinungen wieder. Bemerkenswert ist, daß keines der Autos, von denen aus bei den