Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 32 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- Seite 257 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 257 Nahum Sokolow der Präsident der Zionistischen Organisation erstattete den Bericht der Exekutive über ihre Tätigkeit im vergangenen Jahre. Sokolow ging sodann zur Schilderung der beklagenswerten Lage über, in der sich die Weltjuaenheit im Augenblick befinde. Es ist keine Übertreibung, erklärte er, festzustellen, daß die Lage des jüdischen Volkes jetzt schlimmer ist, als jemals zuvor. Sokolow streifte die politische Arbeit in den Vereinigten Staaten und die durch die Bemühungen von Emanuel Neumann und Prof. Frankfurter zustandegekommene Gründung des Palästina-Komitees. Daran schloß er einen kurzen Überblick über die gegenwärtige politische Lage und die politische Arbeit in London und Jerusalem. Er berichtete über seine zahlreichen Unterredungen mit verschiedenen Mitgliedern des englischen Kabinetts, darunter auch mit Ramsay MacDonald, und machte einige Bemerkungen über Charakter und Tendenzen des vom Landentwicklungsdirektor Lewis French erstatteten Berichtes. Zum Schluß erläuterte Sokolow die finanzielle Lage und zeigte an Hand von Ziffern, unter welch schwerem finanziellen Druck die Exekutive steht. Der Bericht des politischen Leiters der Palästina- Exekutive Am zweiten Verhandlungstage erstatete der Leiter der politischen Abteilung der Palästina-Exekutive Dr. Chajim Arlosoroff sein Referat. Er stellte fest, daß der erste Oberkommissar, der für die Bedürfnisse in Palästina und der Entwicklung des jüdischen Nationalheims wirklich Verständnis zeige, der gegenwärtige Oberkommissar Sir Arthur Wauchope sei. Auch die vielfach verbreitete Meinung, die Beamtenschaft der englischen Verwaltung in Palästina bestehe zum größten Teil aus Antizionisten, treffe nicht zu. Richtig sei allerdings, daß sich von den früheren Verwaltungen her gewisse antizionistische Traditionen innerhalb dieser Beamtenschaft erhalten habe, doch würden diese Tendenzen durch den High Commissioner entschlossen bekämpft. In der Frage der „landlosen“, resp. durch die jüdische Kolonisationstätigkeit angeblich von ihrem Boden verdrängten Araber habe sich eine gewisse Klärung ergeben. Während früher die Zahl der „landlosen Araber“ stets mit etwa 4000 angegeben wurde, hat die jetzige Palästina-Regierung bloß 249 Araber in diese Kategorie eingereiht. Davon entfallen etwa 200 auf die bisherigen Siedler im Wadi Hawarith-Gebiet. Einen breiten Raum in den Ausführungen Dr. Chajim Arlosoroffs nahm die Behandlung des arabischen Problems ein. Besondere Aufmerksamkeit müsse seitens des Aktions-Komitees auch der Tatsache zugewandt werden, daß der Groß-Mufti von Jerusalem seine antizionistische Tätigkeit jetzt nicht mehr bloß in Palästina selbst und bei den maßgebenden Faktoren in Europa entwickelt, sondern sie auch durch eine von ihm entfesselte heftige antijüdische Agitation in den arabischen Ländern um Palästina unterstützt. Es sei im Interesse der zionistischen Politik unbedingt erforderlich, dieser Agitation entgegenzutreten. Das Aktions-Komitee werde sich darüber klar werden müssen, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um dieser gefährlichen Propaganda in den arabischen Ländern Einhalt zu gebieten. Weizmann wohnt den Sitzungen des A.-C. bei Der Präsident der English Zionist Federation Dr. Chaim Weizmann erklärte in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter, er beabsichtige nicht, sich an den Debatten des Aktions-Komitees zu beteiligen, werde jedoch bei den Verhandlungen anwesend sein, um einer Mißdeutung seiner Haltung in dem Sinne, daß er das Aktions-Komitee, dessen Mitglied er ist, boykottieren wolle, vorzubeugen. Der einzige Grund seiner Zurückhaltung sei der, daß er sich gegenwärtig ausschließlich seiner wissenschaftlichen Arbeit, die ihn vollständig in Anspruch nehme, widme und nicht beabsichtige, seine augenblickliche Lebensführung zu ändern. Aus der jüdischen Welt Nationalsozialistische Exzesse in Königsberg Königsberg, 1. August. (JTA.) Am Wahltage übten die Nationalsozialisten in Köngsberg einen blutigen Terror aus. Gegen mehrere Linkspolitiker wurden Attentate verübt. Auch die Wohnung des Syndikus des C.-V. Kurt Sabatzky wurde angegriffen, die Polizei konnte jedoch durch rasches Eingreifen die Exzedenten vom Eindringen in das Haus abhalten. In den jüdischen Geschäften Lachmansky und Sommerfeld wurden die Scheiben der Schaufenster eingeschlagen. Synagogenschändungen in Hamburg und Beuthen Hamburg, 27. Juli. (JTA.) Wie das „Israelitische Familienblatt“ mitteilt, haben Nationalsozialisten in verschiedenen Fällen das Gebäude der Gemeindesynagoge am Bornplatz in Hamburg durch Anbringung von zahllosen Hakenkreuzen geschändet. Im ersten Falle handelte es sich um kleinere ausgeschnittene Hakenkreuze, die von einer Klebekolonne an die Türen und der Portalseite der Synagoge angeklebt wurden. Die Täter wurden dabei beobachtet, und es gelang, einige Namen festzustellen. Im zweiten Falle erstiegen Nationalsozialisten das Dach des Synagogengebäudes und klebten zahlreiche Hakenkreuzplakate rings um Kuppel und Dach der Synagoge. Die Feuerwehr mußte herbeigeholt werden, um die Plakate wieder zu entfernen. Nationalsozialistische Niederlage bei den Studentenwahlen in Königsberg Berlin, 27. Juli. (JTA.) Die Wahlen zur Kammer der Deutschen Studentenschaft der Universität in Königsberg brachten bei schwacher Wahlbeteiligung eine schwere Niederlage der Nationalsozialisten. Sie erhielten gegenüber 1598 Stimmen im Vorjahr diesmal nur 1077, sie verloren entsprechend auch von ihren 32 Mandaten 10 und haben somit ein Drittel eingebüßt. Die Nationalsozialisten sind in Königsberg heute nur noch rund 25 v. H. der Gesamtstudentenschaft. Diese Niederlage ist deshalb beachtenswert, weil erst vor kurzem in Königsberg die Tagung der Deutschen Studentenschaft stattfand. Die großen deutschen Parteien zu den antisemitischen Forderungen der Nationalsozialisten und zur Judenfrage in Deutschland Berlin, 31. Juli. (JTA.) Der Neuyorker Vertreter der Jüdischen Telegraplien-Agentur hat sich an die Leitungen der großen politischen Parteien Deutschlands mit dem Ersuchen gewandt, ihre Stellungnahme zu den antisemitischen Forderungen