Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 32 (5.8.1932)
- Date
- 1932-08-05
- Page
- Seite 255 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Das Jüdische Echo 255 Die Tagung des Zionistischen Aktions - Komitees London, 26. Juli (JTA.) Die Tagung des Aktions-Komitees der Zionistischen Weltorganisation wurde am 26. Juli in London unter dem Vorsitz seines Präsidenten Dr. Leo Motzkin in Anwesenheit aller Mitglieder der Londoner Exekutive, der Exekutivmitglieder Emanuel Neuman und H. Farbstein sowie der Mitglieder der Palästina-Exekutive Dr. Chajim Arlosoroff und Werner Senator eröffnet. Nach der Eröffnungsansprache Dr. Motzkins erstattete Dr. Brodetzky das politische Referat Er führte aus: Jeder Teilnehmer an dieser Sitzung des Aktions-Komitees der Zionistischen Organisation ist sich der besonderen Verantwortung, die auf uns in einer Zeit noch nie dagewesener Krise im jüdischen Leben lastet, bewußt Wohl selten, wenn überhaupt jemals, war die Judenheit so sehr von politischem und wirtschaftlichem Unheil bedroht, wie heute. Eine Konzentration all unserer Kräfte ist erforderlich und insbesondere die Beseitigung künstlich erzeugten Parteistreites, der die Grundsätze verdunkelt und individuelle und kollektive persönliche Erwägungen unterstreicht. Eines der charakteristischsten Merkmale des Parteikampfes ist die Beschuldigung, die Leitung sei ihrer Aufgabe nicht gewachsen, jede ihrer Maßnahmen sei falsch und das Ergebnis von Unkenntnis, Unzuständigkeit, Illoyalität und Verrat. Die Tatsache, daß solche Beschuldigungen in den letzten Jahren unser politisches Leben charakterisierten, hat mich bei der Darstellung der politischen Arbeit der Exekutive weder in der Vergangenheit beeinflußt, noch wird sie dies heute tun. Ich werde Ihnen die Tatsachen, wie sie die Ergebnisse unserer auf die Kraft unserer Organisation und das Prestige ihrer Ideale gegründeten Bemühungen darstellen, ohne Beschönigung vorlegen. Wir alle, die Exekutive und ihre Anhänger und die sogenannte Opposition und deren Anhänger, sind für die zu verzeichnenden Erfolge und Mißerfolge gemeinsam verantwortlich. London und Jerusalem Es ist unmöglich, die politische Arbeit in London von der in Jerusalem zu trennen. Zu einem großen Teil werden die politischen Schritte in London auf Grund von Ratschlägen und Informationen aus Jerusalem unternommen; zwischen der politischen Tätigkeit an beiden Stellen muß vollständige Koordination herrschen. Ich freue mich, sagen zu können, daß innerhalb der seit dem letzten Kongreß verflossenen zwölf Monate ein dauerndes weitgehendes Einverständnis zwischen den politischen Abteilungen in London und Jerusalem geherrscht hat. Trotzdem werde ich mich in meinen Ausführungen hauptsächlich mit der politischen Arbeit in London beschäftigen. Als wir Basel verbessern waren wir uns alle der durch das Regime im Colonial Office bedingten Schwierigkeiten unserer Lage bewußt. Wir hatten zwei Jahre einer Regierung hinter uns, unter der die politische Führung des Colonial Office in Worten und Taten einen vollständigen Mangel an Sympatien für unsere Ziele und an Verständnis unserer Grundsätze an den Tag gelegt hat. Sie betrachtete sich als Hüterin der wehrlosen und unwissenden „armen Araber“ und als ihre Beschützerin gegen die „reichen, mächtigen und wissenschaftlich ausgerüsteten“ Juden. Lord Passfield war in seiner Haltung vom damaligen High Comissioner für Palästina, Sir John Chancellor, mehr als unterstützt worden. Während wir wußten, daß ein Wechsel in der Person des High Commissioner beschlossen war, wußten wir ebensogut, daß das Regime in London unverändert fortbestehen solle; und lassen sie mich hinzufügen, daß es keinen größeren Irrtum geben könnte als zu glauben, es könne ein Keil zwischen die Regierung in London und die Verwaltung in Palästina — besondere Umstände, wie solche in gewissen Perioden vor dem letzten Kongreß gegeben waren, ausgenommen — getrieben werden. Es war klar, daß der einzige von uns zu befolgende Kurs darin bestehen mußte, so ausdauernd als möglich die Erörterung über die Grundlagen der Palästina-Politik mit der englischen Regierung fortzusetzen. Tatsächlich erhielten wir binnen drei Wochen nach dem Basler Kongreß ein deutliches Anzeichen dafür, daß zumindest ein Mensch in London von den Verhandlungen des Kabinettskomitees und von dem Briefe des Ministerpräsidenten unberührt geblieben war, nämlich der Kolonialminister selbst. Die von ihm vorgeschlagene Verordnung über die Kontrolle der Bodentransaktionen die in der ersten Augustwoche 1931 an uns gelangte, war eine unverfälschte Essenz des Weißbuches vom Oktober 1930. Drei Wochen nach dem Kongress sah sich die Exekutive von einer den wichtigsten Faktor unserer Arbeit, die Bodenpolitik betreffenden Krise bedroht. Ich will mich nicht in Spekulationen darüber einlassen, was geschehen wäre, wenn Lord Passfield im Amt gewesen wäre. Ich möchte nur erwähnen, daß die Exekutive eine kompromisfreie Haltung angenommen hat, und daß ein Beamter des Colonial Office, mit dem ich später über diese Ereignisse sprach, mir erklärte, die Verordnung wäre im Hinblick darauf, daß die in unserem Briefe vom 31. August vorgebrachten, schwerwiegenden Argumente von keinem Kolonialminister hätten außer Acht gelassen werden können, auch dann nicht in ihrer ursprünglichen Form in Kraft gesetzt worden, wenn Lord Passfield im Amt gewesen wäre. Der Regierungswechsel in England war nicht blos der Übergang von dem Kabinett einer Partei zu dem einer anderen. Er bedeutete eine durchgreifende Änderung der nationalen Mentalität, der gesamten Einstellung der britischen Nation zu ihren wirtschaftlichen Problemen. Zum Regierungswechsel traten andere Veränderungen hinzu. In der Kolonialabteilung für den mittleren Osten wurde Sir John Shuckburgh durch Mr. Parkinson ersetzt. In Palästina trat der neue High Comissioner, Sir Arthur Wauchope Ende November sein Amt an. Generalstaatsanwalt Bentwich wurde auf Grund einer Behandlung, die wir aus persönlichen und nationalen Gründen beklagen müssen, durch einen nichtjüdischen Engländer ersetzt, während wir in Bezug auf Bodenfragen mit Mr. French, dem von Lord Passfield eingesetzten Landentwicklungsdirektor zu tun hatten. Wir hatten sowohl in London als auch in Jerusalem viel erzieherische Arbeit zu leisten. Immigrations- und Bodenprobleme Wenn wir nun sagen, daß ein wenig Licht begonnen hat durch die Wolken zu dringen, so meinen wir damit nicht, daß die Dinge glänzend stehen. Sie sind in Wahrheit trüb genug. Der High Commissioner würde vielleicht die Immigration als das Gebiet bezeichnen, auf dem er sich am meisten dem jüdischen Gesichtspunkt genähert hat. Und doch kann niemand sagen, daß die im April aus-