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Das jüdische Echo · 1932-08-05 · 32 (5.8.1932) · p. Seite 256

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
32 (5.8.1932)
Date
1932-08-05
Page
Seite 256 (sequence 4)
Language
German
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256 Das Jüdische Echo Nr. 32 gegebene Arbeiter-Schedule mehr als eine sehr bescheidene Verbesserung gegenüber der Schedule vom letzten Oktober bedeutet. Niemand kann behaupten, daß die neue Kategorie kleiner Kapitalisten das dringende Bedürfnis und den brennenden Wunsch vieler Juden, sich im Nationalheim einzurichten, befriedigt. Niemand kann behaupten, daß der müde Fuß Israels, der an die Tore Palästinas stößt, dort in einer Weise empfangen wird, die unserem von bloßer „Duldung“ der Zulassung sich unterscheidenden „Recht“ auf Einwanderung entspricht. Das Zwillingsproblem der Einwanderungsfrage ist das Bodenproblem. Materiell bedeutet das Jüdische Nationalheim Menschen und Land. Ich werde nicht von den Erwartungen sprechen, die wir auf Grund historischer Deklarationen und des vor genau zehn Jahren ratifizierten Mandates zu hegen berechtigt waren; wir müssen auch in Zukunft auf diesem Gebiete kämpfen und Eroberungen machen. Aber man gewährt uns nicht einmal den ungestörten Besitz des Bodens, für den wir Preise bezahlen, die jeden Sachverständigen verblüffen. Drohung mit Enteignung scheint der erpropte Weg zu sein, Probleme betreffend Ländereien, die wir in öffentlicher Feilbietung unter der Aufsicht der Regierung selbst erworben haben, zu behandeln. Sicherheitsfragen Professor Brodetzky ging sodann zur Besprechung des Problems der öffentlichen Sicherheit in Palästina über. Wfr geben zu, erklärte er, daß etwas geschehen ist, um größere Sicherheit von Leben und Eigentum in Palästina zu gewährleisten, aber immer noch werden Dinge geduldet und Situationen zugelassen, die mit der Aufrechterhaltung de,T Sicherheit unvereinbar Jsind. Heimtückische Mordtaten und systematische Terrorakte werden verübt und bleiben unbestraft, weil die Täter nicht entdeckt werden. Angriffe auf die Exekutive Die Exekutive, fuhr Dr. Brodetzky fort, wurde in den letzten Monaten heftig angegriffen, weil sie keinen neuen politischen Weg eingeschlagen hat. Man erklärt: wir haben eine Revolution im Zionismus gemacht, aber die Politik ist dieselbe geblieben wie früher, ohne jede Änderung der Richtung oder Methode. Dieser Vorwurf überrascht mich sehr. Hat nicht der Kongreß die Exekutive auf Grund der vom Präsidenten Sokolow verlesenen Erklärung eingesetzt? Hat nicht der Kongreß meine beiden Kollegen vom Arbeiterflügel und mich selbst auf Grund unseres klaren Bekenntnisses zu dem, was volkstümlich als Weizmann-Politik gekennzeichnet wird, gewählt? Kann irgend jemand, der zugegen war, als ich im Permanenzausschuß mit der Einladung, in die Exekutive einzutreten, beehrt wurde, behaupten, ich hätte meine Stellung nicht vollkommen klargelegt? Möglicherweise war hinsichtlich anderer Mitglieder der Exekutive nicht vollständig klar, welche besondere Verantwortung sie zu tragen haben würden; was mich betrifft, so kann ich wohl behaupten, daß mein Eintritt in die Exekutive im Hinblick auf die politische Arbeit in London erfolgen sollte. Es hat keinen Vertrauensbruch gegeben, ^sondern vollständige Übereinstimmung mit den Beschlüssen des Kongresses. Die Konvention der Zionistischen Organisation Amerikas hat erklärt, „die Exekutive habe eine Politik in übereinstmmung mit den vom 17. Zionistenkongreß gefaßten Resolutionen und der von ihm geschaffenen Plattform verfolgt“. Die Araberfrage Dr. Brodetzky wandte sich der Besprechung des Araberproblems zu. Man habe behauptet, das Jüdische Nationalheim, an sich eine ausgezeichnete Sache, könne nicht verwirklicht werden, weil die jüdische Aufbauarbeit in Palästina die Existenz der Araber bedrohe. Diese Behauptung habe schon die Shaw-Kommission irregeführt. Kolonialminister Lord Passfield und High Commissioner Sir John Chancellor neigten ebenfalls dieser Anschauung zu, gaben sich jedoch den Anschein wissenschaftlicher Neutralität und erklärten, eine sorgfältige Untersuchung des Problems sei notwendig. So entstanden der Simpson-Bericht und das Weißbuch, das einschneidende Beschränkungen jüdischen Bodenkaufs und jüdischer Einwanderung voraussehen ließ. Der French-Bericht Das Ergebnis dieses ganzen Komplexes von Berichten, Diskussionen und Deklarationen, erklärte Dr. Brodetzky weiter, war der sogenannte Landentwicklungsplan. Das Aktions-Komitee ist mit den Ereignissen seit dem letzten Kongreß durchaus vertraut. Die Regierung wollte eine Landentwicklungsbehörde einsetzen, die über die Verwendung einer Anleihe von 2,5 Millionen Pfund unter einer gewissen Kontrolle seitens der Regierung bestimmen sollte. Wir haben diesen Vorgang abgelehnt und forderten vorherige Vereinbarungen darüber, wie das Geld verwendet werden und welche Art von Tätigkeit die Entwicklungsbehörde entfalten solle. Schließlich wurde ein Kompromiß geschlossen, dahingehend, daß ein Plan für die Verwendung des Geldes und die Tätigkeit der Entwicklungsbehörde ausgearbeitet und diskutiert und daß erst dann, nach erzielter Übereinstimmung über diese Fragen die Garantie für die projektierte Anleihe vom Parlament verlangt werden solle. Nach Ernennung des Landentwicklungsdirektors versuchte der Kolonialminister, gestützt auf eine sehr formelle und unserer Meinung nach irrige Auslegung des MacDonald-Briefes, in dem es heißt, „die Kontrolle von Bodentransaktionen solle erst in Kraft treten, sobald die mit der Ausführung der Landentwicklungspolitik betraute Behörde ihre Tätigkeit aufnehmen werde“, die bereits erwähnte Verordnung durchzudrücken. Diese Verordnung wurde zwar beseitigt, hat aber bewirkt, daß die Exekutive einstimmig beschloß, sich an den Arbeiten der Landentwicklungsbehörde nicht zu beteiligen. Im Dezember wurde der interimistische Bericht Frenchs, Ende April eine Ergänzung hierzu der Regierung unterbreitet. Wir wurden aufgefordert, dem High Commissioner unsere Einwände bekannt zu geben. Auf Grund unserer und der arabischen Einwände wird der High Commissioner dem Minister seine eigenen Vorschläge machen. Unsere Einwände werden auf Grund genauer Vorschläge, die wir dem politischen Komitee vorlegen werden, formuliert werden. Nachdem Dr. Brodetzky noch einige aus dem French-Bericht sich ergebende Fragen behandelt hatte, schloß er mit folgenden Worten: Wir haben keinen Grund für übertriebenen Pessimismus, wenn auch keine Gründe zu übertriebenem Optimismus bestehen. Ratschläge, die der Verzweiflung' entspringen, müssen wir zurückweisen und uns auf die konstruktive Arbeit konzentrieren. Wir können glücklich sein, die Arbeit für Israels Erlösung in einer Generation leisten zu können, in der die Tragödie Israels sich in den düstersten Farben abzeichnet.

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